Comedian Aurel Mertz: Diese KI-Entwicklung macht ihm Sorgen
Aurel Mertz (37) ist Comedian, Moderator, Autor und Content Creator - und einer, der sich nicht nur auf der Bühne oder vor der Kamera mit gesellschaftlichen Themen beschäftigt. Mit seinem Buch "Alpha Boys" nahm er bereits junge Männer und traditionelle Rollenbilder in den Blick, als Entertainer erreicht er vor allem auch ein junges Publikum. Im Interview zeigt sich Mertz nun als kritischer Beobachter einer Entwicklung, die längst den Alltag prägt: Künstliche Intelligenz.
Anlass ist das inklusive Projekt "KI für alle" von Helliwood, das von der Aktion Mensch gefördert wird. Mertz begleitet das Projekt, bei dem sich Jugendliche kreativ mit KI auseinandersetzen, unter anderem eigene Superhelden entwickeln und zeigen, wie digitale Werkzeuge genutzt werden können. Dabei spricht der 37-Jährige über Chancen und Risiken von KI, digitale Teilhabe und darüber, ob eine Maschine jemals wirklich gute Witze schreiben kann.
Das Thema Künstliche Intelligenz ist omnipräsent. Wie offen sind Sie selbst gegenüber KI?
Aurel Mertz: Im Alltag kann sie wahnsinnig viele Dinge erleichtern. Leider sehe ich aber, wie viele Menschen das Denken weitgehend einstellen und jede noch so einfache Fragestellung mit KI beantworten. Das könnte uns langfristig alle stark unterfordern und Vielfalt im Denken weiter einschränken. Die Tatsache, dass KI gerade bei kreativer Arbeit den ersten Durchbruch hatte, empfinde ich als alarmierend. Ideen wurden geklaut, vermengt, reproduziert.
Bei dem inklusiven Projekt "KI für alle" von Helliwood, das von der Aktion Mensch gefördert wird, zeigen Ihnen Jugendliche, wie KI funktionieren kann. Hat Sie das überrascht?
Mertz: Als kreativschaffender Mensch versuche ich persönlich, so wenig KI wie möglich in meiner Arbeit zuzulassen. Hier aber zu sehen, wie sie den Jugendlichen geholfen hat, Ideen umzusetzen, zu denen sie sonst möglicherweise keinen Zugang gehabt hätten, war schon schön.
Das Projekt steht für mehr Inklusion im digitalen Raum. Warum ist es Ihnen wichtig, sich für ein Thema wie digitale Teilhabe starkzumachen?
Mertz: Die große Gefahr bei digitalen Entwicklungen ist, dass sie nur für eine größere soziale Ungerechtigkeit sorgen, da nicht alle Menschen an diesen Entwicklungen im gleichen Maße teilnehmen können. Umso wichtiger ist es nun, digitale Teilnahme zu fördern und die Möglichkeiten der KI eher für Chancengleichheit zu nutzen, so dass jeder Mensch in ähnlichem Maße vom technischen Fortschritt profitieren kann.
Bei "KI für alle" entwickeln die Jugendlichen unter anderem eigene Superhelden - ein kreativer Zugang, der das Selbstbewusstsein stärkt. Was wäre Ihre Superkraft, wenn Sie sich selbst als KI-Superheld prompten müssten?
Mertz: Teleportieren oder Fliegen wäre natürlich super. Mobilität ist ein riesiger Luxus.
Sie arbeiten kreativ in vielen Bereichen - als Moderator, Comedian und Content Creator. Wo sehen Sie die größte Gefahr, wenn sich Kreative zu sehr auf KI verlassen?
Mertz: Ich denke nicht, dass sie zwangsläufig Arbeit wegnimmt. Ich denke eher, dass sie die Qualität senkt, indem sich zu viele Menschen auf sie verlassen. Wir müssen sie stärker als Werkzeug begreifen, das nicht allein zu kreativer Exzellenz imstande ist. Der Einsatz muss reguliert werden, sonst haben wir sehr bald nur noch ein wirres Gedankengemisch verschiedenen menschlichen Schaffens.
Glauben Sie, dass KI irgendwann gute Witze schreiben kann?
Mertz: Technisch bestimmt, aber echter Humor basiert auf Erfahrungen und Emotionen, die eine KI nie haben wird.
Sie waren in den vergangenen Jahren als Comedian erfolgreich, sind getourt, haben eine eigene Late-Night-Show moderiert, als Schauspieler gearbeitet und mit "Alpha Boys" ein Buch geschrieben. Wie sehen die kommenden Jahre bei Ihnen beruflich aus?
Mertz: Ich lasse meine Persönlichkeit in einer tagelangen Prozedur im Silicon Valley extrahieren und auf verschiedenen Festplatten in einem KI-Datencenter auf ehemaligen Amazonasflächen speichern. Von da an werde ich einer bekannten KI-Firma als virtueller Witzeschreiber dienen, während meine sterblichen Überreste in Kalifornien kryogenisch eingefroren werden, um in vielen Jahren einer KI als erster biologischer Wirt zu dienen.
Sie erreichen mit Ihrer Arbeit viele junge Menschen. Wie bewusst gehen Sie mit Ihrer Bekanntheit und Ihrer Vorbildrolle um?
Mertz: Sehr bewusst. Ich habe für mich irgendwann entschlossen, dass es mir wichtig ist, ein gutes Beispiel für junge Menschen abzugeben. Die aktuelle Gesellschaft bietet jungen Menschen wahnsinnig viel Orientierungslosigkeit. Wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass sie sich zumindest etwas gesehen fühlen oder ihnen eine Perspektive geboten wird, mit der sie etwas anfangen können, bin ich glücklich.
Was würden Sie jungen Menschen - vielleicht auch mit Behinderung oder aus weniger privilegierten Kontexten - raten, die heute selbst mit Comedy, Moderation oder Content Creation anfangen wollen?
Mertz: Dass sie einfach anfangen und an sich glauben sollen. Auch wenn es manchmal nicht den Anschein macht - wir sind eine vielfältige Gesellschaft, die von unterschiedlichen Perspektiven nur profitieren kann.
Projekte wie dieses machen deutlich, wie wichtig Vorbilder sind, die Mut machen. Haben Sie selbst Vorbilder - beruflich oder persönlich?
Mertz: Ich bewundere all die Menschen, die sich für andere und ihre Bedürfnisse einsetzen, ob im großen und politischen Kontext oder im engsten Umfeld.
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