Clueso über sein Tourleben: "Es ist wie eine kleine Familie"

Clueso geht im Sommer wieder auf Tour und steht im Juni auch bei Southside und Hurricane auf der Bühne. Im Interview spricht der 46-Jährige über ein verändertes Tourleben, ein Kleinkind im Band-Alltag, die besondere Wucht von Festivalshows - und Musik als sein "Seelenheil".
von  (dr/spot)
Clueso beim Auftritt im "House of New Energy" in Berlin.
Clueso beim Auftritt im "House of New Energy" in Berlin. © Eon

Der Sänger Clueso (46) steht in diesem Jahr vor einem konzertreichen Sommer. Nach der Veröffentlichung seines neuen Albums "Deja Vu 1/2" geht der gebürtige Erfurter wieder auf Tour; im Juni stehen unter anderem auch Auftritte bei den großen Southside- und Hurricane-Festivals auf dem Programm. In einem aktuellen Interview verrät der Musiker nun, was sich in den letzten Jahren in seinem Touralltag verändert hat - und warum Festivals für ihn bis heute etwas ganz Besonderes sind.

Dass Clueso derzeit wieder live unterwegs ist, zeigte sich zuletzt auch in kleinerem Rahmen: Im Berliner "House of New Energy" des Energiekonzerns Eon gab der Sänger ein Wohnzimmerkonzert. Im Gespräch vor seinem Auftritt sprach er auch über sein Tourleben mit 46 Jahren. Ob sich etwas verändert habe? "Ja und Nein", berichtet Clueso. Anders sei es vor allem, "weil wir alle älter geworden und länger dabei sind".

Das macht sich natürlich auch im Alltag hinter der Bühne bemerkbar. "Wir haben auch ein Tour-Baby dabei gehabt", erzählt Clueso. Mittlerweile renne da nun sogar "ein Kleinkind rum". Für die Stimmung im Team ist das aber eher Gewinn als Belastung: "Das hebt die Laune. Es ist wie so eine kleine Familie." Gleichzeitig ist Tournee für Clueso längst kein romantischer Dauer-Ausnahmezustand mehr, sondern auch ein Stück weit Arbeitsalltag. "Mein Tag ist total getaktet und ich versuche viel zu pennen und Energie zu sammeln, damit ich dann abends auf der Bühne liefern kann", erklärt er.

Clueso: Festivals sind "von der Energie her was Krasses"

Besonders gespannt blickt Clueso auf die Festival-Auftritte im Juni. Dort sei die Ausgangslage eine andere als bei seinen eigenen Shows. "In erster Linie macht das Spaß, Leute zu bespielen, die ja gar nicht wegen mir gekommen sind, sondern wegen anderen Bands", sagt er. Genau daraus entstehe eine besondere Spannung: "Und dann ist es von der Energie her was Krasses." Man spiele viel kürzer und lasse da alles raus, beschreibt Clueso. Das Publikum wolle dabei "abgeholt werden", springen, feiern, sich bewegen: "Das macht tierisch Spaß."

Energie ist für Clueso dabei nicht nur irgendein Wort aus dem Touralltag. Wenn er es als Gefühl beschreiben müsse, denke er zuallererst an "Achterbahnfahren" - besonders an den Moment, in dem es langsam nach oben geht, bevor man hinunterrausche. Eigentlich, sagt er, sei das vielleicht eher mit dem Wort "Vorfreude" zu beschreiben. Generell sei Musik "wie eine Batterie - je mehr man investiert, desto mehr können sich die Leute damit aufladen".

Verändert habe sich im Übrigen nicht nur sein Tour-, sondern auch sein Studioleben. Früher habe er dunkle Studios bevorzugt und dort "hinterm Schrank gepennt". Mittlerweile spiele aber Licht bei ihm eine wichtige Rolle: "Ich mag inzwischen helle Räume, das gibt mir im Alltag eine gewisse Energie - wenn ich reinkomme und merke: Es ist hell!"

"Ich finde es geil, wenn meine Wohnung ist wie eine Ferienwohnung"

Auch abseits der Bühne hat Clueso zuletzt einen Neuanfang erlebt. "Es gab quasi in meinem Leben einen Neuanfang", sagt er, ohne Details zu nennen. Sein Rezept, um nach vorne zu kommen: die eigene Wohnung umgestalten. Der Musiker hat seine Wohnung umgebaut und neu konzipiert - und liebt das Gefühl, das dabei entsteht. "Es riecht noch ein bisschen nach Umbau und ich liebe das." Bewusst hält er sich dabei zurück, zu sehr "anzukommen": keine großen Schränke, Bilder lieber auf dem Boden als an der Wand. "Ich finde es geil, wenn meine Wohnung auch ein bisschen ist wie eine Ferienwohnung", erklärt er. Dieses Gefühl des Aufbruchs provoziere er ganz bewusst.

Ob Musik für ihn auch ein Spiegel der Gesellschaft oder eher ein Impulsgeber für Veränderung sei? Für ihn sei Musik - und Kunst im Allgemeinen - beides: "Leben imitiert Kunst, die Leben imitiert", so Clueso fast schon philosophisch: "Deswegen ist es ein bisschen wie mit dem Huhn und dem Ei." Vor allem aber bleibe Musik für ihn etwas sehr Persönliches und "in erster Linie mein Seelenheil".

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