Charlotte Lindholm ermittelt im Demenzdorf

Mit "Tatort: König in Gelb" kehrt der Kultkrimi aus einer vier Monate dauernden Sommerpause zurück. Maria Furtwängler spielt am Abend ihres 60. Geburtstages Kommissarin Charlotte Lindholm in einem Film über Demenz. Sowohl ein mutmaßlicher Serienkiller als auch sein Jäger sind daran erkrankt.
Eric Leimann |
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Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) weiß nicht, ob sie im starken neuen "Tatort: König in Gelb" überhaupt einen Mordfall vorliegen hat. Der Tod einer betagten Patientin im Demenzdorf weist Parallelen zu ungeklärten Serienmord-Fällen auf. Doch liegt der etwas spezielle Kollege Matthias Vogel (Andreas Lust) mit seinem Verdacht richtig?
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) weiß nicht, ob sie im starken neuen "Tatort: König in Gelb" überhaupt einen Mordfall vorliegen hat. Der Tod einer betagten Patientin im Demenzdorf weist Parallelen zu ungeklärten Serienmord-Fällen auf. Doch liegt der etwas spezielle Kollege Matthias Vogel (Andreas Lust) mit seinem Verdacht richtig?
Im "Tatort: König in Gelb" bekommt es Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im doppelten Sinne mit Demenz zu tun. Der Verdächtige, Gustav König (Thomas Thieme), könnte ein lange gesuchter Serienmörder sein. Er ist jedoch kaum noch ansprechbar. Doch auch Lindholms Ermittlerkollege, Königs langjähriger Verfolger, leidet unter beginnender Demenz.
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Im "Tatort: König in Gelb" bekommt es Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im doppelten Sinne mit Demenz zu tun. Der Verdächtige, Gustav König (Thomas Thieme), könnte ein lange gesuchter Serienmörder sein. Er ist jedoch kaum noch ansprechbar. Doch auch Lindholms Ermittlerkollege, Königs langjähriger Verfolger, leidet unter beginnender Demenz.
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, rechts) spricht mit ihrem beurlaubten Kollegen Matthias Vogel (Andreas Lust) vor der Haustür, als ihre Mutter Annemarie (Kathrin Ackermann) überraschend auftaucht. Es ist der erste Auftritt der mittlerweile 88-jährigen echten Mutter von Maria Furtwängler in dieser Rollen seit längerer Zeit.
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, rechts) spricht mit ihrem beurlaubten Kollegen Matthias Vogel (Andreas Lust) vor der Haustür, als ihre Mutter Annemarie (Kathrin Ackermann) überraschend auftaucht. Es ist der erste Auftritt der mittlerweile 88-jährigen echten Mutter von Maria Furtwängler in dieser Rollen seit längerer Zeit.
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Musikschule König um, die der mittlerweile schwer demente Verdächtige einst gründete. Herr Miller (Matthias Bundschuh) führt das Werk des Musikpädagogen König dort fort.
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Musikschule König um, die der mittlerweile schwer demente Verdächtige einst gründete. Herr Miller (Matthias Bundschuh) führt das Werk des Musikpädagogen König dort fort.
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Wohnung - und damit dem Leben - ihres am Demenz erkrankten Kollegen um. Wie verlässlich sind seine "Erkenntnisse" noch?
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaut sich in der Wohnung - und damit dem Leben - ihres am Demenz erkrankten Kollegen um. Wie verlässlich sind seine "Erkenntnisse" noch?
Matthias Vogel (Andreas Lust) versucht, einen Serienmörder-Fall aufzuklären, der ihn schon lange begleitet. Er hat nicht mehr viel Zeit dafür - denn er ist selbst an Demenz erkrankt.
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Matthias Vogel (Andreas Lust) versucht, einen Serienmörder-Fall aufzuklären, der ihn schon lange begleitet. Er hat nicht mehr viel Zeit dafür - denn er ist selbst an Demenz erkrankt.
Gustav König (Thomas Thieme) ist ein bekannter Mann in Hannover und darüber hinaus. Er war anerkannter Komponist und gründete eine berühmte Musikschule. Die muss heute ohne ihn auskommen, denn König leidet schon lange unter Demenz und ist mittlerweile verstummt. Kann Charlotte Lindholm irgendwie an ihren Mordverdächtigen herankommen?
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Gustav König (Thomas Thieme) ist ein bekannter Mann in Hannover und darüber hinaus. Er war anerkannter Komponist und gründete eine berühmte Musikschule. Die muss heute ohne ihn auskommen, denn König leidet schon lange unter Demenz und ist mittlerweile verstummt. Kann Charlotte Lindholm irgendwie an ihren Mordverdächtigen herankommen?
Herr Miller (Matthias Bundschuh) führt die Musikschule König im Sinne des Gründers weiter. Charlotte Lindholm versucht dort herauszufinden, ob Hinweise auf ein Doppelleben Gustav Königs zu finden sind.
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Herr Miller (Matthias Bundschuh) führt die Musikschule König im Sinne des Gründers weiter. Charlotte Lindholm versucht dort herauszufinden, ob Hinweise auf ein Doppelleben Gustav Königs zu finden sind.
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) denkt im Film zum 60. Geburtstag der Darstellerin über das Altwerden und den möglichen Verlust der Lebenserinnerungen nach. Sowohl der Verdächtige als  auch der Ermittler einer seit Jahrzehnten andauernden Mordserie sind mittlerweile dement. Bleibt noch Zeit für Aufklärung und Gerechtigkeit?
NDR/Frizzi Kurkhaus 9 Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) denkt im Film zum 60. Geburtstag der Darstellerin über das Altwerden und den möglichen Verlust der Lebenserinnerungen nach. Sowohl der Verdächtige als auch der Ermittler einer seit Jahrzehnten andauernden Mordserie sind mittlerweile dement. Bleibt noch Zeit für Aufklärung und Gerechtigkeit?

Seit dem 10. Mai gab es keinen neuen Sonntagabend-Premium-Krimi im Ersten mehr. Die längste "Tatort"-Sommerpause der TV-Geschichte ist aber nun vorbei, und die neue Saison 2026/27 startet mit einem starken Geburtstagsfilm. Zufall oder nicht: Kommissarin Lindholm-Darstellerin Maria Furtwängler (seit 2002 im Amt) feiert just am Ausstrahlungstag ihren 60. Geburtstag. Da braucht es natürlich einen starken Fall. Und genau der ist dem klugen Filmemacher Alexander Adolph (Buch und Regie) mit "Tatort: König in Geld" (schon ab Freitag, 11. September, in der Mediathek) geglückt. Subtil und dennoch ungeheuer spannend erzählt der Film vom großen Vergessen bei Tätern und Ermittlern. Man kann sich aussuchen, welche Rolle einem "lieber" wäre.

Charlotte Lindholm wird ins niedersächsische Kleinhude gerufen - in ein sogenanntes Demenzdorf. Hier will man Menschen mit Demenz ein normales Alltagsleben ermöglichen. Eine Patientin ist tödlich gestürzt - oder könnte es doch Mord gewesen sein? Diese Theorie bekräftigt ein Kollege Charlotte Lindholms, Matthias Vogel (Andreas Lust). Er ist seit vielen Jahren einem Serientäter auf der Spur und glaubt ihn im dementen Pflegeheim-Bewohner Gustav König (Thomas Thieme) gefunden zu haben. Hat der prominente Musikpädagoge, mittlerweile verstummt, früher ein Doppelleben geführt? Kaum jemand, der den sanften Patienten im Hier und Jetzt kennt, kann sich das vorstellen.

Matthias Vogel hat jedoch noch ein anderes Problem. Der Ermittler leidet selbst unter einer beginnenden Demenz und ist vom Dienst freigestellt. Kann er Charlotte Lindholm davon überzeugen, seinen sich verlierenden Spuren in Richtung des etwaigen Serienmörders nachzugehen?

Was ist tragischer: Ein dementer Serienkiller oder Ermittler?

Es ist ein kühnes Gedanken-Experiment, das Alexander Adolph, Erfinder von "München Mord", hier vollzieht: Nicht nur der Hauptverdächtige des "Tatorts" ist schwer dement, auch dem Befeuerer der Mordtheorie können Charlotte Lindholm und die Zuschauer nicht so recht trauen. Trotzdem schafft es der Film, eine spannungsgeladene Atmosphäre zu erschaffen. Sie beginnt im Demenzdorf und mit einem ungewöhnlichen Verdächtigen: Ist Gustav König, der abwesend und fast wie ein Neutrum wirkt, überhaupt noch fähig dazu, einen Mord zu begehen? Oder ist schon die Spur dieses Krimis falsch, weil die Beweise von einem Ermittler zusammengetragen wurden, der selbst keine rechte Ordnung mehr im Kopf hat? Thomas Thieme in einer kleinen, aber wirkungsvollen Rolle sowie der großartige österreichische Schauspieler Andreas Lust ("Tatort: Die ewige Welle") sind Idealbesetzungen für zwei der faszinierendsten Rollen der jüngeren "Tatort"-Geschichte.

Bei einem solchen Film bleibt auch die Reflexion über den allgemeinen Verfall nicht aus. Charlotte Lindholm - seit 24 Jahren im Dienst - versucht vergeblich ihre Mutter zu erreichen. Irgendwann taucht diese auf - und mit ihr ihre mittlerweile 88-jährige Schauspielerin Kathrin Ackermann, im echten Leben die echte Mutter Maria Furtwänglers. Seit längerer Zeit ist sie mal wieder dabei.

"Tatort: König in Gelb" ist ein atmosphärischer Thriller, der auch Traditionalisten des Who-Dunnit-Krimis zufriedenstellen wird. Alexander Adolph, der auch Kunstkrimi kann, ist ein Film gelungen, der doppelbödig ist: einerseits erzählt er klassisch von Verdächtigen und Ermittlern, denen nicht zu 100 Prozent zu trauen ist, was das Mitraten und Abwägen spannend macht, andererseits reflektiert der Film über den Verfall und das Vergessen. Man könnte sich beispielsweise fragen, was schlimmer ist: ein Mörder, der seine abscheulichen Taten vergisst, oder ein Ermittler, der wegen seiner Demenz die Spur zum Mörder verliert, sodass dieser seiner Strafe entgeht.

Demenzkrimis liegen im Trend

Demente Ermittler gibt es in der jüngeren Krimigeschichte übrigens einige: In der unterschätzten dritten Staffel der HBO-Anthologie-Krimireihe "True Detective" spielt Mahershala Ali einen Detective, dessen Geschichte auf drei Zeitebenen erzählt wird - 1980, 1990 und in der bereits von Demenz geprägten Gegenwart 2015. Auch deutsche Krimis arbeiteten zuletzt mit der Thematik: In "Tödliche Schatten" (2024, ARD) spielte Walter Sittler einen Kommissar, dessen vaskuläre Demenz (kleine Schlaganfälle) nach und nach sein Gehirn zerstören. In der Miniserie "Das Vergessen" (ARD) wird Julia Koschitz im Oktober 2026 das Verschwinden ihrer 17-jährigen Nichte untersuchen, während sie selbst die Diagnose einer frühen Form von Alzheimer erhält.

Auch einen sehenswerten "Tatort" aus München gibt es, es ist ein Fall, in dem der einzige Zeuge - der ehemalige Psychotherapeut des Täters - dement ist. Interessant am "Tatort: Flash" (Erstausstrahlung im Juni 2022) ist, dass sich die Kommissare Batic und Leitmayr im Plot in experimenteller Kriminalistik üben: Ihr Zeuge soll über neue Forschungsmethoden zum Erinnern gebracht werden. Es gibt viele Ansätze, über das große Vergessen im Krimi nachzudenken. Mit "Tatort: König in Gelb" ist eine weitere starke Demenz-Krimistudie hinzugekommen und ein guter Auftakt in die neue "Tatort"-Saison geglückt.

Tatort: König in Gelb - So. 13.09. - ARD: 20.15 Uhr

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de

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