Charli xcx sieht Musik als Farben: Was ist eigentlich Synästhesie?
Am Freitag wird das neue Album "Music Fashion Film" von Pop-Sängerin Charli xcx veröffentlicht. Wie der Name ihres siebten Studioalbums bereits verrät, wurde die britische Sängerin für die elf enthaltenen Songs maßgeblich von ihren Erfahrungen in Musik, Mode und Film inspiriert. Wie auch bei ihren vorherigen Alben dürften erneut auch Farben bei der Auswahl der Songs eine Rolle gespielt haben. Denn die 33-Jährige hat Synästhesie. Bei dem neurologischen Phänomen vermischen sich Sinneswahrnehmungen wie Geschmäcker, Geräusche oder Gerüche und verschmelzen untrennbar miteinander. So können manche Betroffen beispielsweise Wörter schmecken.
Klänge als Farben wahrnehmen
Charli XCX dagegen nimmt Musik auch als Farben wahr. Im Interview mit der "BBC" erklärte sie zu Beginn ihrer Karriere "Ich sehe Musik in Farben. Ich liebe Musik, die schwarz, pink, violett oder rot ist. Aber Musik, die grün, gelb oder braun ist, kann ich überhaupt nicht ausstehen." So sei die Musik der Band The Cure für sie "durchgehend mitternachtsblau oder schwarz, aber mit funkelnden rosafarbenen Sternen und zartrosa Wolken".
Für Menschen mit Musik-Farben-Synästhesie hat jeder Klang eine Farbe. Charli xcx ist in der Musikwelt nicht die einzige Betroffene. Auch Pharrell Williams oder Lady Gaga vermischen Farben und Klänge zu einer Wahrnehmung. Lady Gaga nimmt Ihren Song "Poker Face" bernsteinfarben wahr. Auch Hollywood-Komponist Hans Zimmer hat Synästhesie, was ihm nach eigenen Angaben das Komponieren erleichtere. Für die amerikanische Sängerin Billie Eilish haben Klänge Farben und manchmal auch Gerüche. Ihr Song "Bad Guy" ist für sie gelb und riecht wie leckere Cookies. Doch was genau hat es mit dem Phänomen Synästhesie eigentlich auf sich?
Synästhesie ist keine Krankheit
Synästhesie ist weder eine Krankheit noch eine Halluzination. Vielmehr handelt es sich um eine neurologische Störung. Dass viele Musiker mit diesem Phänomen leben, ist kein Zufall. Denn unter den Betroffenen sind besonders viele hochbegabte und kreative Menschen zu finden. Wie Synästhesie entsteht, ist noch unklar. Forschende vermuten, dass bei Synästhesie bestimmte Hirnregionen anders miteinander verknüpft sind als üblich. Eine wichtige Rolle spielt dabei das limbische System. Das ist der Bereich des Gehirns, der unter anderem für Emotionen zuständig ist. Vermutlich bestehen dort ungewöhnliche Verbindungen, durch die Sinneseindrücke miteinander verschmelzen.
Synästhesie kann viele Formen annehmen. Die Graphem-Farb-Synästhesie ist die am weitesten verbreitete Form der Synästhesie. Dabei werden üblicherweise Zahlen oder Buchstaben farblich wahrgenommen. Bei der lexikalisch-gustatorische Synästhesie haben Wörter Geschmäcker oder eine Textur, die sich mit der Zunge wahrnehmen lässt. Menschen mit Sequenz-Raum-Synästhesie nehmen Zeiträume wie Tage, Woche oder Monate als dreidimensionale Strukturen im Raum wahr. Betroffene sehen hier das Jahr etwa als Kreis, der Tag teilt sich in 24 Kästchen.
Bei Synästhetikerinnen und Synästhetikern sind Teile der Wahrnehmung anders als üblich. Oft bringt das Nachteile im Alltag mit sich. In hektischen Umgebungen kann es zu Reizüberflutungen kommen. Wer Zahlen Farben zuordnet, ist beim Lesen von texten häufig etwas langsamer. Auch Mathematik wird schwierig, wenn mit Zahlen bestimmte Eigenschaften verknüpft werden. Es gibt auch Synästheten, bei denen optische oder akustische Reize schmerzen auslösen können. Auf der anderen Seite bieten einige Varianten auch bestimmte Vorteile. So verfügt jemand mit Sequenz-Raum-Synästhesie oft auch über ein perfektes Zeitmanagement und einen guten Orientierungssinn.
