Chaka Khan wird zu "Chakzilla": Das sind die Musik-Highlights der Woche
Godzilla schlummert manchmal viele Jahre auf dem Meeresgrund, ehe er wieder auftaucht, um Tokio oder New York in Schutt und Asche zu legen. Immerhin sieben Jahre lang blieb auch Chaka Khan im Verborgenen, ehe sie nun ihr neues Album mit dem monströsen Titel "Chakzilla" veröffentlichte. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Queen-Schlagzeuger Roger Taylor und Miley Cyrus, die sich jetzt nur noch Miley nennt.
Chaka Khan - Chakzilla
Die Tanzfläche vibriert, die Wände wackeln, von irgendwoher gniedelt ein Bass so funky, als gäbe es kein Morgen mehr. Was ist das für eine überlebensgroße Urgewalt, die da über den Dancefloor hereinbricht? Es ist ... "Chakzilla"! - Man darf wohl nicht allzu eitel sein und muss einigen Humor mitbringen, um sich als gestandene Pop-Ikone von 73 Jahren mit dem legendären Ungetüm Godzilla zu vergleichen. Bei Chaka Khan aber scheint genau diese Lockerheit gegeben zu sein: Mit "Chakzilla" veröffentlicht die "Queen of Funk" eines der kurzweiligsten und coolsten Alben des Spätsommers.
Dass sie aktuell gut gelaunt und offensichtlich auch für einen Spaß wie "Chakzilla" zu haben ist, kann man gut verstehen, denn nach allem, was sie in ihrer Karriere schon erlebt hat, war 2026 für Chaka Khan mal wieder ein echtes Spitzenjahr. Mit bereits zehn Grammys im Schrank wurde die US-Sängerin zuletzt auch noch mit einem weiteren Grammy für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Zudem startete im Sommer in London ein Musical, das ihre Verdienste für Kultur und Musik feiert - "I'm Every Woman: The Chaka Khan Musical". Jetzt also gibt es auch mal wieder Musik, das erste neue Album seit immerhin sieben Jahren.
Dieser Auftritt von "Chakzilla" dauert nur 33 Minuten, aber da bleibt kein Stein auf dem anderen. "Ah, I'm sweating to the beat", ächzt Chaka Khan bereits im zweiten Song "Boogie's In My Soul", aber sie will mehr und mehr und treibt die Dancepop-Party bis zuletzt mit großem Eifer voran. Produziert wurde die neue Platte von Greg Kurstin, als Gaststars heizen Snoop Dogg, Sia und Lenny Kravitz die Stimmung zusätzlich an. Laut Chaka Khan gehe es auf diesem Album darum, "sich selbst und andere zu lieben und die eigene Kraft zu finden, ganz egal, wo man gerade im Leben steht" - Godzilla selbst hätte es nicht schöner sagen können.
Roger Taylor - Violence Insane In A Beautiful World
Vogelgezwitscher, sperrige Prog-Gitarren, südafrikanische Chorgesänge, hier und da etwas elektronisches Geschepper und eine gute Prise schwarzen britischen Humors: Es sind all das nicht unbedingt Dinge, die seinerzeit gut zu Queen gepasst hätten, aber sie passen sehr gut zu Roger Taylor. Schon 1981, irgendwann zwischen "Flash" und "Under Pressure", wagte sich der Queen-Schlagzeuger an die Veröffentlichung seines ersten Solo-Albums "Fun In Space". Viele Synthesizer waren da zu hören, ganz im Gegensatz zur alten "No synthesizers"-Devise von Queen - ein erstes klares Zeichen: Als Solokünstler hat Roger Taylor definitiv seinen eigenen Kopf. Das unterstreicht er auch wieder mit seinem neuen Werk "Violence Insane In A Beautiful World".
Auf der einen Seite irrsinnige, zerstörerische Gewalt, auf der anderen eine wunderschöne Welt, die es unbedingt zu schützen gilt: Diese neue Platte von Roger Taylor ist eine der Gegensätze und auch wieder eine voller klanglicher Experimente. Stilistisch bewegt der Künstler sich zwischen Artrock und Weltmusik, inhaltlich setzt er immer wieder mal bissige Kommentare ab, etwa zur merkwürdigen Gewohnheit mancher Menschen, ihr Essen zu fotografieren. Diese Musik ist nicht immer leicht zugänglich, und das will sie auch gar nicht sein, aber man spürt immer, was für ein besonderer visionärer Könner hier am Werk ist. Kurz vor dem Ende wagt sich Roger Taylor, der das Album weitestgehend alleine geschrieben und aufgenommen hat, sogar an ein Cover von John Lennons "Jealous Guy" - ein wunderbarer kleiner Irrsinn für sich.
Miley - Bass Persuades
"Bass Persuades", auf Deutsch "Bass überzeugt": In den Geschäftsräumen der Plattenfirma Atlantic Records hat man sicherlich schon einige Vorschläge für Albumtitel gehört, die, nun ja, mehr überzeugten. Die Künstlerin bekam trotzdem ihren Willen. Schließlich geht es hier um Miley Cyrus, eine der bedeutendsten Pop-Persönlichkeiten der Gegenwart, die nach vielen Jahren bei der Konkurrenz gerade erst zu Atlantic Records (eine Tochter von Warner Records) gewechselt ist. "Bass Persuades", das soll nun ein Neustart sein, mutmaßlich mit viel Bass und nebenbei auch mit einem neuen Künstlerprofil: Die Sängerin hat ihren Nachnamen "Cyrus" seit Ankündigung ihres zehnten Albums nicht mehr verwendet und tritt aktuell nur noch als "Miley" auf.
Der Bass pumpt und wummert ordentlich im Auftaktsong "Bass Persuades", er pumpt und wummert auch im darauffolgenden zweiten Titel "Different Religion". Okay, da scheint ein bestimmter Vibe zu sein, kantig, schroff, sehr modern. Und dann ist er weg, als Miley zu Seifenblasen-Schmusepop, Balladen und Trance-Galopp übergeht. Erst kurz vor dem Ende liefert sie mit "Innocent Ways" wieder etwas mehr Wumms für die Magengrube.
Ein richtig überzeugendes Bass-Album ist "Bass Persuades" also nicht. Allerdings war Miley Cyrus bis auf wenige Ausnahmen in ihrer Karriere (etwa "Plastic Hearts", 2020) auch nie eine Album-Künstlerin, und ohne die höheren, leichteren Töne würde dieser neuen Platte ohnehin einiges fehlen: Gerade die Titel, die klanglich am meisten aus dem "Bass Persuades"-Rahmen fallen, wie etwa "Let's Get Married" und "Neon Signs", gehören zu den besten des gesamten Albums.
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