Bernd Rosemeyer jr.: "Mein Vater war der schnellste Rennfahrer"

Als erste Frau umrundet Elly Beinhorn im Alleinflug die Welt und wird damit zum Star. Als sie dann noch den Rennfahrer Bernd Rosemeyer heiratet, ist die Sensation perfekt.
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Schauspielerin Vicky Krieps und Bernd Rosemeyer, der Sohn der legendären Fliegerin Elly Beinhorn, am Drehort in Berlin
ZDF/Christiane Pausch Schauspielerin Vicky Krieps und Bernd Rosemeyer, der Sohn der legendären Fliegerin Elly Beinhorn, am Drehort in Berlin

Als erste Frau umrundet Elly Beinhorn im Alleinflug die Welt und wird damit zum Star. Als sie dann noch den Rennfahrer Bernd Rosemeyer heiratet, ist die Sensation perfekt. Stoff genug für einen Film. Der Sohn des Traumpaares, Bernd Rosemeyer jr., hat spot on news verraten, ob ihm der neue ZDF-Streifen gefällt.

Ein aufsehenerregendes Leben: 1932 umrundet Elly Beinhorn (1907-2007) als erste Frau im Alleinflug die Welt und wird damit zum internationalen Star. Als sie 1936 den talentierten, aber jüngeren Rennfahrer Bernd Rosemeyer (1909-1938) heiratet, ist es eine Sensation. Die Rekorde der beiden in der Luft und auf der Rennstrecke machen sie zum gefeierten Promi-Traumpaar. Doch das gemeinsame Glück währt nur kurz: Ende Januar 1938 verunglückt Bernd Rosemeyer bei einem Rennen auf der heutigen A5 tödlich. Zurück bleibt Elly Beinhorn mit dem gemeinsamen Sohn, der erst wenige Monate vorher, im November 1937, das Licht der Welt erblickt hatte.

Elly Beinhorn war ein Superstar ihrer Zeit und Vorreiterin für ein selbstbestimmtes Leben - eine Autobiografie finden Sie hier

Diese sensationelle Liebes- und Lebensgeschichte hat das ZDF jetzt verfilmt: "Elly Beinhorn - im Alleinflug". Wie ihm der Film über das Leben seiner Mutter gefallen hat, hat Bernd Rosemeyer jr. (76) der Nachrichtenagentur spot on news erzählt. Erklärt hat er dabei auch, warum man damals über den Bahnhöfen ganz tief geflogen ist, und warum sein Vater gefährlicher gelebt hat als seine Mutter.

Wie gefällt Ihnen der Film?

Bernd Rosemeyer jr.: Sehr gut! Darüber bin ich auch sehr glücklich, denn die Idee, das Leben meiner Eltern zu verfilmen, geht bis weit in die bewusste Lebenszeit meiner Mutter zurück. Sie war dafür, hat aber immer gesagt: "Macht es, wenn ich nicht mehr da bin." Schön finde ich vor allem auch, dass der tödliche Unfall meines Vaters sehr gefühlvoll dargestellt wird.

Waren Sie in allen Phasen einbezogen?

Rosemeyer: Ja. Ich habe jede Drehbuchfassung bekommen und durfte meinen Senf dazu abgeben. Korrigieren musste ich aber nur ein paar Fakten.

Ihre Mutter hat die letzten Jahre in einem Altenheim im Münchner Vorort Ottobrunn verbracht. Wie haben die Mitbewohner auf die berühmte Frau reagiert?

Rosemeyer: Die Mitbewohner hatten sich sehr über ihren Einzug gefreut. Sie dachten allerdings, dass meine Mutter jetzt jeden Tag aus ihrem reichhaltigen Leben erzählen würde. Das hat sie aber nicht gemacht.

Warum wollte sie das nicht?

Rosemeyer: Wenn sie mit Fliegerkollegen zusammen war, hat sie sofort geredet. Da war sie wie ausgetauscht. Einfach um des Redens willen hätte sie dagegen nie geredet. Die Mitbewohner haben sich dann immer ein bisschen bei mir beklagt: "Sie guckt durch uns durch!", hieß es oft.

Sie sind früher viel mit Ihrer Mutter mitgeflogen. Stimmt es, dass man über den Bahnhöfen ganz tief geflogen ist, um die Ortsnamen zu lesen?

Rosemeyer: Ja, das war normal. An Straßenschildern, Bahnhöfen et cetera haben sich die Flieger früher orientiert. Damals gab es ja kein GPS und die Karten waren auch nicht so toll. Heute dürfte man gar nicht mehr in zehn Metern Höhe parallel zu einem Zug fliegen.

Ihre Eltern haben beide sehr gefährlich gelebt.

Rosemeyer: Meine Eltern hatten gute Schutzengel - die brauchte man damals auch mehr als heute. Nachdem sie einmal einen Bruch hatte, bei dem mit viel Glück nichts passiert ist, hat meine Mutter immer versucht, ihre Grenzen einzuhalten. Natürlich kann man nicht alles kalkulieren. Weil die Flieger aber relativ klein waren und keine großen Landeflächen brauchten, konnte man leichter notlanden. Retrospektiv hat mein Vater gefährlicher gelebt als meine Mutter.

Warum?

Rosemeyer: Die großen Rennfahrer-Preise gingen damals über 500 Kilometer, heute werden die nach zwei Stunden abgebrochen. Es gab keine aktive und passive Sicherheit: Die Fahrer waren nicht angeschnallt und hatten keinen Helm. Es ging durch Häuserschluchten, die maximal mit Strohballen verkleidet waren. Die Rennwagen waren ihrer Zeit technisch weit voraus und die Geschwindigkeiten dieselben, wie sie heute in der Formel 1 gefahren werden.

Wie schnell waren die Rennfahrer unterwegs?

Rosemeyer: Auf einer Rundstrecke wie dem Avus in Berlin sind die Autos 1936 eine maximale Durchschnittsgeschwindigkeit von 280 km/h gefahren, auf Geraden erreichten die Autos bis zu 380 km/h. Das ist auch heute noch gigantisch. Diese Autos waren außerdem sehr schwer zu bedienen. All diese Gefahren hat man damals aber noch nicht so gesehen. Ein Experte hat mal gesagt, der erfolgreichste Rennfahrer sei Rudolf Caracciola gewesen, weil er am längsten gefahren ist und die meisten Preise gewonnen hat. Der Mutigste sei der Tazio Nuvolari, mein Patenonkel. Und der schnellste Rennfahrer sei mein Vater. Das ist gut zusammengefasst.

Kam für Sie auch ein Beruf mit Geschwindigkeit infrage?

Rosemeyer: Wenn mein Vater damals nicht gestorben wäre, hätte ich natürlich auch etwas mit Autos gemacht. Ich bin aus der Art geraten, wenn Sie so wollen. Aber glücklicherweise bin ich in meinem Beruf auch relativ erfolgreich gewesen. Meiner Mutter ist sogar einmal gefragt worden, ob sie etwas mit dem bekannten Orthopäden Rosemeyer zu tun hat. Privat bin ich aber immer noch ab und zu mit dem Oldtimer auf einer geschlossenen Rennstrecke unterwegs.

Würden Sie sagen, dass Ihre Eltern Vorbilder sind?

Rosemeyer: Ja. Vor allem meine Mutter, weil sie ihre Ideale und Pläne, die ungewöhnlich, aber nicht abwegig waren, durchgezogen hat - und das gegen alle Widerstände. Es fing bei den Eltern an, die mit ihr zum Psychiater gehen wollten, weil sie dachten, das Mädchen wäre übergeschnappt, als sie den Berufswunsch Fliegerin äußerte. Zu der Zeit war das Frauenideal ein anderes. Man wollte nicht, dass da eine Frau allein durch die Welt fliegt. Sie sollte in der Küche stehen, sich um die Kinder kümmern und vor allem möglichst viele Kinder bekommen.

Ihre Eltern waren ein außergewöhnliches Promi-Traumpaar. Sind die beiden auch ein schönes Beispiel für die These, dass man das Glück haben muss, jemanden zu finden, der eine ähnliche Exzentrik hat?

Rosemeyer: Wahrscheinlich schon. In jedem Fall war es eine ungewöhnliche Geschichte: Meine Mutter war eher der Einzelgänger-Typ, anders als mein Vater. Er hat sofort gesehen, dass sie die Frau ist, die er haben will. Kann man auch verstehen, denn sie war ein guter Typ, einerseits sehr chic, andererseits im verschmierten Overall. Dass sie sich letzten Endes auch tatsächlich von ihm hat erobern lassen, spricht dafür, dass auch er etwas Besonderes war. Er war immerhin zwei Jahre jünger als sie, was damals schwierig war.

Für Ihren Vater war Elly Beinhorn der Glücksbringer. Hatte sie auch welche?

Rosemeyer: Sie war nur bedingt abergläubisch, die 13 war ihr aber wichtig. Diese Zahl stand auf einem Kopftuch, das sie immer zum Fliegen trug. Außerdem wollte sie vor dem Flug keine Blumen - die sollten Unglück bringen. Wenn sie doch mal welche bekommen hat, ist sie noch schnell an den Rand des Platzes gerollt und hat sie in hohem Bogen rausgeworfen.

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