"Bernd Eichinger war ein Kind – und ein Krieger“

Für die AZ erinnert sich der Filmemacher Simon Verhoeven an sein großes Vorbild Bernd Eichinger. Den er als junger Schauspieler zum ersten Mal getroffen hat.
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Simon Verhoeven trauert um sein Vorbild Bernd Eichinger.
dpa Simon Verhoeven trauert um sein Vorbild Bernd Eichinger.

Für die AZ erinnert sich der Filmemacher Simon Verhoeven an sein großes Vorbild Bernd Eichinger. Den er als junger Schauspieler zum ersten Mal getroffen hat.

Bernd Eichinger war für mich schon als Jugendlicher ein Vorbild. Ich habe ihn immer bewundert, für seinen Instinkt, seine Kraft, seinen Mut, sein Herz als Filmschaffender. Er hat uns allen gezeigt, dass nichts unmöglich ist, er war ein Kind und ein Krieger, ein Träumer und ein Macher, der die großen Bilder suchte, die großen Geschichten erzählen wollte, ein wunderbarer Verrückter, der das Kino genauso liebte wie das Leben, denn diese Leidenschaft ist ein und dieselbe.

Als ich Bernd dann persönlich kennenlernen durfte, nachdem ich als junger Schauspieler für die Constantin gearbeitet hatte, sprach er mich direkt an, in seiner unkomplizierten, herzlichen Art und ermutigte mich damals, meinen eigenen Ideen und Visionen zu folgen. Leider wurde Bernd Eichinger von den vielen verkopften Filmkunstkleingärtnern in diesem Lande, die sich den elitären Stempel „Arthouse“ auf ihre oft künstlichen, schlecht gemachten, kraft- und mutlosen Problemfilmchen heften, wegen seiner kommerziellen Erfolge beneidet, ja, manchmal sogar verachtet. Völlig zu Unrecht sind daher Eichingers Filmen, die bereits rein handwerklich in einer eigenen Liga spielten, oft große deutsche Preise verwehrt geblieben.

Aus purem Neid. Aus Kleinlichkeit. Aus Blindheit. Das war die Rache der Erfolglosen an einem besessenen Überflieger, der genau das Kino machte, das er sehen wollte, egal, wie unmöglich das zunächst mal schien. Bernd war ein ewig Junger, ein ewig Wilder, ein lauter, leiser Kämpfer, dessen Talent, Leidenschaft und Kraft dem deutschen Film für immer fehlen werden. Ich bin mir sicher, spätestens jetzt werden auch die Neider merken, welches Herz dem deutschen Film verloren gegangen ist. Ich bin untröstlich, dass Bernd so früh gehen musste. Er ist unersetzlich. Mein tiefstes Beileid geht an seine Familie und natürlich seine große Filmfamilie, insbesondere die Constantin.“

Simon Verhoeven

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