Interview

"Bei mir sterben die Leute fröhlich": Bernd Stelter über sein Krimi-Geheimnis

Im besten Rentenalter, aber immer noch erfolgreich auf diversen Gebieten: Der Ex-"Sieben Tage, sieben Köpfe"-Star verrät, was ihn fit hält und welchen Promi-Ratschlag er heute noch beherzigt.
Daniela Schwan |
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Setzt auf Frohsinn: Komiker Bernd Stelter.
Setzt auf Frohsinn: Komiker Bernd Stelter. © Daniela Schwan

Die AZ trifft Bernd Stelter im Wirtshaus im Schlachthof. Der 65-jährige Kabarettist ("Sieben Tage, sieben Köpfe" oder "Das NRW-Duell"), Karnevalist, Komiker, Schauspieler, Schriftsteller, (insgesamt neun Bücher), "Spiegel"-Bestsellerautor, Liedermacher, Sänger und Fernsehmoderator verrät im AZ-Interview die fünf "Ls", die sein Leben ausmachen.

AZ: Herr Stelter, Sie sind noch immer fidel dabei: zwei Kabarettprogramme, mit denen Sie unterwegs sind ("Reg' dich nicht auf. Gibt nur Falten!", "Oh Du fröhlicher Vorweihnachtsabend"), und gerade erschien Ihr Krimi "Die kalte Hand des Camping-Killers" im Lübbe-Verlag. Was hat es mit Ihrem fünften Fall um Inspector Piet van Houvencamp auf sich?
BERND STELTER: Auf diesen Krimi bin ich so richtig stolz; es ist ja wichtig, dass er spannend ist. Nun bin ich aber auch Komiker, bei mir muss es also auch lustig zugehen. Ich sage immer: Bei mir sterben die Leute fröhlich! Und bei allem, was ich mache, setze ich auf Wärme und Relevanz. In dem Fall ist es so, dass ja die Camping-Preise gerade in die Höhe schießen; die höchste Preissteigerung ist in den Niederlanden bei immer weniger Plätzen; die Pacht ist zum Teil auf 10.000 Euro jährlich gestiegen. Es gibt Menschen, die haben dort seit 30, 40 Jahren ihren Wohnwagen, da kommen jetzt luxuriöse Ferienwohnungen hin! Auch wir mussten den Platz wechseln… In meinem neuen Buch habe ich das Thema aufgegriffen; ein Investor wird tot in den Dünen aufgefunden mit sehr bedeutsamem Hintergrund, einer sehr überraschenden Wendung und natürlich jeder Menge Verdächtiger. Neben dem Inspector Piet van Houvencamp gibt es wieder die fünf verrückten deutschen Camper und Hobbydetektive, die zu seinem Leidwesen in jedem Fall mitmischen.

Der aktuellste Camping-Krimi von Bernd Stelter.
Der aktuellste Camping-Krimi von Bernd Stelter. © Lübbe

Was inspiriert Sie?
Man muss einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen, das ist sowohl in meinem Kabarett als auch in meinen Büchern entscheidend! Und wenn ich mal sechs Wochen am Stück geschrieben habe, brauche ich die Bühne, das Publikum, sonst fehlt mir was! Bei meinem aktuellen Buch, das ich letztes Jahr in Holland geschrieben habe, sah mein Tagesablauf so aus: Morgens bin ich Schauplätze abgeradelt, an denen die Handlungen spielten, danach habe ich geschrieben; ich war gut im Fluss und habe mich selbst ausgetrickst und den Abgabetermin für mich auf den 30. September vorverlegt … ein halbes Jahr früher als geplant, sonst hätte ich mein darauffolgendes Programm nicht geschafft. So was hat der Verlag auch noch nie erlebt, normalerweise laufen sie ja eher den Manuskripten hinterher. (Lacht erneut.)

Mal zusammengefasst: Was macht für Sie den Reiz des Wohnwagens aus?
Nachdem wir jahrelang für unsere Kinder im Urlaub die Rund-um-die-Uhr-Animateure gespielt haben, entdeckten wir über meine Schwester das Campen – und alles war fortan einfach viel entspannter. Unsere Kinder sind inzwischen 34 und 32 und nach wie vor dabei. Ich selbst relaxe am Meer, gehe am Strand spazieren, fahre Fahrrad. Ich bin viel auf Tournee, übernachte 50-mal im Jahr in Hotels, da ist unser Campingplatz an der holländischen Küste eine familiäre Abwechslung. Und kreativ obendrein.

Sonnenaufgang auf dem Stellplatz für Wohnmobile in Simonshaven, Zuid-Holland.
Sonnenaufgang auf dem Stellplatz für Wohnmobile in Simonshaven, Zuid-Holland. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Seit fast vier Jahrzehnten sind Sie vom Bildschirm und den Brettern, die die Welt bedeuten, nicht mehr wegzudenken.
Ja, ich durfte unter anderem zehn Jahre lang "7 Tage, 7 Köpfe" machen, stehe seit 38 Jahren auf der Bühne und, das ist ein wichtiger Punkt, den man hinkriegen muss: ein bisschen Demut und ganz viel Respekt haben! Mein Lebensmotto ist ein Zitat von meinem Lieblingsschauspieler Robin Williams (1951-2014): "Jeder Mensch, den du triffst, kämpft einen Kampf, von dem du nichts weißt, also sei freundlich zu jedem." Das versuche ich zu beherzigen.

Ist ein Komiker wie Sie auch privat lustig?
Frohnatur bin ich aber keine! Wenn ich so ein Typ wäre, der morgens früh aufsteht und lustig ist, dann wäre meine Frau schon geschieden und das möchte ich nicht. (Lacht.) Ich bin ein durchaus humorvoller Mensch, das heißt aber nicht, dass man nicht auch melancholische, leise und nachdenkliche Momente haben kann. Mein alter Mentor Rudi Carrell (1934-2006) hat immer gesagt: "Wenn du den Leuten einen schönen Abend machen willst, bring sie zum Lachen. Und wenn du ihnen einen tollen Abend machen willst, bring sie zum Lachen und zum Weinen." Und genau darum geht es, finde ich. Lachen kann ich zum Beispiel über meine drei kleinen Enkel und was da jetzt los ist. Opa zu sein, ist großartig. Wenn sie vorbeikommen, findet das Leben auf dem Teppichboden statt, ansonsten viel übers iPad. Wenn der Zweieinhalbjährige keine Lust mehr hat, mit mir zu kommunizieren, drückt er auf die Aus-Taste und ist einfach weg. So was amüsiert mich köstlich!

Das waren noch Zeiten: Das Team von "Sieben Tage, sieben Köpfe" 2002 mit unter anderem Bernd Stelter (2. v. l.) und seinem Mentor Rudi Carrell (3. v. l.).
Das waren noch Zeiten: Das Team von "Sieben Tage, sieben Köpfe" 2002 mit unter anderem Bernd Stelter (2. v. l.) und seinem Mentor Rudi Carrell (3. v. l.). © RTL

Sie haben 30 Kilo abgenommen und ein humoristisches Buch dazu verfasst: "Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben". Können Sie Ihr Gewicht halten?
Ich nehme ab und zu ab und zu, vor allem, nachdem ich vor fünf Jahren aufgehört habe zu rauchen, das hat mich wirklich Kilos gekostet. Ich bin aber im Moment ganz zufrieden mit meiner 10.000-Schritte-Regelung. Fünf Tage die Woche sind Pflicht, da bin ich sehr konsequent und habe das Walking in meinen Alltag eingebaut. An zwei Tagen kann man es schleifen lassen, man muss ja nicht päpstlicher sein als der Papst Leo.

Laufen, Lernen, Leute, Lachen, Loslassen!

Wie gehen Sie überhaupt mit dem Älterwerden um?
Als ich 60 wurde während der Pandemie, es keine Bühnenauftritte gab und ich ins Grübeln kam, hatte ich flugs die Idee zu meinem Buch: "Wer älter wird, braucht Spaß am Leben." Dazu habe ich ältere Leute befragt – und kam so auf die fünf Ls: Laufen, Lernen, Leute – also soziale Kontakte –, Lachen – denn ohne Humor ist Älterwerden nicht zu ertragen – und ganz wichtig: Loslassen! Materiell und im menschlichen Bereich. So möchte ich nur noch Menschen in meinem Umfeld, die mir guttun und umgekehrt. Mein Resümee: Nicht stehen bleiben, sich immer weiterentwickeln, schließlich kann man heute nicht mehr die gleichen Witze erzählen wie vor 30 Jahren. Kurzum: Ich habe Spaß! Und wenn man älter wird, ist Schreiben eine tolle Sache – und die Frau bringt dir eine Tasse Tee an den Arbeitsplatz, das ist wunderbar und ein großes Glück.

Bernd Stelter mit Ehefrau Anke Stelter zu Gast auf dem roten Teppich bei der Musical-Premiere von "Romeo und Julia – Liebe ist alles" im August in Düsseldorf.
Bernd Stelter mit Ehefrau Anke Stelter zu Gast auf dem roten Teppich bei der Musical-Premiere von "Romeo und Julia – Liebe ist alles" im August in Düsseldorf. © IMAGO

Apropos Glück. Verraten Sie Ihr Beziehungsgeheimnis mit Ehefrau Anke?
Während Corona hatten wir eine Bewährungsprobe, denn wir hingen monatelang aufeinander, das waren wir beide nicht gewohnt. Dann haben wir uns kleine Fenster eingerichtet mit Aufgaben, so war ich zum Beispiel der Einkaufsbeauftragte und viel unterwegs. Wir haben es nicht nur hinbekommen, sondern gemeistert! So bin ich seit über 36 Jahren sehr glücklich verheiratet; das ist in meinem Metier eher selten und ich bin auch dafür sehr dankbar.

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