Beatles-Wegbereiter Horst Fascher mit 90 Jahren gestorben

Er brachte die Beatles in den Hamburger Star-Club, lange bevor die Welt sie kannte. Nun ist Horst Fascher gestorben. Dabei hätte er die Band aus Liverpool beim ersten Hören fast abgeschrieben.
von  (ae/spot)
Horst Fascher ist am 31. Oktober verstorben. Das bestätigte sein Bruder.
Horst Fascher ist am 31. Oktober verstorben. Das bestätigte sein Bruder. © imago images/Eventpress

Der Mitbegründer des legendären Hamburger Star-Clubs, Horst Fascher (1936-2026), ist am Samstag im Alter von 90 Jahren gestorben. Er holte einst die damals noch unbekannten Beatles in die Hansestadt.

Sein Bruder Uwe Fascher bestätigte den Tod gegenüber "Bild": "Er ist am 31. Oktober friedlich im Heim eingeschlafen." Die Geschichte, die Fascher berühmt machte, begann mit einem Fehlurteil. 1960 spielten die Beatles zum ersten Mal auf dem Kiez, damals noch unter anderem mit Pete Best und Stuart Sutcliffe. Fascher war nicht beeindruckt. "Die Schrammeln mir zu viel. Die kannst du vergessen", soll er gesagt haben.

Zwei Jahre später sah er das anders. Im Januar 1962 unterschrieben Fascher und Beatles-Manager Brian Epstein den Vertrag, der die Band in den Star-Club holte. Die Gage betrug 500 Mark pro Musiker und Woche.

Vom Boxer zum Clubchef

Fascher wurde 1936 in Hamburg geboren. Er machte eine Lehre als Schiffszimmermann und boxte in den 50er-Jahren. 1962 überredete er Kiez-Größe Manfred Weissleder, das Stern-Kino an der Großen Freiheit 39 zu einem Musikclub umzubauen. Am 13. April 1962 öffnete der Star-Club, und schon am ersten Abend standen die Beatles auf der Bühne. Bis Ende des Jahres traten sie dort noch 78 weitere Male auf, wie die "Hamburger Morgenpost" erinnert.

Fascher war Geschäftsführer und buchte die Künstler. Nach den Beatles holte er weitere Größen wie Bill Haley, Chuck Berry, Jimi Hendrix, Fats Domino und die Everly Brothers an die Große Freiheit. Mit den Jungs aus Liverpool verband ihn aber mehr als das Geschäft. Er zog mit ihnen durch die Nächte, sie nannten ihn "Horstie". John Lennon sagte später über die Reeperbahn-Jahre: "Hamburg war es, das den Ausschlag gab. Dort haben wir uns wirklich entwickelt."

Ein Song für den Freund in Haft

Wie eng die Freundschaft war, zeigte sich 1966. Als die Beatles, inzwischen weltberühmt, am 26. Juni 1966 in Hamburg spielten, saß er wegen Körperverletzung in Haft. Lennon widmete ihm von der Bühne aus "If I Needed Someone": "Der nächste Song ist speziell für unseren alten Hamburger Freund Horst Fascher, der heute leider nicht hier sein kann..."

Er wurde auf Bewährung entlassen, durfte aber den Kiez nicht mehr betreten. Fascher meldete sich freiwillig für Vietnam. 1976 eröffnete er am Großneumarkt den "Star-Club II", der aber längst nicht so erfolgreich war wie das Original. Laut "Mopo" war seine Zwei-Zimmer-Wohnung am Rand des Kiezes voller Andenken an die wilden Jahre, fast ein privates Museum.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.