"Bares für Rares"-Expertin muss Verkäuferin enttäuschen - im Händlerraum gibt's ein überraschendes Happy End

"Es ist weder Köln noch Düsseldorf", erkannte Horst Lichter beim Blick auf das Motiv eines Gemäldes, das in der Freitagsausgabe der ZDF-Trödelshow vor ihm landet. Doch obwohl sich Venedig allseits größter Beliebtheit erfreute, hatte die "Bares für Rares"-Expertin Dr. Bianca Berding einiges auszusetzen
"Das Gemälde ist vom Nachlass meines Schwiegervaters", berichtete Christine aus Schwandorf, die ihren Enkel Ferdinand als Unterstützung mitgenommen hatte. "Der war als junger Mensch scheinbar ein Italien-Fan." Was sie außerdem über die Herkunft der Rarität wusste: "Die Leidenschaft hat ihn dazu geführt, dass er sich dann im Jahr 1936 das Gemälde in München gekauft hat." Nach seinem Tod ging das Bild in den Besitz von Christines Mann über.
"Wir sehen die Kuppeln der Kirche Santa Maria della Salute", begann Bianca Berding die Expertise. "Wir haben eine sehr weite Ansicht des Canale Grande in Venedig." Die Komposition von Franz Guillery bezeichnete sie als "sehr geschickt gestaltet": "Das ist eine sehr, sehr gute Tiefenwirkung." Überhaupt sprach sie das Motiv an: "Wir haben ein bisschen Postimpressionismus. Sehr, sehr gut, gefällt mir auch."
Zeitlich ließ sich das Kunstwerk schwer einordnen: "Ich schätze zwischen 1900 und bis ungefähr 1930." Die Expertin betonte: "Gerade seine Italien-Bilder sind sehr beliebt." Doch dann folgten auch einige negativen Seiten. "Was mir nicht ganz so gut gefällt, das ist der Zustand der Oberfläche schauseitig", wies Berding auf Farbabplatzungen wie in dem kleinen Boot hin. "Dann würde mich auch noch der Rahmen interessieren", hakte Horst Lichter nach. Denn der sah durch das glänzende Gold aus wie neu. "Das ist ein richtig guter Blender", meinte Berding. "Wenn man ein bisschen näherkommt, ist dieses Gold so krass, das sieht fast aus wie Plastik." Ihr Rat: "Ich würde den Rahmen wegnehmen, auf jeden Fall."
"Wenn Sie das sagen. Aber es enttäuscht uns"
"Ich hab mir schon so 3.000 bis 4.000 Euro vorgestellt", verriet Christine ihren Wunschpreis. "Ich bin auf jeden Fall deutlich drunter", legte sich die Expertin auf 800 bis 1.200 Euro fest. "Das Werk von Guillery ist nicht so groß gehandelt." Horst Lichter schnappte nach Luft, während sich die Verkäuferin schnell mit dem geringeren Wert abfand: "Wenn Sie das sagen. Aber es enttäuscht uns." Doch das letzte Wort fiel wie immer im Händlerraum.
Wolfgang Pauritsch, Jan Cizek und Lisa Nüdling stürzten sich direkt auf das ansprechende Gemälde. "Das ist wirklich Wow!", fand Nüdling. "Sehr schönes Motiv, das ist positive Energie", nickte Cizek. Nur Jos van Katwijk teilte Berdings Meinung: "Der Rahmen ist ein bisschen over the top."
"Ich kaufe ja nicht gerne so Städtebilder, aber Venedig geht immer", zeigte sogar Walter Lehnertz Interesse. Die Gebote erhöhten sich reihum. Die Expertise war schnell übertroffen, und es ging noch viel weiter nach oben. Jan Cizek machte mit 3.000 Euro ein Gebot, das sonst niemand überbieten wollte: "Das ist museal! Das ist so ein schönes Stück!" Christine und Ferdinand strahlten: "Es ist extrem gut gelaufen. Wir haben unseren Wunschpreis erzielt, haben die Expertise verdreifacht."
"Bares für Rares": Piano-Leuchte erzielt mehr als dreifachen Schätzpreis
Auf Begeisterung stießen auch die handgearbeiteten Spekulatius-Formen aus Holz mit den Motiven Knecht Ruprecht aus der Zeit zwischen den 1930er- und 60er-Jahren und Kaiser Wilhelm II. aus der Zeit zwischen 1888 und 1918. Gesamtwert: 200 Euro. Wolfgang Pauritsch wusste sofort: "Der war ja ein sehr guter Freund von Kaiser Franz Joseph in Österreich." Doch Walter Lehnertz machte mit 300 Euro das beste Gebot.
Die Jugendstil-Schenkkanne aus geschliffenem Glas mit Silbermontur aus dem Jahr 1900 und der Silber-Untersetzer aus dem Jahr 1903 waren zusammen 600 bis 650 Euro wert. Wolfgang Pauritsch entpuppte sich als Fan des Herstellers Koch & Bergfeld und ließ sich am Ende auf 450 Euro hochhandeln.
Die limitierte Puzzle-Skulptur "Mini-Karyatide Opus Nr. 109" von Miguel Berrocal aus dem Jahr 1968/69 ließ sich in ihre Einzelteile zerlegen und hatte einen Wert von 350 bis 500 Euro. Jan Cizek fand das Objekt "cool" und einigte sich mit dem Verkäufer auf 330 Euro.
Die Pianoleuchte aus den 1960er-Jahren wurde auf 100 bis 120 Euro geschätzt. Im Händlerraum stieß das Objekt auf große Begeisterung, und so stieg der Preis sogar auf 380 Euro, die Jos van Katwijk gerne bezahlte.