Bärbel Bas: "Es ist manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen"
Bärbel Bas (58) hat ihren Rückzug aus der Bundesregierung und von der SPD-Spitze vor allem mit der Trauer um ihre Stieftochter begründet, die Ende September an Krebs gestorben war. In der ARD-Sendung "Konfrontation" mit Markus Feldenkirchen erzählt die frühere Arbeitsministerin von ihrem Schmerz.
"Wir waren sehr eng zusammen über viele Jahre", sagt Bas über die Verstorbene, mit der sie "eine sehr enge Beziehung" verbunden habe. Bis zuletzt begleitete sie die Stieftochter im Hospiz. Das habe ihr "ziemlich viel Kraft abgesaugt. Und ich hatte den Kopf nicht frei für Dienstliches, für Politisches. Und ich wusste, ich brauche länger, ich kann nicht sofort wieder zurück."
Viele hat ihr Schritt kalt erwischt, sie selbst kaum: "Für mich nicht ganz so überraschend, weil ich schon im Laufe des Septembers merkte, dass mir die Kraft ausgeht." Die letzten Wochen waren offenbar nicht leicht für Bas: "Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: Wofür?"
Für den Weg zurück brauche sie Zeit. Genau die gewähre einem in solchen Ämtern aber niemand. "Oft gibt es kaum Menschlichkeit in diesem politischen Betrieb", so Bas. Dieser "Schweigekultur" im "harten, politischen Geschäft" wollte sie sich nicht beugen. Also habe sie einen Schnitt gemacht: "Ich wusste, ich brauche viel länger als ein paar Wochen. Ich hab die Kraft gerade nicht." Deshalb habe sie Platz gemacht, "weil das Geschäft geht weiter".
"Sowas sagt man nicht"
Bundeskanzler Merz sei schon vor dem Tod der Stieftochter über ihre Lage im Bilde gewesen. "Er hat mir signalisiert, ich soll mir die Zeit nehmen, die ich brauche", berichtet Bas. Aus seiner Partei kamen trotzdem weiter Attacken. Sie habe sich darüber beim Kanzler beschwert. "Er hat mir auch versichert, er kümmert sich. Es hat aber keinen Anklang gefunden."
Besonders getroffen hat Bas der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten, der in Interviews ihre Ablösung gefordert hatte. "Sowas sagt man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin." Zurückgetreten wäre sie wegen ihrer Trauer aber "wahrscheinlich" auch ohne diese Kritik, räumt Bas ein.
Vom Kanzler selbst habe sie sich nicht angegriffen gefühlt, wohl aber irritiert, als sie nach ihrem Rücktritt gelesen habe, er habe in einem Hintergrundgespräch ihre fehlende Präsenz in Berlin bemängelt. "Obwohl er meine Situation kannte. Ich weiß nicht, ob das stimmt."
"Sonst wird das nix"
Die Vorwürfe in ihrer Rücktrittserklärung auf Instagram hatten heftigen Streit in der Koalition ausgelöst. Hätte sie das geahnt, hätte sie darauf verzichtet, sagt Bas. Ihr Rat fällt knapp aus: "Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix."
Das Erste zeigt das Gespräch am heutigen Montag um 21:45 Uhr, die einstündige Fassung läuft ab 22:15 Uhr im WDR Fernsehen und in der ARD Mediathek.
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