Badmómzjay über gewaltvolle Beziehung: "Ich hätte sterben können"

Die deutsche Rapperin Badmómzjay (23), bürgerlich Jordan Napieray, spricht in einem Interview mit dem "Stern" erstmals ausführlich über Gewalt in einer früheren Beziehung - und über einen Schwangerschaftsabbruch, den sie im Winter 2024 habe durchführen lassen. Anlass ist ihr neuer Song "Haus im Meer", in dem die Brandenburger Musikerin Themen verarbeitet, die sie bislang für sich behalten habe.
Die Gewalt habe sich schrittweise aufgebaut, berichtet die Künstlerin. Der Mann, von dem sie später auch schwanger wurde, habe zunächst Verbote ausgesprochen, dann geschrien, schließlich geschubst - und sich anschließend jedes Mal entschuldigt. Er habe ihr eingeredet, er reagiere nur bei ihr so emotional, weil er sie so liebe. Gleichzeitig habe er ihr das Gefühl gegeben, sie sei das Problem. "Schließlich folgten noch schlimmere Dinge", sagt Badmómzjay. "Ich befand mich in einem Strudel aus Beleidigungen, Kleinhalten und Einsperren."
Erst eine Eskalation habe sie zum Gehen bewegt: "Es gab einen Tag, an dem etwas so Schlimmes passierte, dass ich hätte sterben können. Da bin ich endlich gegangen." Details nennt die Rapperin nicht.
Monatelanges Stalking nach der Trennung
Nach der Trennung habe der Mann ihr monatelang nachgestellt. Er habe vor ihrer Tür gestanden, dagegen getreten, immer wieder angerufen. "Die Polizei musste immer wieder kommen, die hat fast bei mir gewohnt", schildert die Musikerin. Bis heute erreichten sie Drohungen über Fake-Accounts.
Warum sie so lange geblieben sei, erklärt sie mit einer "unsichtbaren Mauer". Man denke schlicht nicht, dass Gehen eine Option sei, zudem habe sie Angst gehabt, wie ihr Partner reagieren könnte. "Ein Alarmzeichen ist, wenn du deinen Freunden immer mehr verschweigst, damit er nicht schlecht dasteht", so die Rapperin. Ihr Plan sei gewesen, so lange zu bleiben, bis sie ihn hasse, habe sie ihrer Therapeutin gesagt. Die hätte mit einem Bild geantwortet: Das sei wie ein Alkoholiker, der darauf warte, dass der Wodka ihm nicht mehr schmecke. "Der Wodka wird dich vorher umbringen", habe die Therapeutin gesagt.
Schwangerschaft im Winter 2024
Inmitten dieser Beziehung wurde Badmómzjay schwanger. Nachdem alle drei Schwangerschaftstests positiv waren, habe sie "sofort angefangen zu weinen", erinnert sich die Musikerin. "Da war Angst."
Als sie ihren Entschluss zur Abtreibung fasste, habe ihr damaliger Partner sie eine "Mörderin" genannt. Badmómzjay, die sich selbst als gläubig beschreibt, ohne die Bibel wörtlich zu nehmen, empfand das als gezielte Manipulation: "Ich wusste sofort, dass er Unsinn redet."
Kollaps in der Praxis
Medizinisch entschied sie sich für die Tablettenmethode, um den Eingriff nicht weiter hinauszuzögern. In der Arztpraxis sei ihr während der Wirkung schwarz vor Augen geworden, sie sei "mit dem Gesicht nach vorne auf die Fliesen gekippt" - mit aufgeplatzter Lippe, ausgerissenem Piercing und blauer Nase. Die Freundin, die sie begleitete und Krankenschwester ist, habe sie durch die Tage danach gepflegt. Der Erzeuger sei nicht vor Ort gewesen. Sie habe ihn auch nicht dabeihaben wollen.
Nach dem Abbruch habe sich die Beziehung zunächst noch einmal fortgesetzt. Als sie sich endgültig habe trennen wollen, habe ihr Ex-Partner gedroht, öffentlich zu machen, dass sie die Abtreibung "gegen meinen Willen durchgezogen" habe.
"Ich will, dass die Scham weggeht"
Irgendwann wolle sie eine Familie gründen - mit einem liebevollen Menschen. Sich in einer gewaltvollen Beziehung gegen ein Kind zu entscheiden, sei verantwortungsbewusster gewesen, als es in einer instabilen Situation aufzuziehen.
Ihre Offenheit begründet die Rapperin auch mit den Reaktionen ihrer Hörerinnen. Nach der Veröffentlichung des Songs sei ihr Postfach geflutet worden - mit Nachrichten von Frauen, die Ähnliches erlebt hätten, ohne jemals darüber gesprochen zu haben. "Ich will, dass die Scham weggeht", sagt sie.
Badmómzjay, geboren in Brandenburg an der Havel, wurde ab 2019 mit Titeln wie "24/7" in der deutschen Rap-Szene bekannt. Mit ihrem Debütalbum "Badmómz" und dem Nachfolger "Survival Mode" platzierte sie sich in den deutschen Charts, bei den MTV Europe Music Awards wurde sie 2021 und 2022 als "Best German Act" ausgezeichnet.