AZ-Interview mit Monika Baumgartner: Ich hatte schon Zyankali

Schauspielerin und "Bergdoktor"-Mama Monika Baumgartner (67) spricht in der AZ über heftige Tiefpunkte und ihr heutiges Glück.
| Interview: Torsten J. Schuster
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AZ: Frau Baumgartner, inzwischen sehen wir Sie in der zwölften Staffel "Der Bergdoktor" im ZDF ...
MONIKA BAUMGARTNER: Der Wahnsinn, oder? Dass das ein so dauerhafter Erfolg ist und die Leute uns immer noch so gerne zuschauen. Und ich weiß dadurch, dass ich von April bis September immer Arbeit habe – das ist ja schon mal gut für eine Schauspielerin, in diesem wankelmütigen Beruf einen Dauerauftrag zu haben.

Die "Lindenstraße" wird heuer eingestellt. Plagt Sie die Angst, dass das beim "Bergdoktor" auch passieren könnte?
Nein, seit vorletztem Jahr bin ich in Rente; mich plagt überhaupt keine Angst mehr. Wenn ich Arbeit habe, ist es gut, und wenn nicht, wird‘s auch irgendwie weitergehen. Die Zeiten, in denen ich mir deswegen graue Haare habe wachsen lassen, sind vorbei. Ich hab‘ übrigens keine grauen Haare. Die Leute denken immer, mein Haar sei gefärbt. Ist es nicht! Jedenfalls: Bei der "Lindenstraße" haben die Einschaltquoten nicht mehr gestimmt. Mit dem "Bergdoktor" haben wir die höchsten Quoten, die’s nur gibt. Insofern mache ich mir keine Sorgen.

Könnten Sie von Ihrer Rente leben?
Das kommt immer auf die Ansprüche an. Es freut mich, wenn ich neben der Rente weiter Geld verdienen kann; so einfach ist das. Wenn ich ausschließlich auf die Rente angewiesen wäre, müsste ich mich schon ein bisschen einschränken.

Zuletzt sprachen Sie über Ihre schmerzhaften Erkrankungen. Dass Sie sich kaum bewegen konnten vor lauter Schmerzen. Wie geht es Ihnen heute?
Gott sei Dank richtig gut. Nachdem Dr. Moslehner in Österreich die richtige Diagnose gestellt und die richtige Therapie für mich gefunden hatte, ist das alles weg. Ich war davor bei 15 Ärzten, die alle die falsche Diagnose gestellt hatten. Eines habe ich durch meine lange Krankengeschichte begriffen: Das Wertvollste in unserem Leben ist die Gesundheit. Wenn Sie die nicht haben, ist es völlig egal, ob Sie alt oder jung, arm oder reich sind – ohne Gesundheit geht gar nichts!

Wie konnten Sie mit den extremen Schmerzen arbeiten?
Nur mit schwersten Medikamenten. Ich habe mehrmals täglich Ibuprofen oder Diclofenac eingeschmissen, heftigste Schmerz- und Entzündungshemmer. Diclofenac erzeugt als Nebenwirkung Magenschmerzen; deshalb konnte ich das nicht dauerhaft nehmen. Eine Stunde hatte ich Ruhe, bis die Wirkung nachließ. Dann war’s so weit, dass ich neue Tabletten nachwerfen musste.

Ist es wahr, dass Sie sich wegen der grausamen Schmerzen Zyankali besorgt hatten?
Das war schon viel früher – in der Zeit, als ich von 18 bis 33 Jahren permanent Schmerzen hatte und alle Ärzte mir sagten, ich bilde mir das nur ein. 15 Jahre vergingen, ehe ein Arzt endlich den Tumor fand, der meine Schmerzen verursachte. Damals war ich wirklich so weit, dass ich nicht mehr leben wollte. Deshalb hatte ich mir das Zyankali besorgt.

Wo kriegt man das her?
War nicht so einfach. Aber ich hab‘ die Kapsel bekommen.

Bestachen Sie den Apotheker?
Ja, so ungefähr. Er hätte mir das nie geben dürfen. Vielleicht war die Kapsel nicht echt; vielleicht war‘s nur ein Placebo, damit ich beruhigt war. Hätte ich’s ausprobiert, würden wir jetzt vielleicht nicht mehr miteinander sprechen. Aber ich wollte die Gewissheit haben, mein Leben beenden zu können, wenn ich die Schmerzen nicht mehr aushalte. Heute habe ich die Kapsel nicht mehr.

Die Schmerzen beeinflussten sicher auch die Partnerschaft.
Das beeinflusst alles! Ich war erst 18! Die Schmerzen haben mir die beste Zeit meines Lebens versaut. Ich habe in jungen Jahren am Theater drei Hauptrollen pro Tag gespielt und alles nur mit Schmerzmittel ausgehalten. Das war wie Zahnweh am ganzen Körper. 15 Jahre lang, ununterbrochen.

Hatte die lange Medikamenteneinnahme Spätfolgen?
Ich hatte danach acht Nierensteine. Einer musste mit einer Stichsäge rausgesägt werden. Ich sag’s Ihnen, ich hab‘ alles durch!

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