Aufruhr in Norwegen: Druck auf Kronprinzessin Mette-Marit wächst

Ihr Sohn Marius steht wegen schlimmer Vorwürfe vor Gericht, und auch Mette-Marit selbst ist durch ihre Kontakte zu Jeffrey Epstein in den vergangenen Tagen in den Fokus geraten. Die Stimmung in Norwegen ist angespannt. Wie geht es jetzt mit dem Königshaus weiter?
von  (ae/spot)
Kronprinzessin Mette-Marit hat bei den Norwegern viele Sympathien verspielt.
Kronprinzessin Mette-Marit hat bei den Norwegern viele Sympathien verspielt. © imago images/dts Nachrichtenagentur

In Norwegen steht Kronprinzessin Mette-Marit (52) seit mehreren Tagen im Mittelpunkt intensiver öffentlicher Diskussionen. Zum einen, weil am Dienstag der Prozess gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby (29) wegen Gewalt- und Vergewaltigungsvorwürfen in Oslo begonnen hat. Zeitgleich kommen immer mehr Details über ihre Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) ans Licht, was das Fass zum Überlaufen bringen könnte. Die Umfragewerte sind in den Keller gesunken und immer mehr Norweger fordern, dass Mette-Marit nicht Königin werden darf. Damit gerät auch das Königshaus und vor allem Ehemann Haakon (52) unter Druck.

Nachdem das US-Justizministerium unzählige Seiten der Epstein-Dokumente veröffentlicht hat, steht fest: Die Kronprinzessin hatte mehr Kontakt zu dem US-Amerikaner als bislang angenommen. Die Unterlagen umfassen nahezu 400 Nachrichten und E-Mails zwischen Mette-Marit und Epstein aus den Jahren 2011 bis 2014.

Erste Kommunikation im Oktober 2011

Laut der norwegischen Zeitung "VG" soll Epstein im Februar 2011 erstmals von seinem engen Vertrauten Boris Nikolic auf Mette-Marit aufmerksam gemacht worden sein. Ihre erste belegte Kommunikation datiert auf Oktober 2011 - zu diesem Zeitpunkt war die Kronprinzessin bereits zehn Jahre mit Kronprinz Haakon verheiratet. In der Folge trafen sich beide demnach mehrfach, sowohl in Norwegen als auch in den Vereinigten Staaten.

Ein besonders brisanter Punkt betrifft einen Aufenthalt Mette-Marits im Jahr 2013 in Epsteins Haus in Palm Beach, wo sie gemeinsam mit einer Freundin vier Tage verbracht haben soll. Der norwegische Hof bestätigte diesen Aufenthalt inzwischen offiziell. Aus den E-Mail-Korrespondenzen geht hervor, dass Epstein der Kronprinzessin während dieser Zeit verschiedene Aktivitäten vorschlug und seine Mitarbeiter organisatorische Hilfe leisteten - etwa durch das Vereinbaren eines Zahnarzttermins und das Beauftragen eines Friseurs. Der erzählte jetzt, wie er die Beziehung zwischen Epstein und Mette-Marit empfunden hatte: "Sie waren offensichtlich Freunde."

Aufregung um Foto mit Bikini-Frau

Zensierte Fotos, die in den veröffentlichten Akten auftauchen, wurden von "Aftenposten" und anderen Redaktionen analysiert und mit bekannten Aufnahmen abgeglichen. Eines dieser Bilder soll in Epsteins Poolhaus entstanden sein und Mette-Marit neben einer Frau zeigen, die einen Bikini trägt. Am Dienstagabend veröffentlichte "Aftenposten" zudem ein Foto, das die Polizei 2019 in Epsteins Büro aufgenommen haben soll. Darauf liegen mehrere gerahmte Fotos auf dem Boden, darunter auch das besagte Foto von Mette-Marit mit der noch unbekannten Frau.

Angesichts der Enthüllungen hatte die Kronprinzessin am Wochenende in einer Stellungnahme "schlechtes Urteilsvermögen" eingeräumt. Sie bereue, dass sie überhaupt Kontakt zu Epstein hatte. "Es ist einfach peinlich", erklärte sie gegenüber "VG". Gleichzeitig betonte sie: "Jeffrey Epstein ist selbst für seine Handlungen verantwortlich. Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich Epsteins Hintergrund nicht besser überprüft habe."

Schirmherrschaften auf dem Prüfstand

Angesichts immer weiterer Details dürfte diese Erklärung die Norweger aber nicht zufrieden stellen. Sie wollen Antworten. In TV-Umfragen zeigten sich viele Einwohner ratlos und schüttelten den Kopf. Erste Organisationen wie die Norwegische Rheumatologische Gesellschaft sollen bereits überprüfen, ob eine weitere Schirmherrschaft von Mette-Marit tragbar ist. Auf der Instagram-Seite des Königshauses hagelte es in den vergangenen Tage viele kritische Kommentare, woraufhin inzwischen die Kommentarfunktion unter etlichen Posting gesperrt wurde. Wie brisant die Lage ist, zeigt, dass eine private Reise der Kronprinzessin angesichts der massiven Berichterstattung verschoben wurde. Alles andere wäre auch "ziemlich arrogant" gewesen, urteilte Königshaus-Expertin Tove Taalesen.

Muss Haakon auf den Thron verzichten?

Norwegische Medien thematisieren inzwischen offen die ungewisse Zukunft des Königshaues. Stephan Rossedalen von der Zeitung "Nettavisen" etwa fordert nach dem Tod von König Harald (88) eine sofortige Abdankung von Haakon und stattdessen die Thronbesteigung durch Tochter Ingrid-Alexandra (22): "Wir können uns keine Thronfolge leisten, die mit einer Vertrauenskrise beginnt."

Mette-Marit als Königin zu verhindern, dürfte schwierig sein, wenn nicht das Königshaus selbst aktiv wird. Ihr Amt ist an die Ehe mit Haakon gebunden. Wird er König, besteigt auch sie den Thron. Sie könnte allerdings freiwillig verzichten. Im Falle einer Scheidung würde sie ebenfalls nicht Königin. Ansonsten bliebe noch eine verfassungsrechtliche Anpassung der Erbfolge durch das Parlament.

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