Aufregung um "Ali G: Who Iz I?": Das waren die größten Skandale um Sacha Baron Cohen

Das Spiel mit der Provokation beherrscht keiner wie Sacha Baron Cohen. Ein Blick in die Skandalakte des Radikalkomikers - anlässlich des natürlich umstrittenen Kinostarts von "Ali G: Who Iz I?".
von  teleschau
Sacha Baron Cohens neuer Film "Ali G: Who Iz I?" löste schon vor dem Kinostart am 22. Oktober manche Kontroverse aus.
Sacha Baron Cohens neuer Film "Ali G: Who Iz I?" löste schon vor dem Kinostart am 22. Oktober manche Kontroverse aus. © 2026 Getty Images/Jeff Spicer

Was darf Satire und was darf sie nicht? Die Frage stellt sich seit bald 30 Jahren immer wieder neu bei Sacha Baron Cohen. Die Provokation ist essenzieller Bestandteil seiner Arbeit, ohne das Überschreiten vermeintlicher Grenzen scheint es bei ihm nicht zu gehen.

1998 fand er damit erstmals größere öffentliche Aufmerksamkeit, als er für das britische Fernsehen die Kunstfigur Ali G ins Leben rief ("The 11 O'Clock Show"). Dass Cohen seine erste skandalöse Schöpfung Ali G in den Ruhestand schickte (2007, zusammen mit Borat), ist inzwischen auch schon fast 20 Jahre her. Aber irgendwie ist der Typ nicht totzukriegen, und er sorgt immer noch für große Empörung ...

Im Sommer 2025 kursierten erste Berichte, wonach Sacha Baron Cohen nach längerer Zeit mal wieder in seiner alten Kultrolle als Ali G gesehen worden sein soll. Inzwischen ist klar, was dahintersteckte: Mit Unterstützung der Amazon MGM Studios hat Cohen mehr oder weniger geheim einen neuen Ali-G-Film gedreht, der zunächst nur für wenige Tage in die Kinos kommt. Ginge es nach vielen Kritikern von Cohen, sollte der Film überhaupt nicht im Kino zu sehen sein.

Seit Veröffentlichung des ersten Trailers zu "Ali G: Who Iz I?" wird dazu aufgerufen, den Film zu boykottieren, weil er angeblich rassistische Stereotype bediene. Über 50.000 Menschen sollen sich an einer entsprechenden Kampagne beteiligt haben. In Österreich wurde der Kinostart offenbar sogar ganz abgesagt, wie "Der Standard" zuletzt berichtete. Cohen seinerseits reagierte auf die Empörungswelle mit einem weiteren Trailer, in dem er sich auch in seiner Rolle als Borat mit dem Thema auseinandersetzte: Der neue Ali-G-Film sei "leider" nicht rassistisch und werde deshalb auch in keinem der beiden kasachischen Kinos gezeigt.

Das Spiel mit der Provokation beherrscht der 55-jährige Brite wie kein Zweiter. Zum Kinostart von "Ali G: Who Iz I?" (22. Oktober) blicken wir zurück auf seine größten Aufreger bislang.

Kasachstan wehrt sich gegen "Borat" (2006)

Als "Borat" 2006 in die Kinos kam, zeichnete die Figur des kasachischen Reporters ein Zerrbild des Landes, in dem Antisemitismus, Rückständigkeit und Frauenfeindlichkeit zum Alltag gehören. Die Regierung in Astana reagierte verärgert, drohte Berichten zufolge mit rechtlichen Schritten und ließ das Außenministerium Gegenkampagnen starten, darunter ganzseitige Anzeigen in US-Zeitungen. Die Hauptfigur war eine Fiktion, doch viele Kasachen empfanden die Darstellung als Demütigung. Später kehrte sich die Stimmung teilweise: Tourismusbehörden entdeckten den Bekanntheitsgrad als Chance, später übernahm das Land sogar den Spruch "Very nice!" für seine Werbung.

Klagewelle nach "Borat" (2006/2007)

Auf die "Borat"-Dreharbeiten folgten gleich mehrere Klagen von Menschen, die sich getäuscht oder vor der Kamera bloßgestellt fühlten. So machten zwei Studenten aus South Carolina geltend, sie seien betrunken zu rassistischen und sexistischen Äußerungen verleitet worden. Auch Teilnehmer einer Benimmschulung und ein Autohändler zogen vor Gericht. Die Gerichte wiesen die Klagen überwiegend ab, oft mit Verweis auf die unterzeichneten Einverständniserklärungen. Der Fall zeigt das juristische Dilemma einer Methode, die auf Überrumpelung basiert.

Eklat bei den Oscars (2012)

Für die Oscar-Verleihung 2012 reiste Cohen in der Rolle des Diktators "Admiral General Aladeen" ("Der Diktator") an, im Gepäck eine Urne, die angeblich die Asche des früheren nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il enthielt. Auf dem roten Teppich schüttete er den Inhalt über Moderator Ryan Seacrest aus, der später von einer Mehlmischung sprach. Die Veranstalter hatten zunächst Einwände gegen den Auftritt im Kostüm, die Aktion endete in einem Streit über die Grenzen von Werbeaktionen bei einem der prestigeträchtigsten Medienereignisse der Welt.

"Brüno" und die Folgen (2009)

Mit dem schwulen österreichischen Modereporter "Brüno" trieb Cohen sein Prinzip ins Extrem. In einer Szene tauchte er bei einer Käfigkampf-Veranstaltung in Arkansas auf und provozierte das Publikum mit einer Kussszene, es kam zu tumultartigen Szenen. Schwulen- und Lesbenverbände warfen ihm vor, Stereotype eher zu bedienen als zu entlarven. Nachträglich aus dem Film geschnitten wurde eine Szene, in der Brüno auf menschlichen "Möbeln" sitzend La Toya Jackson zur Herausgabe der Telefonnummer ihres Bruders Michael bewegen will. Die Streichung erfolgte als Reaktion auf den überraschenden Tod Michael Jacksons am 25. Juni 2009.

Der Fall Rudy Giuliani in "Borat 2" (2020)

Der Nachfolgefilm "Borat Anschluss Moviefilm" löste im US-Wahlkampf 2020 einen politischen Skandal aus. In einer Szene führt Borats Filmtochter, gespielt von Maria Bakalova, ein unter Vortäuschen falscher Tatsachen eingefädeltes Interview mit Donald Trumps damaligem Anwalt Rudy Giuliani. Es kommt beiderseits zu körperlichen Annäherungen. Giuliani lässt sich anschließend auf dem Bett eines Hotelzimmers zurückfallen und greift in seine Hose. Bei Twitter (heute X) bestritt der ehemalige Bürgermeister von New York City unangemessenes Verhalten und behauptete, bloß sein Hemd in die Hose gesteckt zu haben.

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