Annette Frier total frustriert: "Hoffe immer auf den großen Knall"
Annette Frier (52) zählt zu den Schauspielerinnen, die vom derzeitigen Rollenangebot in der deutschen Film- und TV-Landschaft enttäuscht sind. Auch Kolleginnen wie Christine Neubauer (64) und Katerina Jacob (68) bedauerten schon, dass für Frauen ab einem gewissen Alter kaum noch gute Geschichten produziert werden. Jetzt verrät Frier, was gerade das Thema "Menopause" so wichtig macht – und warum sie dem Ganzen sogar eine eigene Serie gewidmet hat.
Annette Frier frustriert: "Herrscht vor allem großes Schweigen"
In "Frier und Fünfzig" spielt Annette Frier sich selbst und verarbeitet darin eigene Erfahrungen aus den Wechseljahren. "Mir hat die Sichtbarkeit dieser Lebensphase gefehlt, mir wurden da keine guten Rollen angeboten", erklärt sie im Interview mit "Marie Claire". "Dabei betrifft das ja total viele Menschen, 10 bis 22 Millionen Menschen sind zwischen 40 und 60! Wir wollen immer über gesellschaftlich relevante Themen sprechen, aber diesbezüglich herrscht vor allem großes Schweigen."
Annette Frier behandelt am liebsten Geschichten, mit denen sie sich persönlich auskennt – wie die Wechseljahre: "Im Thema Menopause steckt eine Riesenpower. Was da mit dem eigenen Körper passiert, in was für eine Krise man gerät, das ist doch Pubertät 2.0! Über die Pubertät gibt es viele tolle Geschichten, die ist weltliterarisch von Belang – die Wechseljahre sind die zweite Pubertät im Leben einer Frau – und darüber gibt es fast nichts!"

Im Gegensatz zur Midlife-Crisis: "Null Sichtbarkeit" für Frauen
Das männliche Pendant, die sogenannte Midlife-Crisis, werde hingegen in zahlreichen fiktiven Stoffen verarbeitet. "Ja, vor allem ist eine Midlife-Crisis irgendwo zwischen 30 und 70 völlig selbstverständlich, das kennt jeder, da sagt man dann schmunzelnd: typisch Mann", so Annette Frier. "Das kannte ich schon als Kind. Frauen sind nach junger Mutter einfach irgendwann die Oma, das ist doch krass! Null Sichtbarkeit!"
Doch die 52-Jährige beobachtet bereits eine erfreuliche Entwicklung in ihrer Branche: "Das Gute ist, dass gerade etwas passiert, sich etwas verändert. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, wie die katholische Kirche ihn macht, so nach dem Motto: Ja, jetzt haben wir doch so viel darüber geredet, jetzt ist mal gut. Nein! Solange sich die Strukturen nicht ändern, müssen wir weitermachen."

Annette Frier über Geschlechter: "Hoffe immer auf den großen Knall"
Schließlich kommt Annette Frier auf die erste Szene in ihrer Serie zu sprechen: Eine Nahaufnahme des Gesichts. Ihr Mut, sich nicht durch Botox glattgebügelt zu zeigen, hatte ein lobendes Medienecho nach sich gezogen – eine Reaktion, die ein männlicher Schauspieler vermutlich nicht bekommen hätte: "Das ist aberwitzig! Es heißt immer, wir sind doch jetzt gleichberechtigt. Nein, sind wir noch nicht", findet Annette Frier.
"Frauen halten den Laden buchstäblich zusammen, wir sind so aufgewachsen, wir erledigen die Care-Arbeit, ganz selbstverständlich!" Und doch habe sich eine entscheidende Sache in der Gesellschaft noch nicht verändert: "Die Power liegt allein bei Männern, weltweit! Ich hoffe immer auf den großen Knall, dass sich das endlich ändert und wir evolutionär weiterkommen." Annette Frier betont: "Wir sind zum Glück in kleinen Schritten dabei, anders geht es zurzeit wohl nicht."
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