Anja Kruse wird 70: "Ich habe nicht vor aufzuhören"
Anja Kruse feiert am 5. August ihren 70. Geburtstag. Große Feierlichkeiten sind nicht geplant, wie die Schauspielerin der "Welt am Sonntag" sagte: "Bei Geburtstagen mag ich kein Bohei." Stattdessen haben Freunde sie nach England eingeladen, zum Opernfestival im südenglischen Glyndebourne. Dort wird in der Pause auf der Wiese ein Champagner-Picknick serviert. Ihr Urteil dazu fällt knapp aus: "Das finde ich cool."
Auf die Frage, ob sie mit fast 70 glücklich sei, antwortete Kruse mit: "Sehr sogar." Ausschlaggebend dafür ist aus ihrer Sicht der Buddhismus, den sie praktiziert. Sie habe gelernt, sich nicht über Äußerlichkeiten oder Besitz zu definieren, sei gelassener geworden und komme mit Schwierigkeiten besser zurecht. Probleme mit dem Älterwerden oder Angst vor dem Tod hat sie nach eigenen Angaben nicht. 2013 veröffentlichte sie das Buch "Mein Weg mit Buddha".
Kein Gedanke an den Ruhestand
An ein Karriereende denkt die gebürtige Essenerin, die inzwischen in einem Landhaus am Rand von Salzburg lebt, nicht. "Ich habe nicht vor aufzuhören", sagte sie der Zeitung. Auf der Bühne sterben möchte sie allerdings nicht, das wolle sie dem Publikum nicht zumuten.
Im Herbst steht Kruse in Köln im Theater am Dom auf der Bühne, in der Hauptrolle des Stücks "Schlaflos in Hamm". Die Bühne ist ihr wichtiger als die Kamera: "Ich bin ein Theaterkind." Dort lerne sie immer wieder Neues dazu. Eine Serienrolle würde sie nicht ausschlagen, sie dürfte sich allerdings nicht über Jahre ziehen, dafür schätze sie ihre Freiheit zu sehr.
Kritik am Jugendwahn der Branche
Deutliche Worte findet die Schauspielerin für die Besetzungspraxis in Film und Fernsehen. Ihr Wunsch sei, dass Caster zuerst auf die schauspielerische Leistung und die Ausstrahlung schauen und nicht auf das Geburtsdatum. Dass Kolleginnen um die 40 für Großmutterrollen alt geschminkt werden, versteht sie nicht: "Was soll der Quatsch?" Es gebe genügend talentierte Darstellerinnen im passenden Alter.
Auch mit Influencern, die Rollen übernehmen, geht sie hart ins Gericht. Begabte Ausnahmen schließt sie zwar nicht aus, spielen würde sie mit ihnen dennoch nicht: "Eine große Reichweite in sozialen Netzwerken ersetzt nun einmal keine schauspielerische Ausbildung."
Vom Millionenpublikum zur Theaterbühne
Bekannt wurde Kruse 1984 mit der Hauptrolle im ZDF-Mehrteiler "Die schöne Wilhelmine", für die sie die Goldene Kamera als Bester Nachwuchsstar erhielt. In der "Schwarzwaldklinik" spielte sie in den 1980er Jahren das an Leukämie erkrankte Kindermädchen Claudia, die große Liebe von Dr. Udo Brinkmann (Sascha Hehn).
Eine weitere bekannte Serienrolle übernahm sie im "Forsthaus Falkenau", wo sie in 39 Folgen als Tierärztin zu sehen war, ehe die Figur bei einem Reitunfall starb. Zuletzt stand die Schauspielerin, die nach dem Abitur an der Folkwang Universität Schauspiel, Tanz und Gesang studierte, vor allem auf Theaterbühnen.
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