Andrew Mountbatten-Windsor: Queen wollte ihn als Handelsbeauftragten

Neue Regierungsdokumente zeigen: Queen Elizabeth II. drängte persönlich auf die Ernennung ihres Sohnes Andrew zum Handelsbeauftragten - ohne jede Sicherheitsüberprüfung. Der Ex-Prinz steht wegen Epstein unter Druck.
von  (dr/spot)
Queen Elizabeth II. und der damalige Prinz Andrew im Jahr 2017.
Queen Elizabeth II. und der damalige Prinz Andrew im Jahr 2017. © imago/Starface / Papixs / Starface

Queen Elizabeth II. (1926-2022) soll persönlich darauf gedrängt haben, ihren Sohn Andrew Mountbatten-Windsor (66) als britischen Handelsbeauftragten einzusetzen. Das geht laut eines "The Guardian"-Berichts aus Dokumenten hervor, die die britische Regierung am Donnerstag veröffentlicht hat. Gleichzeitig stellte Handelsstaatssekretär Chris Bryant (64) in einer schriftlichen Erklärung ans Parlament klar: Eine formelle Sicherheitsüberprüfung des ehemaligen Prinzen habe es vor seiner Ernennung nicht gegeben.

Kern des Pakets sind 31 Seiten interne Regierungskorrespondenz, deren Veröffentlichung die oppositionellen Liberaldemokraten über ein seltenes parlamentarisches Verfahren erzwungen hatten. Auslöser: das US-Justizministerium hatte zuvor E-Mails veröffentlicht, die nahelegen, dass Mountbatten-Windsor in seiner Funktion als Handelsbeauftragter sensible Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) weitergegeben haben soll. Der 66-Jährige bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Besonders aufschlussreich ist ein Memo vom Februar 2000, adressiert an den damaligen Außenminister Robin Cook (1946-2005). Verfasser war David Wright, damaliger Vorstandsvorsitzender der Handelsförderungsorganisation British Trade International. Darin ist unmissverständlich festgehalten: "Es ist der Wunsch der Königin, dass der Herzog von York die Nachfolge des Herzogs von Kent in dieser Rolle antritt." Queen Elizabeth sei es "sehr wichtig" gewesen, dass ihr Sohn eine "prominente Rolle bei der Förderung nationaler Interessen" übernehme. Wright schlug vor, der Ex-Prinz solle regionale Reisen unternehmen, zwei bis drei Auslandsbesuche pro Jahr absolvieren und gelegentlich Handelsdelegationen anführen.

Politiker zeigen sich empört

Staatssekretär Bryant erklärte das Fehlen einer Sicherheitsprüfung für "verständlich", die Ernennung sei schließlich eine Fortsetzung der bisherigen royalen Besetzung des Postens gewesen. Die Liberaldemokraten zeigten sich empört. Fraktionsgeschäftsführerin Wendy Chamberlain erklärte, es sei "schockierend und zutiefst beunruhigend", dass Andrew ohne jede Prüfung eingesetzt worden sei. Niemand dürfe über solchen Standards stehen.

Mountbatten-Windsor wurde im Februar 2026 als erstes Mitglied der britischen Königsfamilie in modernen Zeiten festgenommen - unter dem Verdacht des Amtsmissbrauchs. Er wurde unter Ermittlungsvorbehalt freigelassen; die Untersuchungen der Polizei dauern an. Grundlage der Ermittlungen sind unter anderem Hinweise, er könnte in seiner Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Regierungs- und Wirtschaftsinformationen an Epstein weitergegeben haben.

Unabhängig davon war der Ex-Prinz bereits seit Jahren in den Epstein-Skandal verwickelt. Virginia Giuffre, die 2025 verstorben ist, hatte ihn beschuldigt, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, auch als sie noch minderjährig war. Mountbatten-Windsor bestritt stets, sie überhaupt zu kennen. 2022 einigte er sich jedoch mit Giuffre auf einen millionenschweren außergerichtlichen Vergleich in den USA. Im selben Jahr, in dem er 2011 von seinem Handelsposten zurückgetreten war, war ein Foto aufgetaucht, das ihn mit dem Arm um Giuffre zeigt.

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