Alzheimer mit 51: Ex-Sportmoderator Jo Failer "vermisst sich"

Vor einem Jahr machte Jo Failer (53), früherer Sportjournalist und Moderator des Sportformats "ran", seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich. Die Diagnose erhielt er bereits mit 51 Jahren. Nun spricht er in der "Bild"-Zeitung offen über sein Leben mit der Krankheit: "Ich sterbe nicht, ich löse mich langsam auf."
Um zu beschreiben, was die Krankheit mit seinem Denken macht, hat Failer ein eigenes Bild entwickelt. Er nennt Alzheimer "Günther" - einen imaginären Hausmeister in seinem Kopf, den Denker und Lenker, der nun in Frührente gegangen ist. "Wenn keiner mehr koordiniert, wächst das Unkraut. Fenster gehen kaputt. Dinge geraten aus dem Takt", beschreibt er. "Jeden Tag verschwindet ein Stück von mir."
"Der Kopf geht, aber die Seele bleibt"
Sein Alltag sei "wie eine Wohnung ohne Möbel" - vertraut in der Struktur, aber mit Lücken. Um sich an seine Termine in seinem heutigen Job als Künstlervermittler bei der Bundesagentur für Arbeit zu erinnern, schreibt er sich alles auf. Manchmal merke er aber erst mittags, dass er eigentlich arbeiten müsste. Ein Pflegedienst hilft ihm bei den Medikamenten.
Während Erinnerungen verschwinden, habe sich seine emotionale Wahrnehmung verändert. Gefühle kämen jetzt intensiver und unmittelbarer. "Der Kopf geht, aber die Seele bleibt", betont der 53-Jährige. Dennoch fehlt ihm viel: "Ich vermisse mich." Gleichzeitig sei er noch lange nicht verschwunden: "Man muss mich suchen - aber man kann mich noch finden."
Vater zweier Kinder
Besonders belastend ist seine Erkrankung auch in Hinblick auf seine beiden Kinder. Die Fünf- und Siebenjährigen wissen über die Diagnose ihres Vaters Bescheid und helfen ihm auch bei kleinen Lücken im Alltag. "Sie müssen viel zu lange lernen, loszulassen. Ohne jemals richtig Abschied nehmen zu dürfen", so Failer. Um ihnen etwas zu hinterlassen, hat er seine Erinnerungen in seinem Buch "Ich denk nicht dran" aufgeschrieben, das im März erschien.
Vor seiner Erkrankung war Jo Failer jahrelang als Sportjournalist und TV-Produzent tätig. Er moderierte etwa für das Sportformat "ran", interviewte Fußballprofis sowie weitere Sportler und produzierte unter anderem einen Dokumentarfilm über Robbie Williams. Seine Diagnose liegt inzwischen rund zweieinhalb Jahre zurück, erste Symptome hatte er schon fünf Jahre früher. Auch Failers Mutter erkrankte früh an Alzheimer, wie er im RTL-Interview erklärte.