65 Jahre Mauerbau: Von getrennten Familien, DDR-Häftlingen und Soldaten am Todesstreifen

Vor 65 Jahren wurde mitten in Berlin eine Mauer errichtet, die das Leben der Menschen in beiden deutschen Staaten für fast drei Jahrzehnte prägen sollte. Anlässlich des Jahrestags widmet das Zweite dem Mauerbau eine ganze Nacht voller historischer Dokumentationen.
Maximilian Haase |
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Zum 65. Jahrestags des Mauerbaus zeigt das Zweite zahlreiche Dokus zum Thema.
ZDF/US National Archives 5 Zum 65. Jahrestags des Mauerbaus zeigt das Zweite zahlreiche Dokus zum Thema.
Historischer Moment: US-Panzer stehen am Grenzübergang Checkpoint Charlie.
ZDF/US National Archives 5 Historischer Moment: US-Panzer stehen am Grenzübergang Checkpoint Charlie.
Ludwig Reimann, Bruder der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann, gelang 1960 die Flucht nach West-Berlin.
ZDF/US National Archives 5 Ludwig Reimann, Bruder der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann, gelang 1960 die Flucht nach West-Berlin.
Wolfgang Joop berichtet in der "Terra X History"-Doku "75 Jahre Deutschland - Wir Grenzgänger" von seiner Jugend in Potsdam.
ZDF/René Dame 5 Wolfgang Joop berichtet in der "Terra X History"-Doku "75 Jahre Deutschland - Wir Grenzgänger" von seiner Jugend in Potsdam.
Peter Keup saß einst im Gefängnis in Cottbus, heute arbeitet er in der Gedenkstätte.
ZDF/Katrin Lindner 5 Peter Keup saß einst im Gefängnis in Cottbus, heute arbeitet er in der Gedenkstätte.

Es ist ein Tag, der im kollektiven Gedächtnis der Deutschen fest verankert ist: Am 13. August 1961 begann die DDR mit dem Bau der Mauer, die in den folgenden fast drei Jahrzehnten nicht nur Berlin teilen, sondern die beiden deutschen Staaten vollkommen voneinander trennen sollte. Errichtet als vorgeblich "antifaschistischer Schutzwall" gegen Kapitalismus und Nazis, riss das Bauwerk Familien entzwei und prägte die Lebensläufe ganzer Generationen. Nicht zuletzt kamen zahlreiche Menschen beim Versuch ums Leben, die Mauer zu überwinden. 65 Jahre nach dem Mauerbau begeht das ZDF den Jahrestag der historischen Zäsur mit einer Nacht voller Dokumentationen und Reportagen zum Thema.

Los geht es 23.15 Uhr mit der Doku "Deutschland '61 - Countdown zum Mauerbau" von 2019: In 45 Minuten rekapituliert der Film von Henrike Sandner, wie es überhaupt zum Bau der Mauer kommen konnte. Die Ereignisse zwischen Kriegsende und 1961 überschlugen sich: von der massenhaften Flucht aus der DDR und dem Kampf der beiden Systeme bis hin zu Walter Ulbrichts berühmtem Ausspruch "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten" und der geheimen Planung des Mauerbaus. Die Doku zeigt, wie unvorstellbar es schien, dass die DDR-Führung tatsächlich Menschen im Land einsperren würde - aber auch, wie geschockt der Westen reagierte und wie unmöglich ein Eingreifen schien, ohne den Kalten Krieg zum Weltkrieg werden zu lassen.

Frank Schöbel und Wolfgang Joop berichten

Nach dem "heute journal update" um Mitternacht folgt dann ab 00.15 Uhr die "Terra X History"-Doku "75 Jahre Deutschland - Wir Grenzgänger", die erstmals 2024 ausgestrahlt wurde. Der Film von Steffi Lischke und Frank Diederichs widmet sich jenen, die ein von der Teilung bestimmtes Leben zwischen Ost und West führten und jenen, die sich nicht mit dem Mauerbau abfinden wollten. Porträtiert werden ganz normale Menschen, aber auch Prominente wie Reinhard Mey, Katja Ebstein, Wolfgang Joop und Frank Schöbel.

Anhand zahlreicher deutsch-deutscher Biografien beleuchtet die Doku, wie sich die Spaltung des Landes auf das Leben der Menschen auswirkte, wie sich die Geschichte darin von der Teilung über den Mauerbau bis zur Wiedervereinigung gleichsam widerspiegelte. Wie sah der Alltag zwischen den beiden Staaten und insbesondere im geteilten Berlin aus? Wie überrascht und geschockt war man vom Bau der Mauer 1961? Wer versuchte gar zu fliehen? Und wem war es erlaubt, sich regelmäßig zwischen BRD und DDR zu bewegen?

Davon zeugt etwa DDR-Schlagersänger Frank Schöbel, der schon seit den 70-ern in der Bundesrepublik auftreten durfte, aber jedes Mal zu seiner Familie und den Fans in der DDR zurückkehrte. "Das war Zuckerbrot und Peitsche", sagt er im Rückblick. Andersherum berichtet Designer Wolfgang Joop, wie er aus dem Westen immer wieder in seine alte Heimat Potsdam reiste, weil er dank Modeberatung ein DDR-Visum erhielt.

Von Grenzsoldaten und Häftlingen

Direkt im Anschluss kommen ab 1.45 Uhr in der Doku "Am Todesstreifen: DDR-Grenzer erzählen" (2020) diejenigen zu Wort, die die Grenze zwischen DDR und BRD bewachen mussten. Offen berichten die Zeitzeugen von ihrer Arbeit, die noch immer als tabuisiertes Thema gilt. Einer der etwa 500.000 jungen Männer der Grenztruppen war etwa der spätere Regimekritiker Lutz Rathenow, der in dem 45-minütigen Film Einblicke in den Alltag am Todesstreifen liefert.

Wie auf der anderen Seite das harte Leben der Inhaftierten in der DDR aussah, dokumentiert ab 2.30 Uhr die Doku "Wir wollten nur raus - DDR-Häftlinge kämpfen gegen das Vergessen" von 2022. Im Rahmen der "37°"-Reihe hat die Filmemacherin Katrin Lindner das Menschenrechtszentrum Cottbus besucht. In Ihrer Doku erzählt sie die Geschichte von Menschen, die als politische Gefangene viel Leid erfahren mussten und sich heute dafür einsetzen, dass sich dieses Unrecht nicht wiederholt.

Zu ihnen gehört auch Peter Keup ist 23 Jahre alt, der 1981 bei einem Fluchtversuch erwischt und zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wird. 1982 wird der junge Mann von der Bundesrepublik freigekauft und darf das Zuchthaus Cottbus, das größte Gefängnis in der DDR, endlich wieder verlassen. Heute, 40 Jahre später, arbeitet Peter Keup ausgerechnet in ebenjenem Gebäude, in dem ihm und zahlreichen anderen Häftlingen einst massives Unrecht widerfuhr. Denn: Aus dem damaligen Gefängnis ist ein Menschenrechtszentrum geworden. Bereits seit 2007 betreiben frühere Insassen dort Aufklärungsarbeit.

Wie lebte es sich an der deutsch-deutschen Grenze?

Auf "Spurensuche am ehemaligen Todesstreifen" begibt sich dann ab 3 Uhr die Doku "Grenzgänger". Auf einer Reise entlang der damaligen Grenze fragen die Autoren Peter Kunz und Andreas Postel - einer aus dem Osten, der andere aus dem Westen - nach den Folgen der Trennung und letzlichen Wiedervereinigung für die Bewohner des "grünen Bandes". Einen ähnlichen Ansatz wählt die "Terra X History"-Doku, die im Anschluss ab 3.30 Uhr vom "Leben an der deutsch-deutschen Grenze" während der 40 Jahre anhaltenden Teilung berichtet.

Zum Abschluss der langen Nacht geht es ab 4.15 Uhr um ein Thema, das nicht mehr direkt mit dem Mauerbau-Jahrestag in Verbindung steht: Der Film "Jugend in der DDR - Träume hinter Mauern" (2021) beleuchtet das Leben der Teenager im "Arbeiter- und Bauernstaat", die meist dieselben Sehnsüchte und Interessen hatten wie ihre Altersgenossen im Westen.

Deutschland '61 - Countdown zum Mauerbau - Mi. 12.08. - ZDF: 23.15 Uhr

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