30 Jahre Sportfreunde Stiller: Doku feiert Weltpremiere in München

Voller Kinosaal, ergriffene Musiker, großer Applaus - die ARD-Dokumentation "Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand" feierte beim DOK.fest München ihre Weltpremiere. Peter Brugger, Florian "Flo" Weber und Rüdiger "Rüde" Linhof waren live dabei.
von  (ili/spot)
Florian "Flo" Weber, Peter Brugger und Rüdiger "Rüde" Linhof - die Sportfreunde Stiller - feierten die Weltpremiere ihrer TV-Doku.
Florian "Flo" Weber, Peter Brugger und Rüdiger "Rüde" Linhof - die Sportfreunde Stiller - feierten die Weltpremiere ihrer TV-Doku. © getty/Hannes Magerstaedt

Nasskühle Mainacht, voller Kinosaal drinnen und mittendrin Peter Brugger, Florian "Flo" Weber und Rüdiger "Rüde" Linhof. Die Sportfreunde Stiller waren am Montagabend im Münchner City Kino dabei, wie ihr 30-jähriges Schaffen auf die Kinoleinwand geworfen wird. Die ARD-Dokumentation "Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand" feierte als Abschlussveranstaltung des 41. DOK.fest München ihre Weltpremiere. Rund 90 kurzweilige und berührende Minuten, in denen es um Musik, Freundschaft, ein Stück bundesrepublikanischer Popgeschichte und ein "Lebensprojekt" geht.

Moderatorin Franziska Niesar, die auch den begleitenden ARD-Ikonen-Podcast moderierte, befragte die Band vor und nach der Vorführung. Peter Brugger, der sich nicht gern selbst in Filmen und Clips sieht, gestand dabei mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Ich schaue mir andere Filme lieber an." Darauf Flo in Anspielung an die große Fußballaffinität der Bandmitglieder: "Fußballfilme". Das Zuschauen und Zuhören bei sich selbst empfinde er als "unnatürlich". Auf der Bühne wirkte er trotzdem - oder vielleicht genau deshalb - entspannt und humorvoll. Was das Singen betreffe, sei das "ein Langzeitprojekt", ergänzte er, aber: "Jetzt liebe ich singen, und ich hau es einfach raus."

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Von München in die Welt - und wieder zurück

Die Doku begleitet die drei Musiker bei Proben und Albumaufnahmen in Spanien, bei Konzerten und in privaten Momenten. Nach 30 Jahren Bandgeschichte stehen die Sportfreunde Stiller an einem Wendepunkt: Erstmals produzieren sie ihr nächstes Album selbst, ohne große Plattenfirma im Rücken. Der Film zeichnet dabei ihren Weg nach - von der Münchner Vorstadt und dem Kennenlernen im legendären Club "The Atomic Café" über die WM-Hymne ("54, '74, '90, 2006") und den musikalischen Höhepunkt "MTV Unplugged in New York" (2008) bis in die Gegenwart. Und er beleuchtet, was viele Fans wohl schon ahnten, aber nie so direkt zu hören bekamen: dass da zwischendurch eine sehr lange Stille war.

"2017 sind wir auseinander", erinnern sie sich an das Beinahe-Aus der Band, "und dann sind wir ins tiefe Loch des Schweigens reingerutscht". Wie es dazu kam und wie unterschiedlich sie sich in der Pause beschäftigt haben, zeigt der Film. Jeder der drei hatte die Pause anders erlebt: Peter widmete sich seiner Familie, Flo machte Kunst, veranstaltete Ausstellungen und veröffentlichte einen Roman, Rüde engagierte sich gesellschaftlich und gründete den "Kulturkonvoi", ein Projekt, das unter anderem Musiker aus der Ukraine mit deutschem Publikum verbindet.

"Freundschaft, Lebensprojekt"

Regisseur Torsten Berrar, der nach der Vorführung sichtlich bewegt auf die Bühne trat, erklärte, was ihn von Beginn an fasziniert hatte: dass hier eine Geschichte zu erzählen war, die weit über eine klassische Bandbiografie hinausgeht. "Freundschaft, Lebensprojekt" - das sei das eigentliche Thema geworden. Produzentin Sibylle Koller, die die Band seit rund 25 Jahren kennt, ergänzte, was ihr beim Dreh aufging: "Das sind drei wahnsinnig unterschiedliche Menschen, die aber eine so respektvolle und wertschätzende Art haben, miteinander umzugehen, von der unsere Gesellschaft noch viel lernen kann."

Ein Arbeitstitel für die Produktion hatte zeitweise schlicht gelautet: "Sportfreunde Stiller machen glücklich." Nach der Premiere war klar, warum. "Ein Kompliment", "Ich, Roque" oder "Applaus, Applaus"- ihre Songs gehören zum Soundtrack für das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Den Zauber fasst im Film eine Violinistin, die beim "MTV Unplugged" mitmachte, vortrefflich zusammen: "Jeder Song hat Tiefgang, ohne zu kompliziert zu sein." Die Reaktionen im Kinosaal bestätigten das. Auch Moderatorin Niesar fasste es nach der Vorführung ungewohnt persönlich zusammen: Man fange beim Schauen sofort an zu denken, mit wem man selbst ein solches Verhältnis habe. Und stelle fest: Ihr seid was sehr Besonderes."

Ab 28. Mai in der ARD Mediathek

Die Doku ist ab 28. Mai in der ARD Mediathek abrufbar, die TV-Ausstrahlung im Ersten folgt am 12. Juni um 23:30 Uhr. Parallel dazu erscheint ab dem 28. Mai in der ARD Audiothek der sechsteilige Podcast "ARD Ikonen: Sportfreunde Stiller", in dem die Band mit Moderatorin Niesar über Aufstieg, Krise und Neuanfang spricht.

Die Band kommentierte die Doku in einer offiziellen Stellungnahme des Bayerischen Rundfunks: Sie gebe "einen sehr speziellen Einblick in unsere Dynamik als Band" und offenbare "unser Geheimnis der Band-Chemie und die unverwüstliche Erkenntnis, dass Humor die größte Waffe in vielen Kämpfen ist." Im Kinosaal am Montagabend in München waren ihnen die Lacher sicher.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.