27 Menschen in zehn Tagen am Watzmann gerettet: Warum so viele Unfälle in den Bergen passieren

In der letzten Woche kam es in den Berchtesgadener Alpen zu zahlreichen Rettungseinsätzen. Neben Prellungen und Sprunggelenkbrüchen, mussten auch einige Bergsteigende wegen Selbstüberschätzung und mangelnder Vorbereitung gerettet werden.
von  teleschau
Der Watzmann ist in der Hochsaison ein Einsatzschwerpunkt der Bergwacht.
Der Watzmann ist in der Hochsaison ein Einsatzschwerpunkt der Bergwacht. © iStock/bluejayphoto

Die Bergwacht Ramsau hat eine stressige Woche hinter sich bringen müssen. Wie das Bayerische Rote Kreuz meldet, mussten die ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter seit Freitag, 10. Juli, binnen zehn Tagen in 16 Notfällen insgesamt 27 Menschen vom Watzmann, Hochhalter und der Reiteralpe retten. Darunter waren Verletzungen wie gebrochene Sprunggelenke von Wandernden, ein Fahrradsturz und eine Erkrankung. Viele wählten den Notruf jedoch auch, weil sie sich selbst überschätzt und die Touren nicht sorgfältig geplant hatten.

Überschätzung und mangelnde Vorbereitung

Am Sonntagnachmittag des 19. Juli benötigte etwa eine vierköpfige Familie beim Abstieg von der Reiteralpe Hilfe. Darunter waren zwei Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren. Die Familie ist zwar vom Starkregen durchnässt, aber unverletzt gewesen. Aufgrund des nassen Untergrundes steckten sie fest und mussten von acht Bergrettern während des Abstieges gesichert werden.

In der Nacht zuvor musste ein erschöpfter Oberfranke, der als Teil einer vierköpfigen Gruppe die Watzmann-Überschreitung wagte, mit einem Hubschrauber vom Berg gerettet werden. Die Gruppe war gegen sechs Uhr morgens aufgebrochen, aber laut Bayerischen Rotem Kreuz erst gegen 14 Uhr in die Überschreitung eingestiegen. Die restliche Gruppe, ebenfalls erschöpft, konnte mit den Bergrettern absteigen. Der Einsatz dauerte bis 2:30 Uhr am Sonntagmorgen.

Zuvor mussten bereits am Donnerstag, 16. Juli, wegen erschöpften und dehydrierten Bergsteigern zwei weitere Einsätze geflogen werden. Drei unterkühlte und dehydrierte Tschechen benötigten am Südspitz-Abstieg Hilfe, ein Bergsteiger aus Nordrhein-Westfalen musste von der Reiteralpe per Hubschrauber ins Tal gebracht werden, weil er erschöpft und dehydriert gewesen ist.

Touren planen und Wetterverhältnisse berücksichtigen

Immer wieder kommt es vor, dass Wandernde und Bergsteigende die Bergwacht um Hilfe rufen müssen, weil sie sich überschätzen oder die Touren schlecht planen. Dazu erklärte Bereitschaftsleiter Michael Renner: "Eine lückenlose Tourenplanung ist für ortsunkundige Alpinisten am Watzmann unerlässlich." Zum einen müsse die eigene Fitness richtig eingeschätzt werden, zum anderen müssten die aktuell von Starkregen und Gewittern geprägten Wetterverhältnisse in die Planung mit einbezogen werden.

Laut dem Bayerischen Roten Kreuz sei es vor allem immer wieder die Watzmann-Überschreitung, die wegen der großen Höhendifferenz, des weiten Wegs und des alpinen Charakters, unerfahrenere, wenig trittsichere und konditionsschwache Bergsteigerinnen und Bergsteiger vor Probleme stellt. Viele werden von Tourfotos angelockt, die in den sozialen Medien geteilt werden. Laut einem Sprecher der Bergwacht Ramsau kämen viele Menschen so erst auf die Idee, etwas zu machen, was sie sonst nie angedacht hätten, wie der "Merkur" schreibt. Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern, mahnt, dass man Bergsteigen nicht am Bildschirm lerne. Es sei wichtig, sich schrittweise an große Gipfel heranzuwagen, herauszugehen und Erfahrungen zu machen.

Tourenplanungen und geeignete Ausrüstung bilden das Fundament sicherer Bergtouren. Informationen dazu, wie man eine Tour im Gebirge am besten plant, gibt es auf der Internetseite des Deutschen Alpenvereins (DAV).

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.