Zum ersten Mal Schlusslicht: Banker beliebter als Bischof

Der Missbrauchsskandal hat das Vertrauen der Deutschen in die katholische Kirche zutiefst erschüttert – bei einer Umfrage rutschen sie hinter Parteien, Aufsichtsräte und Finanzmanager
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Trotz schlechtem Abschneiden ihres Berufstandes: Margot Käßmann schenkt man noch Vertrauen.
dpa Trotz schlechtem Abschneiden ihres Berufstandes: Margot Käßmann schenkt man noch Vertrauen.

DÜSSELDORF - Der Missbrauchsskandal hat das Vertrauen der Deutschen in die katholische Kirche zutiefst erschüttert – bei einer Umfrage rutschen sie hinter Parteien, Aufsichtsräte und Finanzmanager

Es ist eine schallende Ohrfeige für die katholische Kirche: Das Vertrauen der Deutschen in ihre Würdenträger ist tief gesunken – sogar bis auf den letzten Platz. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Manager Magazins.

Die rote Laterne in dieser Beliebtheitsskala wurde damit zum ersten Mal seit Jahren gewechselt. Bisher zählten zu den Schlusslichtern stets Großbanken, Industriekonzerne und politische Parteien. Klein und überschaubar – das ist für die meisten Bundesbürger ein wichtiges Merkmal dafür, wem oder was sie Vertrauen schenken. Deswegen liegen Arbeitskollegen, kleine Firmen oder Gemeindeverwaltungen in Front.

Die Deutschen, die von der Hamburger Stiftung Wirtschaftsethik befragt wurden, nennen „Ehrlichkeit“, „Gerechtigkeit“ und „Verlässlichkeit“ als Kriterien für Vertrauen. Um so schlimmer, dass ausgerechnet die katholische Kirche, die als Hüterin der Moral gilt, all dies eingebüßt hat. Jesco Kreft, Geschäftsführer der Stiftung Wirtschaftsethik: „Wir sehen das auch als Signal, dass die Öffentlichkeit mit der Art und Weise der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle seitens der katholischen Kirche unzufrieden ist.“ Besonders bitter für die Kardinäle und Bischöfe: Selbst ihre eigenen Mitglieder schenken ihr weniger Vertrauen als der evangelischen Konkurrenz.

Auch bei der Frage, welche Personen ihr Handeln besonders stark an jenen Werten ausrichteten, die den Befragten besonders wichtig sind (also Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit), landete Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, auf dem letzten Platz.

Der zurückgetretenen Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche, Margot Käßmann, hat ihre Trunkenheitsfahrt hingegen nicht geschadet: Niemandem trauen die Deutschen mehr Orientierung an den für sie wichtigen Werten zu als Käßmann. Jesco Kreft: „Das geringe Vertrauen in die katholische Kirche und ihre Repräsentanten im Vergleich zur evangelischen Kirche ist eines der bemerkenswertesten Ergebnisse unserer Umfrage.“

mh

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