Wie kommt Snowden nach Venezuela?

Der Atlantik ist nicht das einzige Problem auf seinem Weg von Moskau nach Caracas
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Der Atlantik ist nicht das einzige Problem auf seinem Weg von Moskau nach Caracas

MOSKAU/CARACAS Im Tauziehen um den Whistleblower Edward Snowden scheint sich ein Weg abzuzeichnen: Der 30-jährige Amerikaner hat jetzt Asyl in Venezuela beantragt, das Land hatte zuvor schon Zustimmung signalisiert. Bleiben allerdings mehrere Fragen: Wie kommt er da hin? Und: Was hat das für Folgen für Venezuela?

Asyl in Venezuela wäre das Beste für alle, hatte der russische Außenpolitiker Alexej Puschkow jüngst erklärt: Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA seien so katastrophal, da könne nichts weiter ruiniert werden. In der Tat herrscht politische Eiszeit zwischen den beiden Ländern, seit der Sozialist Hugo Chávez 1998 an die Macht gekommen ist – wobei die USA nach wie vor Hauptabnehmer des venezolanischen Öls sind. Chávez hatte den früheren US-Präsident George Bush als „feigen Lügner“ und „lächerlichen Trunkenbold“ beschimpft und mit dessen Erzfeind, Irans früheren Präsident Mahmud Ahmadinedschad, eine „strategische Allianz“ geschlossen.

Als Chávez im März starb, warf sein jetziger Nachfolger Nicolas Maduro den USA vor, ihn mit Krebs infiziert zu haben. Für den immer etwas belächelten Maduro, der die Wahlen gegen die nicht-sozialistische Opposition nur knapp gewann, wäre die Aufnahme von Snowden das Gesellenstück – und die Chance, aus dem Schatten von Übervater Chávez herauszutreten. Aber er muss es erstmal hinkriegen. „Wir haben diesem jungen Mann gesagt: Sie werden vom Imperialismus verfolgt, kommen Sie her“, so Maduro.

Ein Privatjet wäre ein Lösung - aber keine billige

Aber wie? Snowden befindet sich nach wie vor im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo – und zwar ohne Papiere, weil die USA seinen Pass für ungültig erklärt haben. Einen Direktflug von Moskau nach Caracas gibt es nicht. Denkbar wäre der Aeroflot-Flug SU150, täglich um 14.05 Uhr von Moskau nach Havanna. Doch Snowden traut Kuba offenbar nicht, trotz aller öffentlicher Bekundungen aus Havanna: Der Inselstaat hat vor kurzem schon zwei US-Bürger ausgeliefert – Raul Castro bemüht sich um Annäherung an Washington. Das soll der Grund gewesen sein, warum Snowden nicht gleich nach der Ankunft nach Südamerika weitergeflogen ist: Er soll befürchtet haben, dass Havanna ihn ausliefert.

Dazu kommt die Frage der Überflugrechte: Schon das Flugzeug von Boliviens Präsident Morales wurde zur Landung gezwungen, weil es Hinweise auf Snowden gegeben haben soll. Bleibt die Alternative, dass Snowden mit einem Privatjet von Moskau (nördlich an Skandinavien vorbei und dann über den Atlantik) direkt nach Caracas fliegt – aber eine Maschine für eine so lange Strecke muss er erstmal auftreiben und bezahlen.

 

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