Wegen Falschinformationen: Youtube löscht "Querdenken"-Kanal

Die umstrittene "Querdenken"-Bewegung trägt ihren Protest gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch ins Web. Ein wichtiger Ausspielkanal wurde nun gesperrt.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Artikel empfehlen Teilen
Die Video-Plattform Youtube hat den Kanal der umstrittenen Gruppierung "Querdenken 711" gelöscht.
Die Video-Plattform Youtube hat den Kanal der umstrittenen Gruppierung "Querdenken 711" gelöscht. © Christoph Schmidt/dpa
Berlin

Die Video-Plattform Youtube hat den Kanal der umstrittenen Gruppierung "Querdenken 711" gelöscht.

"Querdenken 711" sei in einem ersten Schritt wegen des Hochladens von Inhalten, die gegen die Youtube-Richtlinien für Fehlinformationen verstoßen hätten, abgemahnt worden, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Danach sei der Kanal zunächst gesperrt worden, so dass die Kritiker der staatlichen Corona-Maßnahmen keine weiteren Videos in dem Kanal mehr hochladen konnten. "Während dieser Suspendierung versuchten sie, die Vollstreckung zu umgehen, indem sie einen anderen Kanal benutzten, und als Ergebnis wurden beide Kanäle gelöscht." "Querdenken 711" hatte zuletzt rund 75.000 Abonnenten.

Bewegung wird beobachtet

Die "Querdenken"-Initiative hat ihren Ursprung in Stuttgart, 711 steht für die Telefonvorwahl der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Ihre Anhänger gehen seit Monaten gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen auf die Straße. Die "Querdenken"-Bewegung in Stuttgart und anderen Regionen Deutschlands wird inzwischen von verschiedenen Verfassungsschutzämtern beobachtet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Szene als sogenanntes Sammelbeobachtungsobjekt, ähnlich wie beim Salafismus. Bei der Überwachung können auch geheimdienstliche Mittel eingesetzt werden, sowie Bankkonten und Finanzströme zwischen den Akteuren durchleuchtet werden.

Der Sprecher von "Querdenken 711", Michael Ballweg, bestritt, dass man ein blockiertes Video ein zweites Mal auf einem anderen Kanal hochgeladen habe. "Es gibt gar keinen zweiten Kanal." Er erklärte, man habe sich Ende 2020 mehrfach gegen die Löschung einzelner Youtube-Videos mit anwaltlicher Unterstützung erfolgreich gewehrt. "Alle Klagen gegen Youtube gegen die willkürlichen Löschungen waren bis dato erfolgreich."

Ausweichmanöver

"Querdenken 711" verstärke nun die Aktivitäten zur Schaffung einer europäischen, dezentralen Alternative zu Youtube, kündigte Ballweg an. Dabei setze man auf Peertube. Das ist eine Software, mit der man selbst Plattformen zur Veröffentlichung von Videos und Streams betreiben kann. Das Projekt wirbt damit, dezentral, frei und transparent zu sein. Allerdings haben dort auch - ähnlich wie beim Messengerdienst Telegram - Extremisten Unterschlupf gefunden, die zuvor von kommerziellen Plattformen wegen Verstößen gegen die Richtlinien gelöscht wurden.

© dpa-infocom, dpa:210526-99-749529/3

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Artikel empfehlen