Vorstoß gegen „Lohndumping“: Auch Lidl will die Lohnuntergrenze
Gestern sorgte ausgerechnet Lidl mit einem Vorstoß gegen „Lohndumping“ für eine Überraschung. Der Discounter (mit rund 150000 Beschäftigten bundesweit die Nummer 2 hinter Aldi) fordert für den Einzelhandel einen Mindestlohn.
Die Idee vom Mindestlohn schleicht in die deutsche Arbeitswelt. In mehreren Branchen gibt es bereits solche Untergrenzen – sehr verschieden nach Regionen (Ost bekommt weniger als West) und in der Höhe (von 6,36 Euro für einen industriellen Textilarbeiter im Osten bis zu 12,90 Euro im Bauhauptgewerbe in Westen). Und der Trend verstärkt sich – auch von unerwarteter Seite.
Gestern sorgte ausgerechnet Lidl mit einem Vorstoß in diese Richtung für eine Überraschung. Der Discounter (mit rund 150000 Beschäftigten bundesweit die Nummer 2 hinter Aldi) fordert für den Einzelhandel einen Mindestlohn. Damit lasse sich das „Lohndumping in der Branche eindämmen“, schreibt der Chef der Lidl-Muttergesellschaft Ludwig Gehrig an mehrere Zeitungsredaktionen.
Die Diskussion gewinnt an Fahrt. Gewerkschaften und Opposition können sich bestätigt fühlen, die Front der Einzelhändler bröckelt. Branchenriese Metro sperrt sich weiter gegen staatliche Mindestlöhne, die schwarz-gelbe Regierung ist auch dagegen.
Mit Mindestlöhnen könnte das Lohndumping gestoppt werden, „das auch im Handel zu sehen ist“, schreibt Gehrig. Die Gewerkschaften zeigen sich grundsätzlich aufgeschlossen. Verdi-Sprecherin Monika Mönig-Raane sagte, der Vorschlag sei „zu begrüßen, wenn Lidl es ernst meint“.
Der Discounter (Jahresumsatz 14,7 Milliarden Euro) hat ein Imageproblem, seit Bespitzelungen seiner Angestellten bekannt wurden. Er versucht womöglich, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Weder Lidl noch die Gewerkschaften wollten eine Zahl für den Mindestlohn nennen.
Befürworter solcher Untergrenzen sagen, nur so könnte der Abstand zwischen Arbeitslohn und Hartz-IV-Sätzen gesichert werden. Nach neuesten Zahlen gibt es in Deutschland 1,36 Millionen „Aufstocker“, die von ihren Jobs nicht leben können. Sie lassen sich die Differenz zum Existenzminimum mit Hartz IV aufstocken. Das heißt: Der Steuerzahler finanziert die Billiglöhne mit. mm.
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