Vorbild für Deutschland: Wie Schweden die Rente finanziert

Deutschland soll sich bei der Rente Schweden als Vorbild nehmen. Arbeitnehmer werden dort schon seit längerem zum Investieren am Kapitalmarkt gezwungen - wie funktioniert das?
Julia Wäschenbach, dpa |
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Deutsche Rente nach schwedischem Vorbild? Das könnte künftig zumindest teilweise der Fall sein. (Symbolbild)
Deutsche Rente nach schwedischem Vorbild? Das könnte künftig zumindest teilweise der Fall sein. (Symbolbild) © Steffen Trumpf/dpa
Stockholm

Alle an den Kapitalmarkt: Das praktiziert Schweden schon lange. In Deutschland empfiehlt die Rentenkommission der Regierung nun eine neue Kapitalsäule in der Rente: Beiträge von Arbeitgebern und Beschäftigten sollen "nach schwedischem Vorbild" zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt werden. Deshalb ein Blick auf die Rente in Schweden:

Wie funktioniert das schwedische Modell?

Die Rentenversicherten werden dort gewissermaßen gezwungen, einen Teil ihres Einkommens zu investieren - über die sogenannte Prämienrente. Zwar fließt der Großteil des schwedischen Rentenbeitrags - 16 von 18,5 Prozent - ähnlich wie in Deutschland in eine klassische umlagefinanzierte Rente. Die übrigen 2,5 Prozent gehen aber in die Prämienrente: Das Geld wird in Fonds angelegt, die die Schweden selbst auswählen können.

Wer sich nicht aktiv für einen Fonds entscheidet - und das ist oft der Fall -, dessen Einkünfte landen automatisch im staatlichen Standardfonds. Daneben gibt es viele weitere zugelassene Alternativen, aus denen sich die Schweden bedienen können. 

Was hat das den Schwedinnen und Schweden bislang gebracht?

Auch wenn er zwischendurch - etwa in der Finanzkrise - Einbrüche verbucht hat, hat sich vor allem die Investition in den staatlichen Fonds AP7 Såfa in der Vergangenheit für die Schweden ausgezahlt. Der Fonds investiert global, setzt auch auf Derivate und hat vergleichsweise niedrige Gebühren. Solange der oder die Rentenversicherte jung ist, wird das Geld komplett in Aktien angelegt - später steigt der Anteil festverzinslicher Papiere, um das Risiko zu verringern. Eine größere Debatte über die Risiken der Geldanlage gibt es in Schweden nicht: Das Vertrauen in den Staat ist relativ groß. 

Was ist noch anders in Schweden?

Manches, was aktuell nicht als Vorbild für Deutschland diskutiert wird. Der noch flexiblere Renteneintritt zum Beispiel: In Schweden gibt es kein reguläres Renteneintrittsalter – alle können ab einem gewissen Alter selbst entscheiden, wann sie in Rente gehen. Aktuell ist das etwa für die Jahrgänge ab 1963 frühestens mit 64 Jahren möglich. Die Zahl ist an die Lebenserwartung gekoppelt, wird also perspektivisch weiter steigen. In der Regel fällt die Rente umso höher aus, je mehr jemand verdient und je später die Person in Rente geht. 

In Schweden zahlen alle ins Rentensystem ein – auch Selbstständige, wie es in Deutschland nun ebenfalls diskutiert wird, aber auch Beamte, was die Kommission hierzulande nicht vorschlägt.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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