Vor Jahrestag der Revolution: Sechs Tote bei Anschlägen in Kairo

Drei Jahre nach dem Sturz von Mubarak kommt Ägypten nicht zur Ruhe. Eine Bombenserie erschüttert Kairo.
| dpa
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Drei Jahre nach dem Sturz von Mubarak kommt Ägypten nicht zur Ruhe. Eine Bombenserie erschüttert Kairo. Der Jahrestag der Revolte von 2011 droht in Gewalt zu versinken.

Kairo - Vor dem Jahrestag des Ausbruchs der Revolution gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak in Ägypten haben Bombenanschläge die Hauptstadt Kairo erschüttert. Dabei kamen insgesamt mindestens sechs Menschen ums Leben, nahezu 100 wurden verletzt. Der Beginn der Revolution jährt sich am Samstag zum dritten Mal.

Der schwerste Terrorakt richtete sich gegen das Sicherheitsdirektorat der Kairoer Polizei in der historischen Altstadt. Vier Menschen starben, 73 weitere wurden nach Angaben eines Polizeisprechers verletzt, als ein Selbstmordattentäter die Sperre zu dem stark gesicherten Gebäude durchbrach und sich mit seinem Fahrzeug in die Luft sprengte. Bei weiteren Anschlägen gab es insgesamt zwei Tote und 22 Verletzte.

Zu dem Anschlag auf die Sicherheitsdirektion bekannte sich die Al-Kaida-nahe Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis. Vor dem Polizeigebäude war ein tiefer Krater zu sehen. Die Fassaden der Polizeizentrale und des gegenüberliegenden Museums für Islamische Kunst wurden durch die Detonation schwer beschädigt. Beim Auftauchen von Fernsehteams bildeten sich Menschenmengen, die Militärchef Abdel Fattah al-Sisi hochleben ließen und in Sprechchören die "Liquidierung" der Muslimbruderschaft verlangten.

Der Mob griff auch ein Fernsehteam der ARD tätlich an. Ein deutscher Kameramann, ein ägyptischer Produzent und ein ägyptischer Fahrer wurden durch Hiebe, Tritte und Rasierklingen verletzt. Die drei Männer konnten sich nur mit Not in Sicherheit bringen, wie der Kameramann gegenüber dem ARD-Portal tagesschau.de berichtete.

Bei dem zweiten Anschlag wenig später explodierte ein Sprengsatz in der Nähe einer U-Bahn-Station im Stadtteil Dokki. Die Bombe detonierte nach Augenzeugenberichten unter einem Polizeifahrzeug. Ein dritter Sprengsatz, der vor einer Polizeiwache in Giza explodierte, verursachte keine Opfer oder Schäden. Die vierte Explosion am Nachmittag tötete in Giza einen Menschen.

Der Angriff auf die Polizeizentrale in Kairo ist der zweite markante Anschlag auf ein hoch gesichertes Objekt der Staatsgewalt und der erste dieser Art in der Hauptstadt Kairo. Vor einem Monat waren bei einem Anschlag auf die Polizeizentrale in der Nildelta-Stadt Al-Mansura 16 Menschen getötet worden. Auch zu diesem Terrorakt hatte sich Ansar Beit al-Makdis bekannt. Der Schaden am Museum für Islamische Kunst war beträchtlich. Nach Angaben der Altertümer-Verwaltung wurde nicht nur die Fassade des aus dem 19. Jahrhundert stammenden, osmanischen Gebäudes ruiniert, sondern es stürzten auch Decken im Inneren des Hauses ein. Über das Ausmaß der Schäden an den dort ausgestellten Kunstwerken lagen zunächst keine Angaben vor.

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten wurden am Freitag landesweit mindestens drei Menschen getötet. Im Kairoer Stadtteil Giza, in Alexandria und Damietta kam jeweils ein Demonstrant ums Leben, berichtete das Nachrichtenportal "ahram". Die Behörden nahmen nach diesen Angaben 111 Kundgebungsteilnehmer fest. Die verbotene Muslimbruderschaft hatte vor dem Jahrestag der Revolution von 2011 zu Massenkundgebungen ihrer Anhänger aufgerufen.

Aus Furcht vor Anschlägen hatte die Übergangsregierung die Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht. So stellten etwa die staatlichen Eisenbahnen am Donnerstag den Betrieb zwischen Oberägypten und Kairo ein. Am Freitagnachmittag kreisten über der Innenstadt von Kairo Kampfhubschrauber.

Die Regierung beschuldigt die Muslimbruderschaft, hinter den Terroranschlägen in Ägypten zu stecken. Diese bestreitet das entschieden. Die islamistische Organisation hatte die ersten freien Wahlen nach dem Sturz Mubaraks gewonnen, war aber im vorigen Juli nach Massenprotesten gegen ihre Herrschaft vom Militär entmachtet worden. Ihre Führer und Tausende Aktivisten sind seitdem inhaftiert.

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