USA und Kuba: Annäherung nach 50 Jahren Funkstille

Dass die USA und Kuba zuletzt diplomatisch miteinander in Kontakt traten, ist ein gutes halbes Jahrhundert her. Jetzt kündigen Obama und Castro gleichzeitig an: Wir wollen wieder Beziehungen zueinander aufnehmen.
AP |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ bei Google News
Der kubanische Präsident Raul Castro begrüßt am Donnerstag die drei von den USA frei gelassenen kubanischen Agenten Gerardo Hernandez, Antonio Guerrero and Ramon Labanino (v.l.)
dpa 9 Der kubanische Präsident Raul Castro begrüßt am Donnerstag die drei von den USA frei gelassenen kubanischen Agenten Gerardo Hernandez, Antonio Guerrero and Ramon Labanino (v.l.)
Der kubanische Präsident Raul Castro begrüßt am Donnerstag die drei von den USA frei gelassenen kubanischen Agenten Gerardo Hernandez, Antonio Guerrero and Ramon Labanino (v.l.)
dpa 9 Der kubanische Präsident Raul Castro begrüßt am Donnerstag die drei von den USA frei gelassenen kubanischen Agenten Gerardo Hernandez, Antonio Guerrero and Ramon Labanino (v.l.)
Eine Kubanerin trägt am Donnerstag zur Feier des Tages eine Hose mit dem Nationalflaggen-Muster der USA.
dpa 9 Eine Kubanerin trägt am Donnerstag zur Feier des Tages eine Hose mit dem Nationalflaggen-Muster der USA.
Ein Olditmer mit kubanischer Flagge fährt am Donnerstag durch Havanna.
dpa 9 Ein Olditmer mit kubanischer Flagge fährt am Donnerstag durch Havanna.
Luftaufnahme von sowjetischen Raketenabschußrampen, Raketentranportern und Tanklagern auf Kuba im Oktober 1962. Die Raketenkrise rückte Kuba 1962 ins Zentrum des Weltgeschehens. Revolutionsführer Fidel Castro hoffte, die USA von einem Angriff auf die Karibikinsel abzuschrecken. Die Einigung mit Kennedy hinter seinem Rücken nahm er Chruschtschow übel.
dpa 9 Luftaufnahme von sowjetischen Raketenabschußrampen, Raketentranportern und Tanklagern auf Kuba im Oktober 1962. Die Raketenkrise rückte Kuba 1962 ins Zentrum des Weltgeschehens. Revolutionsführer Fidel Castro hoffte, die USA von einem Angriff auf die Karibikinsel abzuschrecken. Die Einigung mit Kennedy hinter seinem Rücken nahm er Chruschtschow übel.
Der kubanische Ministerpräsident Fidel Castro hält am 26.09.1960 vor der UN-Vollversammlung in New York eine Rede. Hinter ihm am Präsidiumstisch sitzen der UN-Generalsekretär Dag Hammarsköld (r) und Bolwand.
dpa 9 Der kubanische Ministerpräsident Fidel Castro hält am 26.09.1960 vor der UN-Vollversammlung in New York eine Rede. Hinter ihm am Präsidiumstisch sitzen der UN-Generalsekretär Dag Hammarsköld (r) und Bolwand.
Der neue kubanische Staatschef, der Revolutionsführer Fidel Castro, hält nach seiner Amtseinführung in Havanna eine anderthalbstündige Rede (Archivfoto vom 16.02.1959).
dpa 9 Der neue kubanische Staatschef, der Revolutionsführer Fidel Castro, hält nach seiner Amtseinführung in Havanna eine anderthalbstündige Rede (Archivfoto vom 16.02.1959).
Ein Aufklärungsflugzeug der US-Marine fliegt vor der Küste Costa Ricas über das US-Kriegsschiff USS-Barry (vorne) und den sowjetische Frachter Anosow. Während der Kubakrise kontrolliert die Barry das sowjetische Schiff, von dem vermutet wurde, dass es für Kuba bestimmte sowjetische Raketen transportiert (Archivfoto von 1962).
dpa 9 Ein Aufklärungsflugzeug der US-Marine fliegt vor der Küste Costa Ricas über das US-Kriegsschiff USS-Barry (vorne) und den sowjetische Frachter Anosow. Während der Kubakrise kontrolliert die Barry das sowjetische Schiff, von dem vermutet wurde, dass es für Kuba bestimmte sowjetische Raketen transportiert (Archivfoto von 1962).
Castro-Soldaten marschieren gegen die Invasoren aus der Schweinebucht am 18. April 1961 in der Nähe von Havanna, Kuba. Vor über 50 Jahren, am 17. April 1961, landeten auf Kuba Exilkubaner mit dem Ziel, das Castro-Regime zu stürzen. Die militärische Aktion schlug fehl und die Beziehungen zwischen den USA und Kuba verschlechterten sich weiter. Am 7. Februar 1962 verhängten die USA ein Wirtschaftsembargo gegen Kuba, das modifiziert noch heute in Kraft ist.
dpa 9 Castro-Soldaten marschieren gegen die Invasoren aus der Schweinebucht am 18. April 1961 in der Nähe von Havanna, Kuba. Vor über 50 Jahren, am 17. April 1961, landeten auf Kuba Exilkubaner mit dem Ziel, das Castro-Regime zu stürzen. Die militärische Aktion schlug fehl und die Beziehungen zwischen den USA und Kuba verschlechterten sich weiter. Am 7. Februar 1962 verhängten die USA ein Wirtschaftsembargo gegen Kuba, das modifiziert noch heute in Kraft ist.

Washington - Die Eiszeit zwischen Kuba und den USA ist nach einem halben Jahrhundert vorbei. Die Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro kündigten am Mittwoch zeitgleich in Washington und Havanna an, die beiden Länder nähmen die diplomatischen Beziehungen zueinander wieder auf. Den Auftakt des politischen Tauwetters markierte ein Gefangenenaustausch zwischen den beiden Staaten.

Die bisherige Kuba-Politik der USA sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Obama. "Diese 50 Jahre haben gezeigt, dass Isolation nicht funktioniert. Es ist Zeit für einen neuen Ansatz." Ob er noch während seiner Amtszeit bis Anfang 2017 nach Kuba reisen werde, ließ der Präsident offen. "Ich habe derzeit keine Pläne, Kuba zu besuchen, aber mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln", sagte Obama dem Fernsehsender "ABC News".

Castro begrüßte in einer Fernsehansprache den Neuanfang. Mit den teils erheblichen Differenzen zwischen den USA und Kuba müssten beide Seiten zivilisiert umgehen, sagte Castro. Um seine Botschaft zu hören, unterbrachen Schullehrer im Land ihren Unterricht. In Havanna waren Kirchenglocken zu hören.

Vertreter der beiden Staaten hatten mehr als ein Jahr lang im Geheimen verhandelt, unter anderem in Kanada und Rom. Auch Papst Franziskus hatte sich eingeschaltet. Die endgültige Entscheidung besiegelten Obama und Castro am Dienstag in einem fast einstündigen Telefonat - dem ersten substanziellen Austausch zwischen Staatschefs der beiden Länder seit 1961, als auch die diplomatischen Beziehungen eingefroren wurden.

Teil der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen, mit der Obama Außenminister John Kerry beauftragte, ist die Eröffnung einer US-Botschaft in Havanna, möglicherweise bereits in den kommenden Monaten. Zudem solle es Kontakte und Besuche auf höchster Regierungsebene geben. Die Grenze für Überweisungen an Kubaner soll von 500 auf 2000 Dollar pro Quartal angehoben werden. Reisen nach Kuba werden etwa für Familienbesuche erleichtert, für US-Touristen bleiben sie allerdings verboten.

Obama nutzte für den Schritt seine Exekutivvollmachten, die er nach Ansicht der oppositionellen Republikaner im Übermaß einsetzt. Der Präsident kann allerdings nicht das 1960 verhängte Wirtschaftsembargo der USA gegen Kuba aufheben, das vom Kongress beschlossen wurde und nur von ihm wieder aufgehoben werden kann.

Kritik an Obamas Vorstoß kam von den Republikanern. "Verbindungen mit dem Castro-Regime sollten nicht wiederaufgenommen, geschweige denn normalisiert werden, bis das kubanische Volk Freiheit genießt - und nicht eine Sekunde eher", sagte der republikanische Vorsitzende im Repräsentantenhaus, John Boehner. International wurde der Schritt positiver aufgenommen, vor allem in Lateinamerika. Venezuelas Präsident Nicolas Maduro sagte, Obamas Aktion sei "eine Geste, die mutig und historisch notwendig war". Auch der Papst beglückwünschte die beiden Nationen zu der "historischen Entscheidung".

Vor der offiziellen Ankündigung ließ Kuba den zu einer langen Haftstrafe verurteilten US-Bürger Alan Gross frei. Er war im Dezember 2009 festgenommen worden, als er als Vertragspartner der US-Regierungsbehörde USAID auf Kuba einen Internetzugang einrichten wollte. Im Gegenzug dazu ließen die USA die drei verbliebenen 1998 verhafteten kubanischen Geheimagenten der sogenannten Cuban Five frei.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
0 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.