USA: Seeblockade gestartet - Iran spricht von "Piraterie"

Eskalation, Bluff oder Mittel diplomatischer Verhandlungen? Die von den USA verkündete eigene Sperrung der Straße von Hormus sorgt für Unruhe.
von  dpa
US-Präsident Donald Trump reagiert auf die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran nun mit einer eigenen Sperrung.
US-Präsident Donald Trump reagiert auf die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran nun mit einer eigenen Sperrung. © Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Die USA haben eigenen Angaben nach mit der Blockade der Straße von Hormus begonnen. Das teilte ein Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur mit. US-Präsident Donald Trump bestätigte später vor Reportern in Washington, die Blockade sei wie geplant in Kraft getreten. 

Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) hatte am Sonntag mitgeteilt, ab diesem Montag 10.00 Uhr US-Ostküstenzeit (16.00 Uhr MESZ) bestimmte Schiffe an der Durchfahrt durch die Meerenge zu hindern. Blockiert werden sollen demnach Schiffe, die einen iranischen Hafen als Start oder Ziel haben. Dies schließe iranische Häfen am Persischen Golf und am Golf von Oman ein, hieß es. 

Zugleich hatte das US-Militär erläutert, dass die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus ohne iranischen Ziel- oder Startpunkt nicht beeinträchtigt werden solle. Die Ankündigungen nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran lösten Reaktionen an den Börsen aus - und sorgten für Empörung im Iran. 

Bericht: Mehr als 15 US-Kriegsschiffe könnten Einsatz unterstützen

Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten, dass mehr als 15 US-Kriegsschiffe bereit seien, den Einsatz zu unterstützen. Laut Vertretern des Militärs hätten die USA einen Flugzeugträger, mehrere Lenkwaffenzerstörer, ein amphibisches Angriffsschiff sowie weitere Kriegsschiffe im Nahen Osten, schreibt die Zeitung. 

Einige der Schiffe seien in der Lage, Handelsschiffe in bestimmte Gebiete zu eskortieren, um sie dort festzuhalten. Das Blatt zitiert einen ehemaligen hochrangigen Soldaten der US-Marine mit der Einschätzung, dass die Kriegsschiffe wahrscheinlich außerhalb der Straße von Hormus eingesetzt würden, um eine Bedrohung durch den Iran zu vermeiden. 

Nach Informationen des "Wall Street Journal" erwägen Trump und seine Berater außerdem, auch begrenzte Militärschläge im Iran wieder aufzunehmen, um die festgefahrenen Gespräche wieder in Gang zu bringen.

Iran spricht von "Piraterie"

Irans Streitkräfte bezeichneten die Seeblockade als "Akt der Piraterie". Einschränkungen für den Schiffsverkehr in internationalen Gewässern seien eine illegale Maßnahme, sagte ein Sprecher der iranischen Militärführung laut der Nachrichtenagentur Tasnim. "Die Sicherheit der Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman ist entweder für alle oder für niemanden."

Trumps Ankündigung sei nichts als Bluff, schrieb der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, in der Nacht auf X. Dies würde als Militäroperation gewertet, "und wir würden darauf reagieren". Die Revolutionsgarden warnten davor, dass sich Militärschiffe der Straße von Hormus nähern. Dies würde als "klarer Verstoß gegen die (seit Mittwoch) bestehende Waffenruhe betrachtet", hieß es Sonntagabend in einer Mitteilung. 

Gibt es weitere Verhandlungen?

Die direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren am frühen Sonntagmorgen ohne Einigung zu Ende gegangen. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich vom Abbruch der Gespräche nicht überrascht. "Ich hatte von Anfang an nicht den Eindruck, dass sie wirklich gut vorbereitet waren", sagte der CDU-Chef hinzu. Wen er mit dieser Kritik meinte, sagte er nicht.

In Pakistan, Schauplatz der Verhandlungen am Wochenende, mehrten sich zuletzt wieder Gerüchte über neue Gespräche. "Die Diplomatie ist noch nicht tot," sagte ein pakistanischer Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Wo und wann die Gespräche weitergehen könnten, sei jedoch unklar.

Trump sagte in Washington, der Iran habe angerufen. "Sie wollen einen Deal machen" und zwar unbedingt, sagte er wie bereits in früheren Äußerungen. Eine entsprechende öffentliche Äußerung aus dem Iran gab es zunächst nicht. 

Was Trump erreichen will

Trump will mit der Blockade verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt, und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden.

Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und dem Oman ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel. Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte Teheran die Meerenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtschiffen faktisch blockiert, was die Preise für Energie in die Höhe trieb. Der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Erliegen.

Bundesregierung setzt weiter auf Diplomatie

Die Bundesregierung betonte, man setze auch nach den vorerst gescheiterten Friedensverhandlungen im Iran-Krieg und der angedrohten Teilblockade der Straße von Hormus durch die USA weiterhin auf eine Verhandlungslösung. "Diese diplomatische Lösung ist der einzige Weg, diesen Konflikt jetzt zu beruhigen und zu einem Ende zu führen", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. 

Die Blockade der Straße von Hormus beziehungsweise der iranischen Häfen durch die USA sei kein Ende des diplomatischen Prozesses, sagte Kornelius. Man interpretiere dies vielmehr als "Bewegung, den Druck zu erhöhen". Die Straße von Hormus diene offenbar nun als "eine Art Faustpfand" für beide Seiten - den Iran und die USA. 

Weiter Kämpfe im Libanon und Angriffe auf Israel

Derweil gehen die Kämpfe im Libanon weiter. Israels Armee geht dort gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz vor. Außenminister Gideon Saar bekräftigte, dass sein Land eine Waffenruhe ablehne und seine Einsätze dort fortsetze. Seit Anfang März seien mehr als 7.000 Raketen, Geschosse und Drohnen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert worden. Der Beginn von Gesprächen zwischen beiden Ländern sei weiterhin für diesen Dienstag geplant.

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