Ukrainischer Callcenterbetrug: Verdächtige in Staatsorganen

Betrügerische Anrufe, Drogenhandel, Geldfälschung und Schmiergelder: Ermittler sehen ranghoch Polizisten, Staatsanwälte und Geheimdienstler in einem kriminellen Netzwerk. Wie weit reicht der Fall?
dpa |
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Hochrangige Angehörige der ukrainischen Polizei, Staatsanwaltschaft und des Geheimdienstes sollen in Callcenterbetrug und andere Kriminalität verwickelt sein. (Illustration)
Hochrangige Angehörige der ukrainischen Polizei, Staatsanwaltschaft und des Geheimdienstes sollen in Callcenterbetrug und andere Kriminalität verwickelt sein. (Illustration) © Sebastian Gollnow/dpa
Kiew

In großangelegten Ermittlungen wegen Callcenterbetrugs verdächtigen ukrainische Korruptionsermittler ranghohe Polizisten und einen Geheimdienstler der Schmiergeldannahme. "Mitglieder einer kriminellen Vereinigung haben ranghohen Staatsangestellten systematisch unrechtmäßige Vorteile gewährt, um den ungehinderten Betrieb von betrügerischen Callcentern und anderen illegalen Geschäften zu gewährleisten", hieß es in einer Mitteilung staatlicher Ermittler. 

Das Schmiergeld ging demnach an Geheimdienstler, Staatsanwälte und Polizisten. Dafür sollten sie betrügerische Callcenter, den Verkauf von Drogen und die Produktion von Zigaretten und Falschgeld decken. 

In einem Video zeigten die Ermittler dabei die Herstellung von Banknoten im Wert von 200 Euro, die Falschgeldtests überstanden. Mindestens ein Dutzend Mitglieder gehörten zu der kriminellen Organisation, der auch die Beteiligung an Angriffen, Entführungen und schweren Körperverletzungen vorgeworfen werde. Unter anderem wurde gezeigt, wie auf die Beine eines Gefesselten mit Hämmern geschlagen wurde. In veröffentlichten Gesprächsmitschnitten war auch die Rede von der Einschüchterung von ukrainischen Journalisten.

Am Mittwoch entließ der geschäftsführende Chef des Geheimdienstes SBU, Olexander Poklad, zwei ungenannte ranghohe Mitarbeiter, die in den Ermittlungen aufgetaucht sein sollen. Einer Mitteilung des ermittelnden Nationalen Antikorruptionsbüro (NABU) zufolge bedrohte einer der SBU-Mitarbeiter bei einer Hausdurchsuchung die Ermittler mit einer Waffe. 

Flucht des Generalstaatsanwalts nach Ermittlungen

Erste Ermittlungserkenntnisse mit Spuren zur ukrainischen Staatsanwaltschaft hatten NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) bereits Anfang September präsentiert. Dies führte zum Rücktritt des Generalstaatsanwalts Ruslan Krawtschenko und dessen Flucht nach Österreich.

In der Ukraine operierten Medienberichten zufolge Anfang des Jahres mehr als 2.000 illegale Callcenter. Laut Schätzungen der auf die organisierte Kriminalität spezialisierten schweizerischen Nichtregierungsorganisation Global Initiative generieren mehr als 60.000 Mitarbeiter in der Ukraine monatlich Umsätze von umgerechnet bis zu 900 Millionen Euro. Sie ergaunerten mit betrügerischen Anrufen hauptsächlich Geld aus dem benachbarten Russland und der Ukraine, konzentrierten sich aber zunehmend auch auf Länder der Europäischen Union wie Deutschland. Mitte September wurde die ukrainische Gesetzgebung gegen betrügerische Anrufe verschärft.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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