Ukraine verbietet "Propaganda", nicht russische Literatur

Ein Gerücht macht im Netz die Runde: In der Ukraine sollen angeblich alle russischsprachigen Bücher verbrannt werden. Doch das stimmt nicht.
AZ/dpa |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ bei Google News
Der ukrainische Präsiden Wolodymyr Selenskyj. Russischsprachige "Propaganda-Literatur" soll nach einem Beschluss von Anfang Mai aus den ukrainischen Bibliotheken entfernt werden.
Der ukrainische Präsiden Wolodymyr Selenskyj. Russischsprachige "Propaganda-Literatur" soll nach einem Beschluss von Anfang Mai aus den ukrainischen Bibliotheken entfernt werden. © -/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Berlin - Hört man in Deutschland von Bücherverbrennungen, verbindet man das in der Regel mit den Nationalsozialisten. Aktuell wird der Ukraine vorgeworfen, auf diese Weise gegen die gesamte russische Literatur vorzugehen. Das aber ist haltlos.

Behauptung: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe die Verbrennung "aller russischsprachigen Bücher" anordnen lassen.

Bewertung: Falsch. Kiew lässt aber etwa "russische Propaganda-Literatur" aus den Bibliotheken entfernen.

Das sind die Fakten

Die Ukraine hat nach dem Beginn des russischen Angriffs auf das Land zwei Vorhaben zum Umgang mit bestimmten Büchern umgesetzt: Am 19. Juni beschloss das Parlament, dass keine Druckwerke aus Russland und Belarus mehr in die Ukraine importiert werden dürfen. Bereits am 5. Mai wurde vom Kulturministerium bekanntgegeben, dass russischsprachige "Propaganda-Literatur" aus den Bibliotheken entfernt werden solle. Darunter fallen demnach etwa Texte, die den russischen Krieg gegen die Ukraine leugnen oder die territoriale Integrität des Landes in Frage stellen.

Es geht aber nicht um die gesamte russischsprachige Literatur. Was mit den entfernten Texten passieren soll, ist zwar unklar. Eine Verbrennung aber wird nirgends erwähnt. Für eine angebliche offizielle Anweisung zur Zerstörung aller russischsprachigen Bücher in der Ukraine gibt es keinerlei Hinweise.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Bücherhaufen in Flammen wird teilweise mit Falschbehauptung verbreitet

Zum Teil wird mit der Falschbehauptung auch das Foto eines Bücherhaufens in Flammen verbreitet. Doch diese Aufnahme ist schon spätestens seit 2014 im Netz zu finden – und zeigt sicherlich keine Bücherverbrennung im Jahr 2022. Zudem steht auf einem der abgebildeten Bücher in kyrillischen Buchstaben "Geschichte der Ukraine". Das deutet darauf hin, dass die damalige Verbrennung tatsächlich eher den Hintergrund hat, der Ukraine die Staatlichkeit abzusprechen.

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen
lädt ... nicht eingeloggt
 
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.