Türkei: Abgesetzter Oppositionsführer Özel tritt aus CHP aus

Um die Opposition wieder handlungsfähig zu machen, gründet der abgesetzte Parteichef eine neue Partei. Mit ihm begibt sich ein Großteil der Abgeordneten auf den Weg – der nicht ohne Risiken ist.
dpa |
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Der türkische Oppositionspolitiker Özgür Özel ist aus der CHP ausgetreten, nachdem er als Parteivorsitzender abgesetzt wurde. (Archivbild)
Der türkische Oppositionspolitiker Özgür Özel ist aus der CHP ausgetreten, nachdem er als Parteivorsitzender abgesetzt wurde. (Archivbild) © Tunahan Turhan/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
Ankara

Nach seiner Ankündigung, eine neue Partei gründen zu wollen, ist der abgesetzte türkische Oppositionspolitiker Özgür Özel aus der Partei CHP ausgetreten. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, unterschrieb Özel gemeinsam mit 90 weiteren der bisherigen 135 CHP-Abgeordneten Gründungsdokumente für die "Neue Partei" ("Yeni Parti"). Weitere formale Schritte der Parteineugründung wie die Antragseinreichung beim türkischen Innenministerium sollen im Laufe des Tages erfolgen. 

Der Schritt erfolgte nun nach wochenlangem Kampf der abgesetzten Parteiführung gegen ein Gerichtsurteil, das den Parteitag von 2023 für ungültig erklärt und Özels umstrittenen Vorgänger Kemal Kilicdaroglu kommissarisch erneut als Parteichef eingesetzt hatte. 

Opposition in der Sackgasse 

Özel hatte bei seiner letzten Rede als CHP-Fraktionschef Anfang der Woche im türkischen Parlament erklärt, die Partei stecke in einer Sackgasse. Eine Parteineugründung sei im Interesse der gesamten türkischen Bevölkerung und notwendig, um das Ziel der Regierungsübernahme zu erreichen. 

Nach der Wahl von Özel zum Parteivorsitzenden auf dem Parteikongress 2023 stellte er die CHP neu auf. Dass die Partei bei den Lokalwahlen 2024 erstmals besser abschnitt als die regierende AKP, sehen Özel und seine Unterstützer als klaren Beweis ihres politischen Erfolgs. Gegen die Absetzung als Parteivorsitzender klagte Özel auch vor dem Obersten Gerichtshof, der jedoch ohne eine Entscheidung in die Sommerpause ging. Einen parteiinternen Antrag mit über 1.000 Unterschriften, mit dem ein Parteikongress erwirkt werden sollte, wurde von der Kilicdaroglu-Führung abgelehnt. 

Schwerwiegende Entscheidung 

Die CHP besitzt eine lange politische Tradition – sie wurde von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründet und legte die Grundlagen der Türkischen Republik. Diese Strukturen zu verlassen, gilt deshalb auch als politisch riskant. Umfragen aus den vergangenen Wochen zeigten jedoch Unterstützung von rund 30 Prozent der Befragten für eine neue Partei. Özel erklärte bei seiner Rede am Dienstag, er ziehe nicht das Hemd aus, sondern alle gemeinsam zögen "ein Hemd aus Feuer an".

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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