"Trump Slump": Münchner Experte sieht Tourismus-Einbruch in USA

Würgen Donald Trumps verschärfte Einreisevorschriften den Tourismus aus der Bundesrepublik ab? Das US-Heimatschutzministerium fordert Einreisende wohl künftig auf, ihre Online-Aktivitäten offenzulegen. Was das konkret beinhaltet und wie ein Münchner Experte die Entwicklung für die US als Urlaubsdestination bewertet.
Ralf Müller |
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Eine Maschine der Lufthansa über Los Angeles, Kalifornien, USA.
Eine Maschine der Lufthansa über Los Angeles, Kalifornien, USA. © IMAGO/Rüdiger Wölk

Die zweite Regierungszeit von US-Präsident Donald Trump hinterlässt auch auf dem Gebiet des Tourismus seine Spuren.

Während 2024 die Besuche deutscher Touristen auf zwei Millionen angestiegen waren und damit fast wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht hatten, sackten die Zahlen im vergangenen Jahr ab. Als Gründe werden politische Unsicherheiten und die Trumpsche "America First"-Politik genannt. Jetzt droht die US-Administration mit verschärften Einreisebestimmungen auch für Europäer womöglich schon ab dem 9. Februar. Die AZ hat darüber mit dem Münchner Tourismusforscher Markus Pillmayer gesprochen.

AZ: Herr Pillmayer, seit dem zweiten Amtsantritt von US-Präsident Trump scheint die Zahl der deutschen Touristen in den USA rückläufig zu sein. Können Sie das bestätigen?
Markus Pillmayer: Wenn wir uns verschiedene Datenquellen anschauen, können wir rückläufige Touristenzahlen feststellen. Insofern kann ich das bestätigen.

In den USA gibt es einen "Trump Slump"

Inwieweit sehen Sie da einen Zusammenhang?
Innenpolitische Spannungen beziehungsweise Unruhen, irritierende Visa-Auflagen und insgesamt die Sorge über das weltpolitische Agieren der USA führen zu einem "Trump Slump", das heißt zu einem Einbruch der touristischen Zahlen.

Wie sehr wird das Reiseverhalten der Deutschen durch die politische Lage im Zielland beeinflusst? In fernerer Vergangenheit war ja Spanien unter Franco durchaus beliebt, heute ist es die Türkei mit ebenfalls fraglicher Demokratie- und Menschenrechtslage.
Sicherlich spielt die politische Lage eine gewisse Rolle bei der Reiseentscheidung – zumindest kurzfristig betrachtet. Die Frage wird vielmehr sein, ob es deutsche Reisende direkt zu spüren bekommen. Beispielsweise bei der Einreise oder auch bei der Offenlegung ihrer Social-Media-Aktivitäten.

Markus Pillmayer (46)  ist seit 2019 Professor für Destinationsentwicklung und Destinationsmanagement an der Hochschule München.
Markus Pillmayer (46) ist seit 2019 Professor für Destinationsentwicklung und Destinationsmanagement an der Hochschule München. © Julia Bergmeister

Inwieweit können Sie Informationen bestätigen, wonach die Einreise in die USA für Europäer seit Trumps "America First" risikoreicher oder beschwerlicher geworden ist? Gehen deutsche Touristen jetzt bei einer USA-Reise größere Risiken ein als früher?
Scheinbar wurden in jüngster Zeit mehrere deutsche Staatsbürger bei der Einreise in die USA abgewiesen und für die Abschiebung in Gewahrsam genommen, die Gründe sind jedoch unbekannt. Das objektive Sicherheitsrisiko, zum Beispiel die Kriminalität in den USA, hat sich für "normale" deutsche Urlauber aber nicht dramatisch verändert.

"Bei persönlichen Daten sehr sensibel"

Wie wird sich das Reiseverhalten der Deutschen beziehungsweise Europäer hinsichtlich der USA verändern, wenn die verschärften Einreisebedingungen mit Offenlegung von Social-Media-Accounts, Telefonnummern, DNA-Abgabe und so weiter umgesetzt werden?
Dazu liegen aktuell noch keine validen Daten vor. Deutsche Reisende sind bei persönlichen Daten wie beispielsweise Gesundheitsdaten jedoch sehr sensibel. Daher kann die Offenlegung schon zu einer gewissen Zurückhaltung führen, vor allem, wenn nicht bekannt ist, was mit den Daten geschehen soll und was mögliche Konsequenzen sein können.

Wird sich das auf die Fußball-WM auswirken?
Es ist zumindest möglich, wobei die Fußball-WM sowohl für US-Präsident Trump als auch für Fifa-Präsident Gianni Infantino ein Prestigeprojekt ist. Es ist mehr als bedauerlich, wenn ein Großevent wie eine Fußball-WM unter politischen Spannungen leiden müsste.

US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump. © Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Wie stark ist die US-Tourismuswirtschaft von internationalen Gästen abhängig? Ist mit Widerstand zu rechnen?
Wenn das Segment internationaler Gäste mit tendenziell höherem Ausgabenprofil ausbleibt, wirkt sich das unmittelbar etwa auf Exporterlöse oder Arbeitsplätze in der Dienstleistungsbranche aus. Immerhin verzeichnen die USA schon jetzt weniger Touristinnen und Touristen aus zehn der 20 wichtigsten Herkunftsländer. Dazu zählt auch Deutschland. Mit spürbarem Widerstand würde ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht rechnen.

Auch Australien und Israel – "Hard Border"-Staaten

Ist Ihnen ein Land bekannt, das mit ähnlichen Bestimmungen arbeitet, wie sie jetzt in den USA kommen sollen?
Sogenannte "Hard Border"-Staaten sind zum Beispiel Australien oder Israel, jedoch insgesamt aus anderen Gründen als die USA. Trotzdem sind sowohl Israel als auch Australien wunderbare Reiseländer, für die das Wohl ihrer Gäste ein äußerst hohes Gut ist.

Bei der Einreise in die USA sollen bald verschärfte Regeln gelten.
Bei der Einreise in die USA sollen bald verschärfte Regeln gelten. © Yuki Iwamura/FR171758 AP/dpa

Frage an Sie persönlich: Würden Sie noch freiwillig in die USA reisen, wenn die angedrohten Verschärfungen in Kraft sind?
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlich schon, ich würde allerdings konkret wissen wollen, worauf die USA bei meiner Einreise achten würden und mit welchen Konsequenzen ich unter Umständen rechnen müsste.

Was bei Reisen in die USA künftig abgefragt wird

Deutsche und Bürger einer Reihe weiterer Staaten müssen für Reisen in die USA künftig ihre Online-Aktivitäten über fünf Jahre offenlegen. Das sieht eine Anordnung des US-Heimatschutzministeriums vor, die im Dezember veröffentlicht worden war.

Demnach sind Touristen verpflichtet, "ihre Sozialen Medien der vergangenen fünf Jahre vorzulegen". Gemeint sind offenbar Nutzerkonten bei Plattformen wie X, Facebook oder Instagram, wie sie bereits bei Visa-Bewerbungen abgefragt werden. Auch deutlich umfangreichere persönliche Daten werden in Zukunft abgefragt. Dazu gehören alle Telefonnummern des Reisenden der vergangenen fünf Jahre sowie sämtliche E-Mail-Adressen der vergangenen zehn Jahre.

Darüber hinaus werden detaillierte Angaben zu Familienmitgliedern verlangt. Dazu zählen Geburtsdaten, Anschriften sowie Telefonnummern. Wann die Neuregelung in Kraft tritt, ist unklar. Womöglich ist es bereits am Montag, 9 Februar soweit. In der Anordnung des US-Heimatschutzministeriums vom 10. Dezember war von einer 60-tägigen Einspruchsfrist die Rede, die am Sonntag, den 8. Februar ausgelaufen ist.
Die Regierung von Präsident Donald Trump begründet die verschärften Auflagen mit dem Schutz der USA "vor ausländischen Terroristen und anderen Bedrohungen der nationalen Sicherheit". Sie hatte aus diesem Grund bereits die Visa-Auflagen für Studierende oder Facharbeiter verschärft.

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