Trump braucht ein neues Sprachrohr: Karoline Leavitt geht
Sie war das Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump. Mit nicht einmal 30 Jahren rückte Karoline Leavitt als jüngste Präsidenten-Sprecherin überhaupt auf eine der wichtigsten Positionen im Weißen Haus – und prägte den Ton von Trumps erratischer Politik. Überraschend hört Leavitt, die als stramme Loyalistin des Präsidenten gilt, nun zum Monatsende auf.
Trump muss jetzt eine neue Sprecherin oder einen neuen Sprecher finden, der oder die mit ihrer Schlagfertigkeit mithalten kann. Mit ihrer Scharfzüngigkeit wurde die 28-Jährige weltweit bekannt. Wenn Leavitt ihre wöchentliche Pressekonferenz im Weißen Haus abhielt, konnte die Stimmung schnell frostig werden. Sie veränderte dann von einem Moment auf den anderen ihren Gesichtsausdruck, wurde knapp. Sie rügte Medien. Beschuldigte sie, Fake News zu verbreiten.
Leavitt wich öffentlich kaum von Trumps Seite. Er lobte sie immer wieder für ihre Arbeit. Eisern verteidigte sie seine rigide Politik und wischte Fragen etwa zum Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vom Tisch - sie versuchte, den Präsidenten so von unangenehmen Themen weit wegzuhalten. Brodelte es hinter den Kulissen, sprach sie mantraartig von der erfolgreichen Arbeit ihres Chefs.
Umgang mit Medien hat sich unter Leavitt geändert
Leavitt – eine gläubige Christin – baute den rigiden Kommunikationsstil im Weißen Haus immer weiter aus. In der Ära Trump stehen Medien unter dem Dauerfeuer einer Regierung, die das Narrativ von Falschnachrichten der klassischen Medien setzt. Wohlwollende Berichterstattung wird dagegen ausdrücklich gelobt. So hat Leavitt etwa einen Platz für sogenannte neue Medien geschaffen - häufig handelt es sich dabei um rechte Influencer. Jedes Mal darf ein anderes vom Weißen Haus handverlesenes Medium in ihrer Pressekonferenz die erste Frage stellen. Bei den vermeintlichen Fragen handelt es sich dann meist um wie bestellt wirkende Lobhudelei.
Lob von Trump: War echte Führungspersönlichkeit im Weißen Haus
Trump verkündete Leavitts Abgang auf Truth Social und begründete ihn damit, dass die junge Frau dann mehr Zeit für die Familie haben würde. Leavitt habe sich für diesen Schritt entschieden, den er "voll und ganz" verstehe und respektiere, schrieb er. Ob das der wahre Grund ist, blieb zunächst unklar.
Zumindest soll es aber offiziell weiter eine Verbindung zwischen Trump und Leavitt geben. Sie werde nun zu einer seiner "wichtigsten externen Beraterinnen und eine einflussreiche Stimme" innerhalb der republikanischen Partei, teilte Trump mit. Der Präsident lobte sie als eine der besten Pressesprecherinnen in der Geschichte des Weißen Hauses. "Karoline war eine echte Führungspersönlichkeit im Weißen Haus", schrieb er.
Leavitt brachte Anfang Mai ihr zweites Kind zur Welt: eine Tochter. Sie hat mit ihrem Ehemann – dem mehr als 30 Jahre älteren und reichen Immobilienunternehmer Nicholas Riccio – bereits einen kleinen Sohn, der 2024 zur Welt kam. Nach der Geburt der Tochter kehrte Leavitt zunächst als Sprecherin zurück.
Leavitt: Arbeit war "Ehre und das Abenteuer meines Lebens"
Leavitt selbst bedankte sich auf X überschwänglich bei Trump für all die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die er ihr geboten habe. "In den vergangenen anderthalb Jahren als Pressesprecherin des Weißen Hauses zu arbeiten, war für mich die Ehre und das Abenteuer meines Lebens."
Mutter zu sein und ein weiteres Kind zu bekommen, während sie einen der anspruchsvollsten Jobs der Welt ausgeübt habe, sei erfüllend gewesen, schrieb sie, aber auch die herausforderndste Zeit ihres Lebens. "Die Wahrheit ist: Seit meiner Rückkehr ins Weiße Haus nach der Geburt meiner Tochter habe ich in meinem Herzen gespürt, dass ich nicht die beste Mutter sein kann, die meine beiden kleinen Kinder verdienen, wenn ich konstant die Zeit, Energie und Aufmerksamkeit aufwende, die das Amt der Pressesprecherin des Weißen Hauses erfordert". Daher habe sie letztendlich die "bittersüße Entscheidung" getroffen, das Weiße Haus zu verlassen.
Eine der loyalsten Unterstützerinnen Trumps
Der wohl eindrücklichste Beweis für Leavitts Loyalität zu Trump zeigte sich am Tag des Attentatsversuchs auf den Republikaner in Butler, Pennsylvania, im Sommer 2024. Leavitt arbeitete während des Wahlkampfs in Trumps Team, nur drei Tage vor dem Attentat brachte sie ihren Sohn zur Welt.
Ihren kurzen Mutterschutz beendete sie daraufhin umgehend. Trump habe buchstäblich sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diese Wahl zu gewinnen, sagte sie dem Online-Magazin "The Conservateur". "Das Mindeste, was ich tun konnte, war, schnell wieder an die Arbeit zu gehen."
Schneller Aufstieg in der Politik
Leavitt wurde 1997 im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Sie studierte an einer privaten katholischen Universität in ihrem Heimatbundesstaat Politik und Kommunikation. Obwohl sie einst Journalistin werden wollte, führte ihr Weg sie schnell in die Politik: Während Trumps erster Amtszeit beantwortete sie zunächst Bürgerbriefe im Weißen Haus, wechselte dann in die Presseabteilung und arbeitete unter Trumps damaliger Sprecherin Kayleigh McEnany.
Nach Trumps Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020 arbeitete Leavitt für das Büro der Abgeordneten Elise Stefanik. Schließlich versuchte sich Leavitt selbst als Politikerin und bewarb sich 2022 um einen Sitz im Repräsentantenhaus - allerdings ohne Erfolg.
Nach ihrer Zeit als Pressesprecherin im Weißen Haus will sich Leavitt eigenen Angaben zufolge weiter für die Republikaner einsetzen. In ihrem Abschiedspost bei X bekräftigte sie die häufig von Republikanern vorgebrachte Darstellung, dass von den Demokraten eine "existenzielle Bedrohung" für das Land ausgehe. "Mein Kampf tritt in eine neue Phase ein, aber er ist noch lange nicht vorbei."
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de
- Themen:
- Donald Trump
- Weißes Haus
