Top-Vermittler des BND Gerhard Conrad: Deutscher James Bond geht in Ruhestand

Als einer der wohl erfolgreichsten BND-Mitarbeiter kann Gerhard Conrad über die Mythen, die sich um Agenten ranken, nur schmunzeln. Jetzt darf er auch darüber sprechen.
| Ansgar Haase
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Mit Gerhard Conrad geht einer der bekanntesten deutschen Geheimdienstler in den Ruhestand.
Soeren Stache/dpa Mit Gerhard Conrad geht einer der bekanntesten deutschen Geheimdienstler in den Ruhestand.

"Deutscher James Bond", "legendärer Agent" oder "Mr. Hisbollah": Wer Spionageromane mag und im Internet Informationen über Gerhard Conrad sucht, ist innerhalb kürzester Zeit gefesselt. Gesicherte Informationen über den Chef des nachrichtendienstlichen Lage- und Auswertungszentrums der EU (Intcen) gibt es kaum, dafür aber reichlich Mythen und Heldengeschichten.

"Es ist nicht einmal klar, ob Gerhard Conrad sein richtiger Name ist oder ein Pseudonym", schrieb zum Beispiel der britische "Telegraph" Ende 2015 zum Amtsantritt des Deutschen in Brüssel.

Gerhard Conrad geht in den Ruhestand 

Gesichert ist allerdings, dass Conrads Karriere als aktiver Nachrichtendienstler nun zu Ende geht. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Tätigkeit für den deutschen Auslandsnachrichtendienst und zuletzt dreieinhalb Jahren an der Spitze des EU-Direktorats Intcen wird der Deutsche in Kürze a.D. - außer Dienst - sein.

Conrad will sich dann in erster Linie der Lehre und Forschung widmen. Am BND-Standort in Berlin wird der promovierte Islamwissenschaftler als Gastdozent im neuen Master-Studiengang "Intelligence and Security Studies" aktiv sein. Über diesen soll in Deutschland künftig die professionelle akademische Ausbildung von Nachrichtendienstmitarbeitern des Bundes und der Länder gewährleistet werden.

Ein für Conrad angenehmer Nebeneffekt des bevorstehenden Ruhestandes: Er kann erstmals etwas offener über seine Laufbahn reden.

Spezialgebiet: Vermittlungstätigkeiten im Nahost-Konflikt

Wer ihn heute kennenlernt, trifft einen Mann mit heiterem und einnehmendem Wesen, der heiklen Fragen geschickt auszuweichen weiß, ansonsten aber gerne erzählt. So bestätigt er im Gespräch, dass er in den 80er Jahren erst einmal im Bundesverteidigungsministerium als Regionalexperte und Lagereferent tätig war, bevor er vom BND angeworben wurde.

Zu Conrads Spezialgebiet wurden Vermittlungstätigkeiten im Nahost-Konflikt. Von 2002 bis 2004 wirkte der fließend Arabisch sprechende Nachrichtendienstler in einem kleinen hochrangigen BND-Verhandlungsteam maßgeblich an der Konzeption und Aushandlung eines umfangreichen Gefangenenaustauschs zwischen der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah und Israel mit. Zuletzt wirkte er ab 2009 in geheimer Pendeldiplomatie zwischen Tel Aviv und Gaza maßgeblich daran mit, dass 2011 der israelische Soldat Gilad Schalit im Austausch gegen mehr als 1000 Palästinenser freikam.

Top-Vermittler des BND - Vergleiche mit James Bond

Der langjährige BND-Präsident Gerhard Schindler schreibt, mit Conrad habe der BND "einen überaus erfolgreichen Konfliktmoderator" gehabt. BND-Mitarbeiter im Ausland müssten "kluge Leute" sein, die eben nicht wie James Bond verbrannte Erde hinterlassen.

Apropos Bond: Mit diesem Vergleich kann der in Freiburg geborene Conrad ebenso wenig anfangen wie sein früherer Chef - auch wenn er wie der "Agent seiner Majestät" stets gut gekleidet, smart und sprachgewandt ist. Er sei im Job nie in akuter Lebensgefahr gewesen, erzählt der knapp 65-Jährige - nicht ohne mit einem Schmunzeln auf die wesentlich präsenteren Risiken im täglichen Straßenverkehr hinzuweisen.

 

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