Titel entzogen: Schavan bietet offene Flanke

Die Politikredakteurin Annette Zoch schreibt über das Plagiatsverfahren um Annette Schavan
| Annette Zoch
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Natürlich ist der Fall von Annette Schavan ein tragischer. Ausgerechnet sie, die damals als erste hochrangige Unionspolitikerin gesagt hatte, sie schäme sich nicht nur heimlich für Karl-Theodor zu Guttenberg, steht jetzt vor dem gleichen Scherbenhaufen. Und nicht nur das: Bleibt es beim Titel-Entzug, hat sie gleichzeitig auch keinen Hochschulabschluss mehr – denn sie hat damals mit der so genannten grundständigen Promotion abgeschlossen, die Diplom oder Examen ersetzt.

Der Fall mag inhaltlich anderes gelagert sein, die Fehler und Plagiate nicht ganz so eindeutig und in ihrer Masse nicht so erdrückend wie bei ihrem jungen Ex-Kollegen. Doch der Schaden fürs Kabinett Merkel ist ähnlich verheerend, wenn nicht noch schlimmer:

Kurz vor der Bundestagswahl bietet eine der engsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel monatelang eine offene Flanke. Und Annette Schavan ist eben auch nicht irgendeine Ministerin, die ihren Doktortitel verliert, sondern ausgerechnet die Bildungsministerin. Deren Hauptaufgabe es ist, sich um Universitäten, Bildungseinrichtungen, den Wissenschaftsstandort Deutschland zu kümmern.

Die ersten vorsichtigen Distanzierungen sind in der Union schon zu erkennen: Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert Schavan dazu auf, sich nach ihrer Rückkehr aus Südafrika zu erklären. Diese Personalie wird Merkel womöglich wirklich schmerzen, aber am Ende hat sie keine Wahl: Sie wird ihrer Freundin den Rücktritt nahelegen.

 

 

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