Testpläne für Rückkehrer aus Risikogebieten unklar

Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen sich an Flughäfen verpflichtend auf das Coronavirus testen lassen. Das wollen die Gesundheitsminister morgen beschließen. Doch die Pläne werfen viele Fragen auf - und lösen Kritik aus.
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An den Test-Plänen für Rückkehrer aus Risikogebieten gibt es viel Kritik.
Markus Scholz/dpa/dpa An den Test-Plänen für Rückkehrer aus Risikogebieten gibt es viel Kritik.

Frankfurt/Berlin - Die Pläne der Landesgesundheitsminister, Reiserückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend auf das Coronavirus zu testen, werfen bei Medizinern und Flughafenbetreibern Fragen auf.

Man stehe zwar "bereit, alles umzusetzen, was hilft und behördlich umzusetzen ist", sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport heute. Zunächst müsse man aber die genauen Vorgaben der Behörden abwarten. Auch in München seien die Betreiber in Gesprächen, es müsse aber noch vieles geklärt werden. "Wir unterstützen das natürlich", sagte ein Sprecher des Airports. Dabei gehe es aber in erster Linie um Räumlichkeiten. Die Umsetzung müsse von staatlicher Seite erfolgen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich gestern grundsätzlich drauf verständigt, dass Reisende aus Risikogebieten im Ausland künftig unmittelbar nach ihrer Rückkehr in Deutschland auf das Coronavirus getestet werden sollen. Dazu sollen an Flughäfen Teststellen eingerichtet werden. Am Freitag wollen die Minister weitere Details besprechen und ein Gesamtpaket beschließen.

Die Tests sollen verpflichtend sein. Bisher müssen Menschen, die aus stark vom Coronavirus betroffenen Staaten zurückkehren, in Deutschland zunächst 14 Tage in häusliche Quarantäne. Ob sie das tatsächlich immer tun, ist aber zweifelhaft. Deshalb will die Politik hier nachjustieren. Keine Quarantänepflicht gilt dagegen für Einreisende aus fast allen EU-Staaten mit Ausnahme von Luxemburg und einigen anderen europäischen Ländern.

Es ist deshalb fraglich, wie viele Menschen von der neuen Regelung überhaupt betroffen sein werden. Weltweit stuft das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit zwar den größten Teil der Staaten als Corona-Risikogebiet ein, darunter etwa die USA, Brasilien, Indien und Türkei. Da aber Reisen aus Deutschland zum Beispiel in die Vereinigten Staaten wegen Einreisebeschränkungen nur für wenige Menschen möglich sind, gibt es auch kaum Rückkehrer von dort.

Momentan sind viele Deutsche etwa in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland im Urlaub. Diese Länder sind kein Risikogebiet, wenngleich auch dort eine Ansteckungsgefahr mit Sars-CoV-2 besteht.

So wurde heute etwa der Fall einer vierköpfigen Familie aus Cottbus bekannt, die nach ihrem Urlaub auf Mallorca positiv auf Corona getestet wurde. Zuletzt hatten ungezügelte Partys von Urlaubern ohne Maske und Abstand auf der Insel für Schlagzeilen gesorgt und auch die Politik aufgeschreckt.

Kritik an den Plänen der Verkehrsminister kam von einem Mediziner in Berlin: "Fachlich ist das überhaupt nicht nachvollziehbar", sagte Patrick Larscheid, der als Amtsarzt für den Bezirk Reinickendorf zuständig ist, in dem der Flughafen Tegel liegt. Die angestrebten Tests seien eine Momentaufnahme. Theoretisch müssten die Menschen über Tage und Wochen mehrfach getestet werden.

Eine große Frage sei zudem, wie mit Auto-, Bahn- und Schiffsreisenden umgegangen werde, meint ferner der Sprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse. "Bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten geht es nicht nur um den Flugverkehr." Eine Sprecherin der Deutschen Bahn betonte auf Anfrage, derzeit führen generell keine Züge aus Risikogebieten nach Deutschland.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält es derweil für unzureichend, nur Flugreisende auf das Coronavirus zu testen. Im Gespräch mit dem ARD-Nachrichtenkanal "tagesschau24" sagte er, man müsse Reiserückkehrer allgemein auffordern, sich Tests zu unterziehen. Diese sollten bequem und kostenlos sein. Zudem sei es nötig, auch Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten zu testen. "Ich persönlich würde auch die anderen testen, weil wir wissen, dass mittlerweile in den Nicht-Risikogebieten, zum Beispiel in europäischen Feierhochburgen Mallorca, aber nicht nur dort, Verhalten beobachtet wird, das ein hohes Risiko mit sich bringt", sagte Lauterbach. "Daher können die Nicht-Risikogebiet möglicherweise gefährlicher sein als die Risikogebiete."

© dpa-infocom, dpa:200723-99-900748/3

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