Terror in Frankreich: Terror-Anschlag in Straßburg: Polizei fahndet mit Foto nach Attentäter von Straßburg - Politik - Abendzeitung München

Anschlag nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt. Es gibt Tote und Verletzte. Der Täter ist noch auf der Flucht. Ein Fahndungsfoto geht raus.
| dpa
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Höchste Alarmbereitschaft: Einsatzkräfte riegeln die Straßburger Innenstadt ab.
Höchste Alarmbereitschaft: Einsatzkräfte riegeln die Straßburger Innenstadt ab. © imago/PanoramiC

Wieder Terror in Frankreich. Ein Attentäter schießt im Zentrum von Straßburg unweit des malerischen Weihnachtsmarktes um sich. Es gibt Tote und Verletzte. Ein Fahndungsfoto geht raus. 

Straßburg - Nach dem Terroranschlag in Straßburg hat die französische Polizei ein Fahndungsfoto des Attentäters samt Täterbeschreibung veröffentlicht. Auch süddeutsche Bundespolizei-Stationen, das Bundeskriminalamt und die Schweizer Bundespolizei verbreiteten am Mittwochabend auf Twitter den Aufruf der Police National. Die Polizei sucht Zeugen.

In dem Aufruf heißt es: "Der Mann ist gefährlich, bitte nicht selbst eingreifen". Der Gesuchte sei 29 Jahre alt, 1,80 Meter groß, habe kurze Haare, sei vielleicht Bartträger und habe eine Narbe auf der Stirn. Die Bundespolizei Baden-Württemberg twitterte am Abend: "Unsere Einsatzmaßnahmen nach der Attacke in #Straßburg werden auch über die Nacht andauern."

 


Cherif Chekatt, der flüchtige, mutmaßlich islamistische Attentäter vom Weihnachtsmarkt in Straßburg. Foto: Uncredited/FRENCH POLICE/AP/dpa 


Die Schweizer Bundespolizei schrieb per Twitter, die nördliche Grenze werde stärker kontrolliert. Der polizeibekannte Gefährder Chérif Chekatt hatte am Dienstagabend das Feuer in der Straßenburger Innenstadt eröffnet. Zwei Menschen wurden getötet, ein Opfer gilt als hirntot, zwölf Menschen wurden verletzt.

 

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Der bekannte Weihnachtsmarkt soll auch an diesem Donnerstag geschlossen bleiben. Der örtliche Präfekt habe festgestellt, dass die Sicherheitsbedingungen bisher nicht erfüllt seien, denn der Tatverdächtige sei noch nicht gefasst. Das sagte Straßburgs Bürgermeister Roland Ries im Nachrichtensender BFMTV.

Das kulturelle Leben mit Konzerten und anderen Veranstaltungen solle - soweit wie möglich - wieder laufen. Der Weihnachtsmarkt, eine bekannte Touristenattraktion, war bereits am Mittwoch geschlossen. Bei dem Terroranschlag eines 29-jährigen Straßburgers waren am Dienstagabend zwei Menschen getötet worden. Ein weiteres Opfer ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft hirntot.

Anschlag in Straßburg: Angela Merkel kondoliert

Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte Frankreich ihre Anteilnahme aus. Der Angriff habe sie tief erschüttert, schrieb sie in einem Kondolenztelegramm an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dessen Text das Bundespresseamt am Mittwochabend veröffentlichte.

 

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"Wir trauern um die Menschen, die so jäh aus dem Leben gerissen wurden, und sind mit unseren Gedanken bei den Verletzten und den Angehörigen der Opfer." Im Namen der Bundesregierung spreche sie dem französischen Volk "unser tief empfundenes Mitgefühl aus". Deutschland stehe "in diesen schweren Stunden" fest an der Seite Frankreichs.

Anschlag in Straßburg: Großfahndung läuft

Nach dem tödlichen Terroranschlag in Straßburg fahndet die Polizei mit einem Großaufgebot nach dem geflüchteten Täter. Der 29-jährige Mann schoss am Dienstagabend am Rande des Weihnachtsmarkts um sich, wie Frankreichs Innenminister Christophe Castaner am frühen Mittwochmorgen mitteilte. Zwölf Menschen wurden nach seinen Angaben verletzt, sechs von ihnen sehr schwer. Der Täter war am Mittwochmorgen weiter auf der Flucht.

Der vermutlich radikalisierte Mann soll nach Medienberichten vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden sein. Nach Informationen des Senders "France Info" entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte. Etwa 350 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, sagte Innenminister Castaner.

Polizisten stehen vor dem Eingang zum Straßburger Weihnachtsmarkt.
Polizisten stehen vor dem Eingang zum Straßburger Weihnachtsmarkt. © imago/PanoramiC

Ist der Täter in Deutschland?

Straßburgs Bürgermeister Roland Ries bestätigte am Morgen im Radiosender Europe 1, dass der mutmaßliche Täter immer noch gesucht werde. Auf die Frage, ob der Mann ins benachbarte Deutschland geflüchtet sein könnte, antwortetet Ries: "Die Grenze ist im Prinzip geschlossen." Es sei aber alles möglich, falls der Tatverdächtige ein Auto habe. Die Bundespolizei erklärte, es gebe Kontrollen an vier Grenzübergängen nach Frankreich.

Bürgermeister Ries sagt, für die Stadt beginne ein Tag der Trauer. Der Weihnachtsmarkt werde geschlossen bleiben. Die drei Opfer des Mannes seien brutal getötet worden.

Höchste Sicherheitswarnstufe

Frankreich ist in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von islamistisch motivierten Terroranschlägen geworden, die fast 250 Menschen das Leben kosteten. Auch diesmal übernahmen wieder Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten. Castaner war in der Nacht in Straßburg eingetroffen.

Frankreichs Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Das bedeute verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes, erläuterte Castaner. Auch Weihnachtsmärkte würden stärker kontrolliert. Der mutmaßliche Täter sei bereits wegen Delikten in Frankreich und Deutschland verurteilt worden, sagte Castaner.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt ist auch bei Deutschen beliebt

Unter den bei dem Attentat getöteten ist ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand, wie das Außenministerium in Bangkok bestätigte. Er sei zusammen mit seiner Frau zu einem Urlaub in Frankreich gewesen. Das Paar war erst wenige Stunden zuvor eingetroffen. Die Frau blieb dem Ministerium zufolge unverletzt. Nach Medienberichten starb der Thailänder durch einen Schuss in den Kopf.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin bemühte sich um Informationen über Opfer in Straßburg, da der Weihnachtsmarkt auch bei Deutschen sehr beliebt ist.

Straßburger Innenstadt wurde großflächig abgeriegelt

Der Verdächtige hatte nach Angaben der Präfektur gegen 20 Uhr nahe dem Weihnachtsmarkt der Elsass-Metropole das Feuer eröffnet. Castaner beschrieb den genauen Tatort nicht näher und sagte lediglich, der Täter habe an drei verschiedenen Orten in der Stadt "Terror" verbreitet. Zwischen 20 und 21 Uhr habe er sich zweimal einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften im Patrouilleneinsatz geliefert.

Weite Teile der Straßburger Innenstadt wurden von Dienstagabend an über Stunden abgeriegelt. Menschen wurden dazu aufgerufen, die Innenstadt in Richtung Norden zu verlassen und nicht in Richtung des südöstlich gelegenen Stadtteils Neudorf zu gehen. Dort war nach dem flüchtigen Tatverdächtigen gefahndet worden. Die Polizei rief die Bürger dazu auf, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.

Täter sollte am Morgen der Tat verhaftet werden

Der mutmaßliche Täter hätte einem Medienbericht zufolge eigentlich schon am Dienstagmorgen verhaftet werden sollen. Wie France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war er jedoch nicht zu Hause. Demnach wird dem 29-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung Stunden vor den Schüssen sollen Granaten gefunden worden sein, wie France Info und die Zeitung "Le Parisien" berichteten.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron berief in Paris eine Krisensitzung ein. Er beriet sich am frühen Mittwochmorgen unter anderen mit Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly. "Solidarität der gesamten Nation für Straßburg, unsere Opfer und ihre Familien", schrieb Macron auf Twitter.

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Schulen bleiben am Mittwoch geschlossen

In Straßburg öffnen die kulturellen Einrichtungen der Stadt am Mittwoch nicht, wie es in einer Mitteilung der Stadt hieß. Der Unterricht sollte am Mittwoch an Grundschulen und Vorschulen ausgesetzt werden. Eltern wurde geraten, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wie die Präfektur mitteilte. An weiterführenden Schulen und Hochschulen sollte der Unterricht stattfinden.

Auch das Europaparlament in Straßburg wurde zwischenzeitlich abgeriegelt. Über Stunden hinweg durfte niemand das Gebäude verlassen, Mitarbeiter wurden per Handy-Kurznachricht und Mail gewarnt. Erst am frühen Mittwochmorgen durften sich Abgeordnete und Mitarbeiter auf den Heimweg machen.

Außenminster Heiko Maas twitterte am Morgen: "Wir sind tief erschüttert vom Anschlag in #Straßburg und verurteilen diese feige Tat. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Wir tun alles, um unseren französischen Freunden beizustehen." Regierungssprecher Steffen Seibert hatte sich auf Twitter "erschüttert über die schreckliche Nachricht" aus Straßburg gezeigt. "Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten."

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"Meine Gedanken sind bei den Opfern der Schießerei in Straßburg, die ich mit großer Entschiedenheit verurteile", schrieb EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf Twitter. Straßburg sei eine symbolische Stadt für den Frieden und die europäische Demokratie. "Werte, die wir immer verteidigen werden." Die EU-Kommission stehe an der Seite Frankreichs.

Am deutsch-französischen Grenzübergang kontrollierte die Polizei am Abend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren, wie eine dpa-Reporterin berichtete. "Wir verstärken (...) aktuell die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich", teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg auf Twitter mit. Später twitterte sie, dass der Verkehr einer grenzüberschreitenden Straßenbahn eingestellt worden sei. "Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich Kehl", hieß es weiter.

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Zusammen mit dem Weihnachtsmarkt in Dresden zählt der Straßburger Weihnachtsmarkt zu den ältesten Europas. Der "Christkindelsmärik" wurde 1570 erstmals erwähnt. Er sollte schon einmal Ziel eines Attentats sein: Im Jahr 2000 wurde ein geplanter Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe rechtzeitig verhindert.

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