Streng geheim: Wie lange reicht die Munition im Iran-Krieg?

In Zeiten des Krieges kommt es auch auf Zahlen an. Doch ausgerechnet die, die für den weiteren Verlauf des Krieges ausschlaggebend sein könnten, liegen im Verborgenen.
Arne Bänsch, Sara Lemel, Khang Mischke und Johannes Sadek, dpa |
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USA, Israel oder Iran: Wem geht als erstes die Munition aus? (Archivfoto)
USA, Israel oder Iran: Wem geht als erstes die Munition aus? (Archivfoto) © MSgt Sean M. Worrell/US Air Force/dpa
Washington/Tel Aviv/Teheran

Eine Woche Krieg, 3.000 Ziele attackiert - "und wir lassen nicht nach": Das US-Militär informiert auf der Plattform X mal wieder über den Krieg im Iran. Die Kurzbilanz zu den Angriffen, verknüpft mit der Drohung, ist eine Machtdemonstration. In Kriegszeiten kommt es auch auf Zahlen an. Während einige geradezu in die Öffentlichkeit posaunt werden, sind andere gut gehütete Geheimnisse: Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie groß das Waffenarsenal der einzelnen Kriegsparteien ist, weil kein Militär dazu offen Angaben macht. Wie es im Iran-Krieg weitergeht, hängt aber auch davon ab.

USA: Waffen an Orten, von denen viele nicht wissen

Seit Tagen wird in den USA die Frage diskutiert, wie lange der Krieg fortgesetzt werden kann, ohne Gefahr zu laufen, dass die Munitionsvorräte zuneige gehen. Der demokratische Senator Mark Kelly, Mitglied im Streitkräfte-Ausschuss, warnte, die USA hätten keinen "unbegrenzten Vorrat", wie CNN berichtete. 

Die Regierung weist derartige Sorgen zurück: Die USA verfügten über "mehr als genug Kapazitäten, um nicht nur den Einsatz "Gewaltiger Zorn" erfolgreich durchzuführen, sondern weit darüber hinauszugehen", behauptete Sprecherin Karoline Leavitt. Sie sprach von Waffenlagern an Orten, von denen viele Menschen nicht einmal etwas wüssten. US-Präsident Donald Trump verkündete, dass US-Rüstungsunternehmen zugestimmt hätten, die Produktion hoch entwickelter Waffen deutlich zu erhöhen. Details blieben unklar. 

Schon vor Beginn des Krieges hatte eine angebliche Warnung vor Risiken eines Iran-Einsatzes von US-Generalstabschef Dan Caine an Trump Schlagzeilen gemacht, bei der er auf Engpässe bei Waffensystemen verwiesen haben soll. Caine soll auf Herausforderungen bei jedem größeren Einsatz gegen den Iran verwiesen haben, weil die Waffenbestände durch die Unterstützung Israels im Gaza-Krieg und der Ukraine gegen Russland geschrumpft seien, hatte die "Washington Post" unter Berufung auf Insider berichtet.

Wie lange reichen Irans Bestände an Raketen und Kampfdrohnen?

Im Iran unterliegen die Bestände an ballistischen Raketen und Kampfdrohnen ebenfalls strenger Geheimhaltung. Medien, die den Revolutionsgarden nahestehen, berichten im Krieg lediglich über angebliche Erfolge. Seit Kriegsbeginn seien mehr als 500 ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie mindestens 2.000 Kampfdrohnen abgefeuert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. 

Nach Schätzungen einer konservativen US-Denkfabrik verfügten Irans Streitkräfte vor dem Krieg über rund 2.000 ballistische Mittelstreckenraketen sowie zwischen 6.000 und 8.000 Kurzstreckenraketen. Ein wesentlicher Teil soll abgefeuert oder zerstört worden sein, heißt es beim Jüdischen Institut für Nationale Sicherheitsangelegenheiten. Es schätzte den Bestand an Mittelstreckenraketen am Samstag auf 40 bis 340. Gut 75 Prozent der Abschussrampen sollen zerstört worden sein. Wie genau die Schätzung ist, ist unklar. Auch Beobachter am US-Institut für Kriegsstudien (ISW) gehen davon aus, dass viele Systeme zerstört sind, weil die Zahl der iranischen Raketenangriffe zurückgegangen sei. 

Golfstaaten möglicherweise vor heikler Abwägung

Doch der Iran greift auch mit Drohnen an. Bei der Abwehr müssen vor allem die Golfstaaten hoffen, dass ihnen nicht die Abwehrraketen ausgehen. Von den Hunderten Raketen und Drohnen, die etwa auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar zielten, drangen einige durch - auch wenn der größte Teil offenbar abgeschossen wurde. Setzt der Iran die Angriffe länger fort, müssen die Länder womöglich entscheiden, welche sie abwehren - also etwa die auf bewohnte und andere zivile Gegenden oder auf wichtige Öl- und Gasanlagen.

Details zur Flugabwehr, etwa die Zahl an einsetzbaren Patriot-Raketen, sind auch am Golf ein gut gehütetes Geheimnis. Es gibt aber Hinweise, dass die arabischen Länder bald Unterstützung brauchen könnten. Das britische Verteidigungsministerium teilte etwa mit, dass britische Kampfjets bei der Flugabwehr in Jordanien, im Irak und in Katar halfen.

Munitionsvorräte sind "Schlüsselfrage" des Konflikts

Genaue Zahlen gibt es natürlich auch für Israel nicht, das gerade wieder an mehreren Fronten kämpft - nach zwei Jahren Krieg im Gazastreifen. Das Verteidigungsministerium hat die großen Rüstungsunternehmen des Landes nach Kriegsbeginn angewiesen, die Produktion offensiver und defensiver Waffensysteme zu beschleunigen.

Der Iran-Experte Danny Citrinowicz hält die Frage, wem zuerst die Munition ausgeht, für die "Schlüsselfrage" des Konflikts. Er betont allerdings, dass aus israelischer Sicht die Abschussrampen im Iran deutlich wichtiger seien als die Zahl der Raketen. Denn ohne sie können auch keine Raketen abgefeuert werden. "Es ist klar, dass sie in dem Bereich erheblichen Schaden erlitten haben", erklärt Citrinowicz, der an der Denkfabrik Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv forscht. "Ich glaube aber nicht, dass wir die Zahl bis auf null reduzieren können." 

Citrinowicz hält es für möglich, dass die Iraner sich auf eine "zweite Phase" vorbereiten, an der sich neben der libanesischen Hisbollah auch die jemenitische Huthi-Miliz beteiligen könnte. Die Iraner könnten darauf bauen, "dass die Zahl unserer Abfangraketen so dramatisch niedrig sein wird, dass jede Rakete, die sie abfeuern werden, einen Effekt hat", meint der Experte. Er gehe davon aus, dass die iranische Führung möglicherweise Raketen spare, um später mit den Huthi Israels Verteidigungssysteme übermannen zu können.

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