Solar-Schock droht: Warum Photovoltaik jetzt deutlich teurer werden könnte

Wer mit dem Gedanken spielt, eine Solaranlage anzuschaffen, könnte schon bald deutlich mehr bezahlen. Die Preise für Photovoltaikmodule steigen wegen einer Maßnahme von China um rund zehn Prozent – und das ist nur der Anfang.
von  Maximilian Neumair
Solarmodule eines Balkonkraftwerks. Wer sich so eines demnächst anschaffen möchte, sollte nicht zu lange warten.
Solarmodule eines Balkonkraftwerks. Wer sich so eines demnächst anschaffen möchte, sollte nicht zu lange warten. © Jens Büttner/dpa

Mit einer eigenen Photovoltaikanlage weniger Strom bezahlen zu müssen, ist etwa durch die Verbreitung von Balkonkraftwerken einfacher als jemals zuvor. Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Solaranlage anzuschaffen, sollte jedoch nicht allzu lange warten, warnt das Münchner Unternehmen 1komma5grad, ein Energieversorger aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien.

Denn die Anlagen werden demzufolge teurer. Das hat mehrere Gründe: Zum einen schafft der weltweit wichtigste Lieferant China zum 1. April vollständig die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für Photovoltaikmodule ab. Bereits im vergangenen Dezember sank besagte Steuerrückerstattung von 13 auf neun Prozent.

Preise steigen um zehn Prozent wegen China

Jannik Schall, Mitgründer von 1komma5Grad, sagt dazu: "Allein die Abschaffung der Exportvergünstigungen wird den Modulpreis um rund zehn Prozent steigen lassen." Das trifft deutsche Verbraucher empfindlich, denn fast 90 Prozent der Solarmodule hierzulande stammen aus China.

Zum anderen bleiben die Preise wichtiger Rohstoffe für die Herstellung von Solarmodulen weiter auf einem hohen Niveau. Das für die Rahmen der Module wichtige Aluminium kostet derzeit rund 26 Prozent mehr als noch im Oktober vergangenen Jahres. Lithiumcarbonat, zentraler Grundstoff für Batterien, ist doppelt so teuer geworden.

Ein Solarfeld in China. 90 Prozent der Module in Deutschland kommen aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.
Ein Solarfeld in China. 90 Prozent der Module in Deutschland kommen aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. © imago stock&people (imago stock&people)

Und Silber, das für die elektrische Leitfähigkeit in Solarzellen gebraucht wird, kostet rund 80 Prozent mehr. Nur Polysilizium ist im Preis um 14 Prozent gefallen, kostet aber trotzdem etwa 37 Prozent mehr als noch im Sommer 2025.

Preisanstieg auf dem deutschen Markt erwartet

Die Industrie rechnet daher bei Solarmodulen, Stromspeichern und anderen elektrischen Komponenten mit spürbaren Zusatzkosten von 15 bis 20 Prozent. "Mittelfristig sind davon auch Privatkundinnen und -kunden betroffen", sagt Schall.

Noch sind in Deutschland die verteuerten Rohstoffkosten nicht in vollem Ausmaß zu spüren: Die Preise für Solarmodule sind bisher nur leicht gestiegen. Aber: "Sobald sich die politischen Maßnahmen, Produktionskürzungen und hohen Rohstoffpreise vollständig in den Lieferketten widerspiegeln, ist mit steigenden Preisen auf dem deutschen Markt zu rechnen", prognostiziert Schall.

2025 wurden laut Bundesverband Solarwirtschaft rund 30 Prozent weniger Solarstromanlagen im Eigenheimsegment errichtet als im Vorjahr. Seit 2020 ist aber die Gesamtzahl von 1,7 Millionen auf 4,1 Millionen gestiegen. 

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