So hetzen Rechte privat auf Facebook gegen Ausländer

Seit einiger Zeit bemüht sich Facebook – mit überschaubarem Erfolg – konsequenter gegen öffentliche Hetz-Postings vorzugehen. Die wirklich schlimmen Beiträge erscheinen jedoch nur in geschlossenen Gruppen.
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Nicht nur öffentlich lassen Rechtsradikale ihren rassistischen Gedanken freien Lauf - in geschlossenen Gruppen und Foren ist die Hetze sogar noch ungehaltener.
dpa (Symbolbild) Nicht nur öffentlich lassen Rechtsradikale ihren rassistischen Gedanken freien Lauf - in geschlossenen Gruppen und Foren ist die Hetze sogar noch ungehaltener.

Berlin – Eigentlich dachte man, dass man schon längst alles über Hasskommentare auf Facebook gehört hat. Doch eine Recherche des "Tagesspiegel" belegt jetzt, dass sich alle bisherigen Diskussionen nur um die Spitze des Eisbergs drehten. Denn gegen das, was Facebook-Nutzer in geschlossenen Gruppen posten, ist das was in öffentlichen Gruppen oder auf den Seiten von Zeitungen und Nachrichtenportalen geschrieben wird, verhältnismäßig harmlos.

Mit einem gefälschten Facebook-Profil hat sich Tagesspiegel-Autor Jan Werkener in den braunen Sumpf des sozialen Netzwerks begeben. Erst vergab er für AfD-Postings "Likes", dann freundete er sich mit Neonazis an und schließlich wurde er in die geheimen Facebook-Gruppen mit Namen wie "Die Runde", "Besinnung Deutsches Reich" oder "Armada Germania" eingeladen.

Was dort geschrieben wird, ist kaum zu ertragen. Die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes wird wegen ihrer palästinensischen Abstammung als "ekliger Mischling" und "Türkenschlampe" bezeichnet, für Flüchtlinge werden Begriffe wie "Viecher", "Brut", "genetischer Abfall" oder "Fäkalien" verwendet.

"Nicht retten, sondern verrecken lassen. Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem."

Doch es bleibt nicht bei Beleidigungen – auch vor Mordaufrufen und -ankündigungen schrecken die Gruppen-Mitglieder, die sich auf ihren öffentlichen Profilen meist als biedere Familienväter entpuppen, nicht zurück. Christian W. schreibt über Flüchtlinge: "Jedes Mal, wenn so ein Drecksack die Fresse aufmacht, mit dem Baseballschläger draufhauen." Detlef M. schlägt in die gleiche Kerbe und schlägt vor, die Flüchtlinge mit dem Auto zu überfahren, während Arne M. schreibt: "Ich würde sie abknallen." Dagegen ist Burkhard B. mit seiner Äußerung fast schon als gemäßigt einzustufen: "Schwänze ab, basta!"

Ertrinkt ein Flüchtling, bedauert man, dass es nur einen Todesfall gegeben hat: "Die sind doch sonst auch immer in Horden unterwegs." Über Kinder in Aleppo heißt es: "Nicht retten, sondern verrecken lassen. Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem." Und die Arbeit einer Helferin wird kommentiert: "Die hirngefickte Gutmenschin... Haben die nicht noch eine Kugel für dieses Dreckstück übrig?"

"Zwischen 20.000 und 35.000 IS-Kämpfer" in Deutschland?

Dass in dieser Szene auch Judenhass allgegenwärtig ist und sogar der Holocaust geleugnet wird ("Die sind in Arbeitslager gesteckt worden, wo man ihnen Kino und Swimmingpool zur Verfügung stellte, und man spielte sogar fröhlich Fußball mit den Aufsehern."), überrascht da kaum noch.

Etwas weniger erwartbar ist die Theorie, dass die Terror-Miliz Islamischer Staat Deutschland längst mit "zwischen 20.000 und 35.000 IS-Kämpfer" unterwandert habe, die nur darauf warten loszuschlagen. Das hätte ein Offizier des Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr den rechten Verschwörern bestätigt. Dass das KSK gar nicht von einem General, sondern von einem Oberst geführt wird, es in der Befehlsstruktur der Elite-Einheit also gar keinen KSK-General gibt, scheint man in diesen Kreisen nicht zu wissen.

Stattdessen deutet man alle Entwicklungen rund um den IS so um, dass sie in die eigene Verschwörungstheorie passen. Wenn der IS also im Nahen Osten eine Niederlage nach der anderen hinnehmen muss, dass ist das ja nur logisch, "weil der IS nach und nach seine Leute abzieht und nach Deutschland bringt."

Fast ebenso unvorstellbar wie diese antisemitische und rassistische Parallelgesellschaft an sich ist auch deren Weltbild. Dass jemand behauptet, Türken seien "dreckige Kanaken-Wixxer, die in ihr Eselficker-Land zurückgehen" sollen, aber zugleich betont, dass diese Aussage ja "nicht heißen [soll], dass ich rechts bin", das macht wohl nur im rechten Facebook-Morast Sinn.

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