Sind Ekelfotos auf Zigarettenschachteln sinnvoll?

Notwendige Maßnahme oder Bevormundung? Ein Pro & Contra der AZ zu den geplanten Schockfotos auf Zigarettenschachteln.
| Timo Lokoschat, Tobias Wolf
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Die AZ-Redakteure Timo Lokoschat (l.) und Tobias Wolf über die Ekelbildchen auf den Zigarettenschachteln.
dpa/AZ Die AZ-Redakteure Timo Lokoschat (l.) und Tobias Wolf über die Ekelbildchen auf den Zigarettenschachteln.

Berlin - Raucher müssen sich vom kommenden Frühjahr an auf Schockfotos und größere Warnhinweise auf Zigarettenschachteln einstellen. Von Mai 2016 an sollen zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Drehtabak-Verpackungen für kombinierte Warnbilder und aufklärende Texte reserviert sein - weit mehr als bisher schon. Einen entsprechenden Gesetzentwurf von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat das Bundeskabinett an diesem Mittwoch in Berlin beschlossen. Darüber kann man geteilter Meinung sein - wie auch die AZ-Redaktion. Zwei Positionen:

AZ-Redakteur Tobias Wolf ist für die Schockbilder:

Jeder Einzelne zählt

Vor wenigen Jahren gingen Schockvideos aus Hühnermastställen und anderen tierquälenden Betrieben um die Welt. Mittlerweile sind Bio-Produkte am boomen. Ob ein Zusammenhang besteht? Gewiss kein direkter. Aber jeder, der durch verwesende Küken wachgerüttelt wurde und deshalb sein Konsumverhalten auch nur ein bisschen verändert hat, darf als Erfolg verbucht werden.

Nun sind es Schockbilder auf Zigarettenschachteln. Für die Ekelfotos gilt das Gleiche. Sie mögen nicht das Allheilmittel im Kampf gegen das Rauchen sein. Doch wenn auch nur tausend Jugendliche in Deutschland das Qualmen deswegen seinlassen, hat sich die neue Tabakrichtlinie bereits gelohnt.

Wie so oft bei anderen Vorschriften gilt bei den Schockfotos das Argument der Bevormundung nicht. Es ist kein Verbot. Auf den Verpackungen wird lediglich abgebildet sein, was auch drin ist.
 

AZ-Redakteur Timo Lokoschat ist gegen die Schockbilder:

Übertriebene Fürsorge

Vorab: Hier schreibt kein militanter Raucher, sondern ein überzeugter Nichtraucher – einer, der allerdings keine Lust hat, sich in seiner Freizeit Fotos von geteerten Lungen, Babys am Beatmungsgerät und unvollständigen Zahnreihen anzuschauen. Da ich mir meine Spezln nicht nach ihrem Gesundheitsbewusstsein aussuche, sehe ich die Bilder auf deren Schachteln dann nämlich gezwungenermaßen auch.

Ein weiteres Beispiel für die Bevormundung des Bürgers. Nichts gegen Nichtraucherschutz (ich genieße es, in rauchfreien Restaurants zu sitzen!), aber Zigarettenschachteln mit Ekelfotos zu tapezieren, schießt schon ein bisserl übers Ziel hinaus. Dass Rauchen schädlich ist, weiß inzwischen jeder – der Effekt dürfte sich in Grenzen halten.

Abgesehen davon müssten dann bitte auch auf Bierflaschen vergrößerte Lebern und Bröckerl lachende Wiesn-Besucher zu sehen sein – und auf Schoko-Weihnachtsmännern Menschen mit Adipositas, Grad 3.

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