Seehofer: „Auch ein alter Sack weiß, wie man verhandelt“

Seehofer lobt sich selbst, und in der CSU haben sich plötzlich alle wieder lieb. „Ich bin glücklich. Ich fühl' mich pudelwohl. Ich bin zufrieden." Herzschwäche? Schlechte Blutwerte? „Vergesst alles“, sagt er.
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Horst Seehofer lässt sich in der fensterlosen BMW-Welt als Sieger bei den Koalitionsverhandlungen feiern.
dpa Horst Seehofer lässt sich in der fensterlosen BMW-Welt als Sieger bei den Koalitionsverhandlungen feiern.

Seehofer lobt sich selbst, und in der CSU haben sich plötzlich alle wieder lieb. „Ich bin glücklich. Ich fühl' mich pudelwohl. Ich bin zufrieden." Herzschwäche? Schlechte Blutwerte? „Vergesst alles“, sagt er.

Lichtblicke zum Himmel nach all den Wochen im Tal der Tränen - so hat sich Horst Seehofer die Kulisse für seinen Triumph vorgestellt. Als Schauplatz wurde die gläserne BMW-Welt am Münchner Olympiapark ausgewählt. Damit die 192 Delegierten, die den Koalitionsvertrag absegnen müssen, gleich sehen, wie hoch Bäume wachsen können. Dann die Enttäuschung: Im fensterlosen Auditorium sieht die CSU nur schwarz. Seehofer zelebriert seinen Erfolg in einer Black Box.

Dabei kann der Parteichef es gar nicht erwarten, seinen Triumph auszukosten: Schon um 9.20 Uhr steht er vor der BMW-Welt. Erst um 10 Uhr trifft sich der CSU-Vorstand. Die Delegierten kommen um 13 Uhr. Der Koalitionsvertrag ist sein Meisterwerk, davon ist Seehofer überzeugt. „Was ich versprochen habe, ist auf Punkt und Komma gekommen", lobt er sich selbst. „Ich bin glücklich. Ich fühl' mich pudelwohl. Ich bin zufrieden." Herzschwäche? Schlechte Blutwerte? „Vergesst alles“, sagt er.

Wer ihn jetzt noch in Frage stellen will, wer noch fordert, er müsse sich ändern, bekommt eine gegen das Schienbein: „Ich bin der Horst Seehofer. Ich mutiere nicht zu einer neuen Person."

Schon gar nicht madig machen lassen will er sich seinen Erfolg von Wolfgang Schäuble, dem künftigen Kassenwart. Der hatte Sonntagabend gezweifelt, ob die versprochenen Steuersenkungen finanziert werden können. „Die sind vereinbart. Und die kommen 2011", sagt Seehofer.

An diesem Tag haben sich in der CSU alle lieb. Vor der Parteispitze wird der 60-Jährige morgens schon übermütig: „Auch ein alter Sack weiß, wie man Verhandlungen führt."

Im Bundeswehr-Jargon arbeitet er seine Versprechungen ab. Steuersenkung: „Vermelde: Haken dran erledigt." Ein Sofortprogramm für die Bauern: „Ich melde: Versprochen. Gehalten." Salbungsvoll feiert Edmund Stoiber seinen Zögling: „Der Koalitionsvertrag zeigt, dass Horst Seehofer das Berliner Podium perfekt beherrscht." Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder säuselt: „Eine Stärkung für Horst Seehofer." Vorgänger Erwin Huber erkennt an: „Seehofer ist gestärkt. Der Koalitionsvertrag ist ein Erfolg der CSU."

Nur einer übt Kritik: Konrad Weckerle, Chef der Senioren Union. „Die demographische Entwicklung kommt im Koalitionsvertrag nicht vor", schimpft er. Dabei wisse doch jeder, dass „uns ab 2015 die Arbeitskräfte ausgehen", dass deshalb bei den Gesundheitskosten für die Zukunft nicht mehr auf den Arbeitslohn gesetzt werden dürfe. Wütend wird er bei der Finanzierung des Koalitionsvertrags: „Da muss ich mich doch auch fragen, wie sollen die Jungen, die immer weniger werden, das alles bezahlen." Antwort darauf bekommt er an Seehofers Jubeltag nicht. Der Koalitionsvertrag wird einstimmig angenommen. Angela Böhm

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