Parlamentswahl in Indien: Zeichen stehen auf Wechsel
Neu Delhi - Fast 815 Millionen Menschen sollen ihre Stimme abgeben, das sind ungefähr 100 Millionen mehr als vor fünf Jahren. Die Wahlkommission und die Sicherheitskräfte, die alle 930 000 Wahllokale bewachen sollen, können das nicht an einem einzigen Tag stemmen. Deswegen wird an neun Tagen zwischen dem 7. April und dem 12. Mai abgestimmt, vier Tage später soll dann das Ergebnis verkündet werden.
Die Zeichen stehen auf Wechsel - in Umfragen liegt derzeit die oppositionelle hindu-nationalistische BJP vorn. Die Menschen in Indien sind unzufrieden mit der Regierung, denn die Wirtschaft schwächelt, die seit Jahren hohe Inflation lässt die Preise vor allem für Lebensmittel steigen. Dann geriet die Regierung auch noch durch zahlreiche Korruptionsskandale in Misskredit.
Premierminister Manmohan Singh (81) tritt nach zehn Jahren als Regierungschef nicht mehr an. Angeführt wird der Wahlkampf der derzeit regierenden Kongresspartei von Rahul Gandhi (43), einem Spross der mächtigen Nehru-Gandhi-Familie, die die Geschicke des Riesen-Reichs die meiste Zeit seit der Unabhängigkeit 1947 lenkte.
Alle Umfragen sehen derzeit die hindu-nationalistische BJP in Führung, die den charismatischen Narendra Modi ins Rennen schickt. Modi hat sich im Bundesstaat Gujarat einen Namen als Wirtschaftsförderer und effektiver Verwalter gemacht. Gegner werfen ihm aber vor, für ein Massaker im Jahr 2002 in Gujarat mitverantwortlich zu sein. Damals wurden mehr als 1000 Menschen ermordet, überwiegend Muslime. Allerdings befand kein Gericht Modi für schuldig.
Nach einer am Samstag vom Sender NDTV veröffentlichten von Hansa Research können die oppositionelle BJP und ihre Bündnispartner damit rechnen, 259 der 543 Sitze im Unterhaus zu erlangen. Zur Bildung einer Regierungskoalition sind 272 Sitze nötig. Die BJP geht davon aus, die Unterstützung lokaler Parteien zu erhalten.
Als völlig unberechenbar gilt das Abschneiden der jungen Antikorruptionspartei AAP. Ihr Anführer Arvind Kejriwal prangert unermüdlich die Verflechtung von Wirtschaft und Politik an. Außerdem werden die zahlreichen Regional- und Splitterparteien ein Wort mitreden können, weil ohne sie keine Mehrheit im Parlament zustande kommen dürfte.
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