Erneut Raketenangriffe auf Israel

Stundenlang bleibt es am Dienstagvormittag ungewohnt ruhig in Israel. Aus dem Gazastreifen werden keine Raketen abgefeuert. Doch dann gerät der Süden des Landes erneut unter schweren Beschuss.
| dpa
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Raketen werden aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert (Foto vom Montag).
Raketen werden aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert (Foto vom Montag). © Hatem Moussa/AP/dpa
Tel Aviv/Gaza

Bei neuen massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser auf israelische Ortschaften sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens zwei Menschen getötet worden. Mehrere weitere erlitten demnach am Dienstag zum Teil schwere Verletzungen.

Der Polizei zufolge handelte es sich bei den Toten um Thailänder. Bei einem Angriff im Grenzgebiet zum Gazastreifen sei ein Haus getroffen worden, in dem ausländische Arbeiter lebten.

In Folge des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen, den militante Palästinenser am Montag vergangener Woche begannen, sind in Israel bislang zwölf Menschen getötet worden, Hunderte weitere wurden verletzt. Das Gesundheitsministerium in Gaza bezifferte die Zahl der Getöteten bei israelischen Angriffen auf 213, unter ihnen 61 Kinder. Verletzt worden seien 1442 Menschen.

International wuchs die Besorgnis über die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern, die hohe Zahl ziviler Todesopfer und eine mögliche Ausweitung des Konflikts. US-Präsident Joe Biden erklärte seine Unterstützung für eine Waffenruhe. Er sieht sich zunehmendem Druck ausgesetzt, stärker für ein Ende der Gewalt einzutreten. In einer Mitteilung des Weißen Hauses blieb er allerdings hinter Forderungen nach einer sofortigen Waffenruhe auch aus seiner eigenen demokratischen Partei zurück. US-Außenminister Antony Blinken sagte am Dienstag bei einem Besuch in Island: "Unser Ziel bleibt es, den momentanen Kreislauf der Gewalt so schnell wie möglich zu beenden."

Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter. Dessen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Montag an, die Angriffe im Gazastreifen würden fortgesetzt. Es gehe darum, dass "Ruhe und Sicherheit für alle israelischen Bürger wiederhergestellt werden".

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron beriet mit seinem ägyptischen Kollegen Abdel Fattah al-Sisi und dem jordanischen König Abdullah II. über die Krise. Wie es aus Kreisen des Präsidialamtes in Paris hieß, sei eine rasche Waffenruhe Ziel der diplomatischen Initiative.

In der Diskussion um eine mögliche Rolle der EU in den Vermittlungsbemühungen zur Beendigung des Konflikts sprach sich Deutschlands Außenminister Heiko Maas für ein gemeinsames Engagement mit anderen Akteuren aus. "Ein Baustein, wie sich die EU einbringen kann, ist das Nahost-Quartett, welches nun wieder aktiv ist", sagte er mit Blick auf die Gruppe aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU.

Am Dienstagvormittag hatten militanten Palästinenser ihren Beschuss Israels zunächst für mehrere Stunden unterbrochen, bevor sie ihn vor allem auf den Süden des Landes fortsetzten. Unter Beschuss gerieten auch zwei Grenzübergänge, die unter anderem für Hilfslieferungen geöffnet wurden.

Nach Angaben des Militärs wurden bislang mehr als 3300 Raketen auf Israel abgefeuert. Dessen Luftwaffe griff nach eigenen Angaben unter anderem Häuser von Hamas-Kommandeuren im Gazastreifen an. In Ramallah im Westjordanland demonstrierten Tausende Palästinenser gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen.

Nach Angaben des israelischen Militärs wurden in der Nacht auch sechs Raketen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert. Sie seien aber alle auf libanesischem Boden niedergegangen.

Der jüngste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich unter anderem an Spannungen in Jerusalem entzündet. Zur Eskalation des Konflikts trugen unter anderem drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien im von Israel annektierten Ostteil Jerusalems bei; ebenso wie Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in der Altstadt von Jerusalem. Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam - und sie ist auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt.

© dpa-infocom, dpa:210518-99-642370/5

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