Nach Migrantenansturm: "Historischer" Königsbesuch in Ceuta

Zweieinhalb Monate nach dem beispiellosen Migrantenansturm ist Spaniens König Felipe VI. in die Nordafrika-Exklave Ceuta gereist. Gemeinsam mit Königin Letizia will er den knapp 85.000 Bewohnerinnen und Bewohnern den Rückhalt der Krone zeigen. Ende Juli waren nach verschiedenen Schätzungen bis zu 80.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta gelangt. Den Ansturm bezeichnete Felipe als "inakzeptable Verletzung einer spanischen und europäischen Grenze".
Tausende Menschen säumten nach Schätzung des staatlichen Fernsehsenders RTVE kurz nach der Ankunft die Straßen und bejubelten das Königspaar frenetisch. "Felipe, Felipe!" und "Viva España!" wurde skandiert. Der König und Letizia schüttelten etwa 20 Minuten lang zahlreiche Hände, spanische Fahnen wurden geschwenkt. RTVE bezeichnete den Besuch als "historisch".
Der letzte Besuch eines spanischen Staatsoberhaupts in Ceuta und der benachbarten Exklave Melilla liegt bereits knapp zwei Jahrzehnte zurück. 2007 waren der damalige König Juan Carlos I. und Königin Sofía dort. Felipe und Letizia wollen nun erstmals auch in Ceuta übernachten – ein Novum seit dem Ende der Franco-Diktatur Mitte der 1970er Jahre. Am Mittwoch wollen die Royals auch Melilla besuchen.
Lage in Ceuta inzwischen deutlich entspannt
Nach einem Empfang im Rathaus wollen die Monarchen in Ceuta unter anderem eine Schule besuchen und auf dem muslimischen Friedhof eine interreligiöse Gedenkfeier für jene Menschen abhalten, die am 30. und 31. Juli bei dem Versuch starben, über das Meer nach Ceuta zu gelangen. Mehr als 80 Tote wurden damals geborgen. Hilfsorganisationen gehen allerdings von einer deutlich höheren Zahl aus.
Seit dem Massenansturm hat sich die Lage in Ceuta inzwischen deutlich entspannt. Nach der Räumung der letzten provisorischen Lager an den Stränden halten sich Tausende Migranten in einem zeitweiligen Aufnahmezentrum im Hafengebiet auf. Viele hatten zuvor wochenlang unter schwierigen Bedingungen im Freien gelebt. Die meisten Ankömmlinge kehrten nach Angaben der Regierung in Madrid freiwillig nach Marokko zurück.
Die beiden spanischen Exklaven an der nordafrikanischen Küste werden auch von Marokko beansprucht. Die schwere Grenzkrise im Juli hatte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez unter Druck gesetzt und die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Madrid und Rabat zusätzlich belastet. Der Besuch der Monarchen unterstreicht Spaniens Anspruch auf Ceuta und Melilla.