Nach Canossa gehen – Kaiser werden

Fachleute diskutieren: Taugt Ex-Minister Guttenberg als Werbe-Ikone?
| Matthias Maus
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Wirbt unfreiwillig für die Nobel-Outdoor-Marke: KT zu Guttenberg
Mammut Wirbt unfreiwillig für die Nobel-Outdoor-Marke: KT zu Guttenberg

München - Ob er will oder nicht, Karl Theodor zu Guttenberg macht eine Zweitkarriere als Werbestar. Der Schweizer Outdoor-Ausrüster „Mammut“ hat die Neigung des Ex-Ministers zu schicker Funktionskleidung ausgenutzt. „Auch die besten Alpinisten kehren manchmal vor dem Gipfel um“, heißt es da.

Guttenberg war als Minister stets im Outdoor-Schick nach Afghanistan gereist, wo sich schneidige Bilder in Serie schießen ließen. Mit dieser Zweitverwertung allerdings konnte Gutti nicht rechnen, er wurde auch nicht gefragt: „Nein, er weiß davon nichts, er kriegt auch kein Geld“, sagt Mammut-Marketingleiter Christian Gisi dem „Stern“. Dort wird die Anzeige heute erscheinen, Sonntag stand sie in der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“. Das ist das Blatt, aus dessen Leitartikel Guttenberg für die Einleitung seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat.

„Ich hoffe, er schmunzelt über die Idee“, sagt Firmensprecher Harald Schreiber. Man habe die Anzeige juristisch prüfen lassen. Sie sei „weder beleidigend noch rufschädigend“, heißt es bei Mammut. Alternative Slogans wie: „Sollte das Klima noch frostiger werden: Wir haben auch Daunenjacken“ – oder: „Frau zu Guttenberg, wir versichern Ihnen, Ihr Mann trägt das Original“, erschienen den Mammut-Leuten als zu heiß. Hat Guttenberg nach seinem Rücktritt überhaupt noch Potenzial als Werbefigur? „Zur Zeit eher gar nicht“, sagt Bent Rosinski von der Hamburger Agentur Lukas, Lindemann, Rosinski, die unter anderem für Germanwings oder Ferrero kreativ ist. „Das ist ein nettes Scherzchen“, sagt der Werber, „kommt aber ein bisschen spät“.

Bei solchen Sachen müsse man schnell sein, man nennt es bei aktuellen Ereignissen „Trittbrett fahren“ . Zumindest mittelfristig muss Guttenberg auch aus Sicht der Werber „erstmal Ruhe geben,“ sagt Agenturchef Rosinksi: „Mindestens ein Jahr“ sei mit der Figur nichts mehr anzufangen: „Ich kann mir keine Firma vorstellen, die Guttenberg strategisch als Werbefigur für ihr Produkt buchen könnte. Ganz schwarz für Guttis Zukunft als Werbe-Figur sehen nicht alle. Guttenberg müsse „ein Jahr ins Abklingbecken“, sagt Marcel Loko, Kreativ-Chef der Agentur „Zum goldenen Hirschen“ (Nivea, Real-Märkte) zur AZ.

Danach müsse er „Buße tun, Reue zeigen“, sagt Loko, „so wie Ex-Bischöfin Margot Käßmann“. Dann sei alles möglich: „Wenn Guttenberg nach Canossa geht, dann kann er Kaiser werden.“

 

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