Metaller wollen bis zu 8 Prozent mehr

„Mehr Piepen für Strom und Mieten“ Die Gewerkschaft geht mit der höchsten Forderung seit 16 Jahren in die kommende Tarifrunde. Die Arbeitgeber halten das für „rückwärtsgewandt “.
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Will notfalls streiken lassen: Berthold Huber.
ap Will notfalls streiken lassen: Berthold Huber.

MÜNCHEN/FRANKFURT - „Mehr Piepen für Strom und Mieten“ Die Gewerkschaft geht mit der höchsten Forderung seit 16 Jahren in die kommende Tarifrunde. Die Arbeitgeber halten das für „rückwärtsgewandt “.

Da sag’ noch einer, Gewerkschafter seien keine Poeten. Für die laufende Tarifrunde hat die IG Metall auf ihrer Internet-Seite die Mitglieder zu einem Reimwettbewerb aufgerufen. In Versform geben sie das Motto für den Kampf um höhere Löhne aus. „Mehr Mäusle fürs Häusle“ steht da. Oder: „Mehr Piepen für Strom und Mieten.“

Der blumigen Dichtkunst ließ die Gewerkschafts-Spitze gestern nüchterne Zahlen folgen: Sieben bis acht Prozent mehr Lohn will sie für ihre 3,6 Millionen Beschäftigten – die höchste Forderung seit 16 Jahren. Als Begründung nannte IG-Metallchef Berthold Huber Preissteigerungen und einen „Gerechtigkeitsausgleich“: Managergehälter und Firmengewinne seien stark gestiegen, während die Arbeiter nicht am Aufschwung teilhätten

„Deutlich zu hoch“

Die Friedenspflicht in der Metallindustrie endet am 31. Oktober – und ein Arbeitskampf ist wahrscheinlich. Denn für die Arbeitgeber ist die Forderung „deutlich zu hoch“, so Bayerns Metall-Arbeitgeber-Chef Betram Brossardt. Hintergrund ist die schwächer werdende Konjunktur. „Wir kommen mit unserer Lohnrunde in den Wirtschaftsabschwung hinein“, meint der Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Seine Schmerzgrenze: drei Prozent.

Noch aber läuft es gut in den Betrieben. „Die Beschäftigten klopfen massenhaft Überstunden“, so Bayerns IG-Metall-Sprecher Matthias Jena. „Die Erwartungshaltung der Kollegen an die Lohnrunde ist entsprechend hoch.“ 2007 hatten die Metaller 6,5 Prozent gefordert. Bekommen haben sie 4,1 Prozent – und einen Nachschlag von 1,7 Prozent ab Juni 2008. Auch diesmal werde „Forderung nicht identisch mit dem Abschluss“ sein, weiß Jena. „Aber es muss mehr rausspringen als beim letzten Mal.“

Brossardt: „rückwärtsgewandt“

Damit lägen die Metaller im Trend. Im Bundesschnitt lagen die Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2008 deutlich über denen von 2007. Besonders hoch fiel das Plus mit 5,2 Prozent in der Stahlbranche aus. Die Metaller wollen da nicht nachstehen – zumal die Branche als Schlüsselindustrie bei den Lohnabschlüssen gilt.

Bayerns Arbeitgeber-Chef Brossardt hält das für „rückwärtsgewandt“. Der Abschluss müsse das Jahr 2009 abbilden – und da werde die Konjunktur deutlich schwächer. Brossardt rechnet daher mit einer „sehr schwierigen Tarifrunde“. Und auch Gewerkschafter Jena glaubt: „Das wird sehr, sehr hart.“ aja

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