"Manchmal sind wir nur zweiter Sieger"

Der Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, spricht über die Herausforderung des G7-Gipfels für die Polizei
| Rudi Wais
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Die Sicherheitsmaßnahmen vor dem kommenden G7-Gipfel in Elmau sind "enorm". Jede Person, die sich für den Zutritt zu einem der Sicherheitsbereiche akkreditiert hat, wird überprüft. Die Bundesregierung schätzt diese Zahl auf rund 10 000.
dpa Die Sicherheitsmaßnahmen vor dem kommenden G7-Gipfel in Elmau sind "enorm". Jede Person, die sich für den Zutritt zu einem der Sicherheitsbereiche akkreditiert hat, wird überprüft. Die Bundesregierung schätzt diese Zahl auf rund 10 000.

Vor dem G7-Gipfel spricht Rainer Wendt über die enormen Herausforderungen für die Polizisten

AZ: Herr Wendt, Tausende Polizisten sichern das Treffen der G7 auf Schloss Elmau. Haben Verkehrsrowdies und Einbrecher jetzt Narrenfreiheit?
Rainer Wendt: Mit Sicherheit nicht. Auch wenn wir viele Kräfte zusammen ziehen, wird deswegen die Organisation unseres Polizeialltages nicht vernachlässigt. Ganz im Gegenteil. Wir werden Raser genauso verfolgen wie Einbrecher oder Schläger. Da lassen wir nicht nach.

Wie viele Beamte sind denn rund um Garmisch im Einsatz?
Mal ist von 17000 die Rede, mal von bis zu 25000. Wendt: In der Spitze, also während der Gipfeltage, sind es etwa 17000. Die teilwiese deutlich höheren Zahlen rühren daher, dass Einheiten nach einem Einsatz teilwiese auch wieder von neuen Einheiten abgelöst werden, immerhin schieben die Beamten hier Schichten von zwölf Stunden.

Obwohl die Polizeiaufgebote immer größer werden, lassen sich Krawalle wie im März in Frankfurt offenbar nicht verhindern. Was läuft das schief?
Das hat auch immer etwas mit der Topografie eines Veranstaltungsortes zu tun. Ländliche Regionen wie jetzt in Oberbayern lassen sich leichter schützen als die Innenstädte wie in Frankfurt, wo sich kleine Gruppen von Randalierern auf den Weg machen und blitzschnell zuschlagen, Autos anzünden oder Polizeibeamte angreifen. Diese Störer sind mittlerweile sehr geübt, sie verabreden sich per Handy und deshalb ist die Polizei manchmal eben auch nur zweiter Sieger. Wir ziehen nicht in Guerillagruppen durch die Stadt, sondern in geordneten Hundertschaften.

Innenminister Joachim Hermann hat einen harten Kurs gegenüber gewaltbereiten Demonstranten angekündigt. Heißt das, wer Autos anzündet oder mit Brandsätzen wirft, landet in einer mobilen Gefängniszelle?
Diese Strategie kann man nur begrüßen. Die Ansage an alle, die glauben, sich dort austoben zu können, ist klar: Wir warten nicht, bis jemand Steine wirft oder Autos anzündet, sondern wir beobachten verdächtige Gruppen sehr genau und schreiten auch sehr früh ein. Wer sich vermummt und nach einem Stein greift, hat im Grunde genommen sein Recht verwirkt, an einer Demonstration teilzunehmen.

Das Verwaltungsgericht München hat das von der Gemeinde Garmisch verbotene Protestcamp doch noch erlaubt. Ist das nicht die vernünftigere Lösung? Damit verhindern sie doch, dass sich die Gegenbewegung in viele kleine, schwer zu kontrollierende Gruppen aufsplittert.
Wenn Sie für ein solches Camp irgendeinen Acker zur Verfügung stellen wie damals in Heiligendamm, dann ist das vielleicht noch in Ordnung. In einer so schönen Region wie der rund um Garmisch ist das etwas anderes. Auch für uns Polizisten sind die hohen Umweltauflagen dort eine große Herausforderung, wir dürfen zum Beispiel keine Dixie-Klos aufstellen und viele Wege nicht befestigen. Und dann wird so ein wildes Lager genehmigt, ohne jede Infrastruktur, mit möglicherweise irreparablen Schäden für die Natur. Ich halte das für kontraproduktiv. Aber auch auf dieses Szenario ist die Polizei vorbereitet.

Zwölf-Stunden-Schichten, gewalttätige Gegner. Mal ehrlich: Melden sich Polizisten noch freiwillig für solche Einsätze?
Aber sicher! Kein Staatsmann und keine Staatsfrau muss sich in Deutschland vor Krawallmachern verstecken. Wir Polizisten sorgen dafür, dass Spitzenpolitiker wie Frau Merkel oder Herr Obama sich treffen können, wo sie wollen. Und genauso gewährleisten wir auch die Versammlungsfreiheit der Demonstranten. Die meisten Beamten sind stolz drauf, bei solchen Einsätzen mit dabei zu sein.

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